Anlage für Sicherheitsbewusste: Schenken Sie Ihrer Hausbank Geld?

Verbraucher in Deutschland verschenken einen zweistelligen Milliardenbetrag pro Jahr, weil sie Erspartes schlecht verzinst bei ihrer Hausbank liegen lassen.
Hendrik Schmidt/dpa- Deutsche Verbraucher verlieren jährlich Milliarden durch schlecht verzinste Sparkonten.
- Sparkassen-Kunden erhalten durchschnittlich nur 0,43 % Zinsen auf Tagesgeld.
- Gut verzinste Tagesgeldkonten bieten bis zu 2,25 % Zinsen.
- Festgeld bietet höhere Zinsen, aber das Geld ist während der Laufzeit nicht verfügbar.
- Experten empfehlen regelmäßige Überweisungen auf besser verzinste Konten.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Vor wenigen Tagen frohlockte der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Ulrich Reuter, über ein sehr ordentliches Ergebnis der deutschen Sparkassen. Sie erzielten einen Gewinn vor Steuern von 7,3 Milliarden Euro. Von den 1,2 Billionen Euro Einlagen der Sparkassenkunden liegen rund zwei Drittel und damit knapp 800 Milliarden Euro auf Giro- und Tagesgeldkonten und werden kaum verzinst. Nach einer Untersuchung der Finanzberatungsgesellschaft Barkow liegt beim Tagesgeld der durchschnittliche Zinssatz der aktuell 349 Sparkassen bei 0,43 Prozent nach einem Höhepunkt von 0,54 Prozent im Mai 2024. Der Höchstzins für Tagesgeld im Sparkassensektor habe sich von 3 Prozent im Oktober auf aktuell 1,5 Prozent halbiert. Zwei Beispiele aus der Region: Der Zins fürs S-Tagesgeld der Sparkasse Ulm beträgt 0,5 Prozent (Stand: 24. März), bei der Kreisparkasse Tübingen gibt immerhin es eine Verzinsung ab 0,65 Prozent.
Für Sparkassen-Kunden heißt das: Ihre Treue zur Hausbank kommt sie teuer zu stehen. Wer auf biallo.de oder anderen Online-Finanzportalen nach guten Tagesgeld-Konditionen schaut, findet Banken in Ländern mit höchster Bonität, die 2,25 Prozent Zinsen für Bestandskunden bieten. Das heißt im Klartext: Sparkassen-Kunden verschenken, wenn man den durchschnittlichen Zinssatz der Sparkassen von 0,43 Prozent und lediglich den aktuellen Tagesgeld-Durchschnittszins von 1,63 Prozent zugrunde legt, knapp zehn Milliarden Euro an Zinseinnahmen. Sie finden sich zudem mit einem Zinssatz ab, der weit unter der Inflationsrate liegt. Das heißt auch: Ihr Sparvermögen verliert in Milliardenhöhe an Kaufkraft.
Banken geben Zinssenkungen rasch weiter
Angesichts der bereits zweiten Senkung der Europäischen Zentralbank in diesem Jahr beträgt der Leitzins 2,5 Prozent. „Unser Marktmonitoring zeigt auch, dass die Sparkassen Zinssenkungen häufiger weitergeben als Zinserhöhungen. So haben sie seit der ersten EZB-Zinssenkung im Juni 2024 genau 214-mal die Zinsen für Tagesgeld gesenkt. Zinserhöhungen kamen hingegen nur 24-mal vor“, schreiben die Experten von Barkow.
Dabei lohnt es sich, überschüssiges Guthaben regelmäßig auf gut verzinste Anlagekonten zu übertragen und so das Beste aus seinem Geld herauszuholen, sagt Merten Larisch, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bayern. Wer etwa 10.000 Euro auf dem Girokonto verkümmern lässt, statt das Geld für zwei Prozent auf einem guten Tagesgeldkonto anzulegen, verliere schon 200 Euro an Zinsen pro Jahr. Larisch rät, „überschüssiges Geld auf dem Girokonto einmal im Monat auf ein gut verzinstes Tagesgeldkonto zu überweisen oder dafür gleich einen Dauerauftrag einrichten“.
Weil Tagesgeld, wie es der Name schon sagt, täglich verfügbar ist, eignet es sich als leicht zugänglicher Parkplatz für die finanzielle Notreserve, etwa für eine teurere Autoreparatur. Mitte März 2025 lag der Zinssatz für Tagesgeldkonten laut dem Index des Verbraucherportals biallo.de bei durchschnittlich knapp 1,63 Prozent. Trotzdem sind auch bei Geldhäusern mit sehr guter Sicherung der Spareinlagen noch Zinsen um die drei Prozent drin. Zu diesen zählen etwa die Credit-Europe-Bank, Consorsbank, Garanti Bank, TF-Bank, ING und Advanzia.
Die Top-Zinsen erhalten allerdings nur Neukunden und auch nur für eine begrenzte Zeit von meist drei bis maximal sechs Monaten. Experte Larisch rät deshalb Kunden, die nicht ständig von einer Bank mit Aktionszins zur nächsten wechseln wollen, auf die Bestandszinsen zu schauen. Das sind die Zinsen, die die Bank zahlt, wenn es keine Aktionszinsen mehr gibt. Zu den Banken, die attraktive Bestandszinsen gewähren, zählen unter anderem der schwedische Finanzdienstleister Klarna, der liechtensteinische Vermögensverwalter wiLLBe und Smartbroker+.
Mit Festgeld mehr Zinsen herausholen
Wer Erspartes in Festgeld oder in Sparbriefen anlegt, kommt während der vereinbarten Laufzeit nicht an sein Guthaben ran. Dafür sind die Zinsen in der Regel höher als für Tagesgeld. Die insgesamt sechs Leitzinssenkungen der EZB seit 2024 machten sich aber vor allem beim Festgeld bemerkbar. So brachte Festgeld mit zwei Jahren Laufzeit dem Biallo-Index zufolge Ende November 2023 noch 2,61 Prozent Zinsen im Durchschnitt, ein 15-Jahres-Hoch. Mitte März 2025 waren es im Durchschnitt bei neuen Abschlüssen nur noch 1,73 Prozent. Bei etlichen Banken mit sehr guter oder guter Einlagensicherung, egal ob aus Deutschland oder aus dem Ausland, sind aber für Laufzeiten von zwölf oder 24 Monaten noch Zinsen von 2,50 bis knapp drei Prozent drin, so etwa bei den deutschen Geldhäusern Grenke Bank, Pbb direkt, Isbank oder Cronbank.
Für kurze Laufzeiten spricht derzeit, dass die Zinsen momentan für zwölf- oder 24-monatiges Festgeld teilweise höher sind als für längere Laufzeiten. Sollten Inflation und Zinsen in den kommenden Jahren noch einmal stärker steigen, etwa weil US-Präsident Donald Trump weiterhin mit höheren Schutzzöllen spielt, sind Anleger im Vorteil, die ihr Geld schnell verfügbar haben und zu dann besseren Zinsen neu anlegen können. Mit längeren Laufzeiten lässt sich hingegen das bestehende Zinsniveau sichern für den Fall, dass die Zinsen in den nächsten Jahren weiter zurückgehen sollten.
So hilfreich ist der Bau einer Zinsleiter
Wer sich die Spekulation auf die künftige Zinsentwicklung sparen will, kann sich eine Zinsleiter bauen. Dabei wird eine Gesamtsumme Geld in kleinere Chargen aufgeteilt und zu verschiedenen Laufzeiten angelegt. So haben Sparende einerseits die Möglichkeit, immer mal wieder über einen Teil des Ersparten zu verfügen und neu zu investieren.
Diese Methode lässt sich zusätzlich optimieren, indem man größere Beträge in die Laufzeiten investiert, „bei denen der Zinsabstand zum nächst kürzeren Anlagezeitraum am höchsten ist“, rät die Stiftung Warentest: Beispiel: Wenn zum Beispiel der Zinssatz für ein einjähriges Festgeld deutlich höher ist als für Festgeld mit zwei, drei oder fünf Jahren Laufzeit, lohnt es sich mehr, in das einjährige Festgeld zu investieren.


