Sprudelwasser im Test: Welches Mineralwasser sehr gut abschneidet

Stiftung Warentest hat Mineralwasser unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: „Es sprudelt gute Noten“, sagen die Tester selbst.
Oliver Berg/dpaBei dieser Hitze kriegt man Durst. Doch was trinken die Deutschen am liebsten? 95 Prozent der Verbraucherinnen und Verbraucher trinken Mineralwasser. Durchschnittlich nimmt jeder Mensch in Deutschland laut dem Verband Deutscher Mineralbrunnen (VDM) täglich ein großes Glas voll zu sich und zusätzlich sagen zwei von drei Menschen, dass sie vorwiegend Mineralwasser konsumieren. Der Erfolg der gesunden Flüssigkeit zeigt sich auch an konkreten Zahlen. Der Konsum von Mineral- und Heilwasser hat sich in den letzten 50 Jahren nahezu verzehnfacht. Lag der Mineralwasser-Konsum im Jahr 1970 noch bei 12,5 Litern pro Kopf, wurden im Jahr 2023 in Deutschland bereits durchschnittlich 124,3 Liter Mineral- und Heilwasser je Einwohner konsumiert.
Angesichts dieser Werte ist es umso erfreulicher, dass Stiftung Warentest ihre aktuelle Einschätzung von verschiedenen Sprudelsorten mit den Worten „Es sprudelt gute Noten“ überschreibt. Denn die Tester sind zufrieden, wie selten. „Das Ergebnis unseres Tests ruft ein wohliges Kribbeln hervor: Von 29 Wässern sind 11 sehr gut und 14 gut“, schreiben sie im aktuellen „test“-Heft. Bedenkliche Gehalte an kritischen Stoffen wie Uran, Nitrat oder Rückständen aus Flaschen fanden sie nicht, mikrobiologisch sei alles tadellos gewesen. Da kam Öko-Test vor einigen Wochen zu einem etwas anderen Ergebnis.
Testsieger kommen aus Baden-Württemberg und Sachsen
Die Testsieger sind Saxonia Quelle aus Sachsen (32 Cent pro Liter) und Alb-Perle aus Baden-Württemberg (32 Cent). Letzteres sei das mineralstoffreichste Wasser auf den vorderen Rängen.
Laut der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) wurde im Jahr 2022 mit mehr als 44 Prozent das meiste Mineralwasser in Deutschland in Discountern gekauft. Unter den deutschen Abfüllern von Mineralwasser ist übrigens die Mitteldeutsche Erfrischungsgetränke Gruppe mit einem Umsatz von rund 582 Millionen Euro einer der größten Getränkehersteller des deutschen Marktes. Die Gruppe ist vorrangig Lieferant für Discount-Ketten. So füllt sie beispielsweise die Mineralwasser-Eigenmarken von Lidl und Kaufland ab. Der Absatz der Gruppe belief sich 2023 auf mehr als 2,8 Milliarden Liter.
Angesichts einer so hohen Nachfrage prüften die Tester auch Wasser aus dem Supermarkt. Einige davon werden von ihnen als Preistipp empfohlen: „Die auch sehr guten Handelsmarken von Lidl, Norma, Penny, Aldi und Edeka kosten nur 19 Cent je Liter“.
Die Warentester rechneten zudem aus, was verschiedene Wassersorten jährlich kosten. Am preisgünstigsten und in den allermeisten Fällen auch sehr empfehlenswert ist Leitungswasser. Wer täglich 1,5 Liter Wasser trinkt, zahlt gerade mal 2,14 Euro im Jahr. Für Discounterwasser müssen die Verbraucherinnen und Verbraucher 104 Euro im Jahr rechnen, mit Adelholzener, Rosbacher oder Carolinen Bio fallen 394 Euro an. Am teuersten im Test war die Rheinsberger Preussenquelle. Wer davon täglich anderthalb Liter trinkt, zahlt jährlich 1220 Euro.
Süßstoffe und Pestizide
Unterschiede zwischen den Wassersorten gibt es allerdings nicht nur beim Preis. „Weder das Wasser der Handelsmarken noch Leitungswasser ist in der Regel mineralstoffreich“, erklären die Tester. „Alle, die Wert auf viel Kalzium, Magnesium oder Sulfat legen, müssen mehr Geld investieren.“ Im Normalfall seien dann Traditionsmarken aus Regionen mit mineralstoffreichen Böden zu empfehlen, wie Gerolsteiner (63 Cent) oder Naturpark Quelle (37 Cent).
Auch der Geschmack wurde getestet. Laut Warentest verkosteten mindestens fünf geschulte Prüfpersonen die anonymisierten Produkte unter gleichen Bedingungen und beschrieben anschließend Aussehen, Geruch, Geschmack und Mundgefühl. 24 Sprudelsorten erhielten in diesem sensorischen Test die Bestnote. Lediglich zwei Produkte fielen mit Fehlern auf, wie metallischem Geschmack oder zu wenig Kohlensäure. Außerdem enthielten unter anderem die Produkte von Merkur, Carolinen Bio und Residenz Quelle Süßstoffe oder Pestizidabbauprodukte. „Die Befunde im Nanogrammbereich gelten als gesundheitlich unbedenklich –zeigen aber, dass die Quellen nicht genug vor Einträgen aus der modernen Welt geschützt sind“, erklären die Prüfer.
Die Mineralbrunnen freuen sich grundsätzlich über die Testergebnisse. „Stiftung Warentest gibt den Verbraucherinnen und Verbrauchern die unabhängige Sicherheit, dass ‚für jeden Durst etwas‘ dabei ist und sie sich ausnahmslos auf die hervorragende Qualität des Naturprodukts Mineralwasser verlassen können“, sagt Jürgen Reichle, Geschäftsführer des VDM. Er betont: „Die mehr als 500 regionalen Mineralwässer in Deutschland bieten eine einzigartige Vielfalt für jeden Bedarf in Hinblick auf die tägliche Versorgung, Geschmack, Verpackung, Mineralisierung und Preis“.
Knapp 160 Mineralbrunnen
Der deutsche Getränkemarkt bietet eine Fülle an regionalen und überregionalen Mineralwassermarken an. Das Wasser stammt dabei aus knapp 160 Mineralbrunnen. Die Mineralbrunnenindustrie setzt jährlich rund 12,8 Milliarden Liter Wasser auf dem deutschen Markt ab. Im Jahr 2023 gab es in Deutschland insgesamt 156 Betriebe in der Abfüllung von Mineralwasser. 2002 waren es noch 232. Im Jahr 2023 wurden rund 7,4 Milliarden Liter Mineralwasser mit wenig oder ohne Kohlensäure (medium oder still) hergestellt, knapp 4,8 Milliarden Liter mit Kohlensäure, wie das Statistische Bundesamt berichtet.


