Bis zu 20 Sekunden Unterschied
: „Jubel-Booster“ – damit der Nachbar bei der WM nicht früher jubelt

Vodafone will Fernsehbilder zeitnaher bringen und verspricht den „Jubel-Booster“. Welche TV-Technik schnell, welche unschlagbar ist und wie sich die Übertragung zu Hause verbessern lässt.
Von
Thomas Veitinger
Ulm
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437619207  - Fußball, Fußballspiel, Fernseher, junger Mann, Couch. Download am 10.06.2024 für Caroline Strang, SWP, Wirtschaft, Online+Print. Foto: ©  Julia/adobe.stock.com

Auch wenn es live heißt: Zwischen dem Geschehen auf dem Rasen und dem Bild auf dem Fernseher liegt immer etwas Zeit.

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  • Unterschiedliche TV-Empfangsarten verursachen teils große Latenzen beim „Live“-Bild.
  • Satellit war in Messungen am schnellsten, dicht gefolgt von DVB-T2 und Kabel.
  • Ausnahme: Vodafone-Kabel lag bei ARD/ZDF teils vor Satellit – mit bis zu 2,5 Sekunden.
  • Vodafone kündigt „Jubel-Booster“ an: schnellere ARD/ZDF-Bilder im Kabel und weniger Latenz.
  • Tipps: stabile Internetleitung, Mediatheken von ARD/ZDF, Game-Mode – Radio bleibt am schnellsten.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Sollte der Wettergott tatsächlich ein Einsehen haben und sich die Fußball-Weltmeisterschaft im Freien – etwa auf dem Balkon – verfolgen lassen, könnte es ein Problem geben: Beim Elfmeterschießen jubelt der Nachbar in dichter bebauten Gegenden manchmal schon, während sich der Spieler auf dem eigenen Fernseher den Ball erst zurechtlegt. Schuld daran ist die Verzögerung unterschiedlicher TV-Empfangsarten. In Messungen gab es sogenannte Latenzen von bis zu 25 Sekunden zwischen der schnellsten und der langsamsten Live-Übertragung – Zeit genug, dass sämtliche Spannung verloren gehen kann.

Die Fachzeitschrift „c’t“ hat vor zwei Jahren nachgemessen, wer den Siegerpokal unter den Übertragungsarten bekommt: Fernsehen über Satellit. Rund sechs Sekunden, nachdem das Tor im Stadion fällt, ist es auf den Fernsehern zu sehen, die ihr Bild via geostationärer Umlaufbahn bekommen. Knapp dahinter liegen der TV-Empfang über Antenne mit DVB-T2 und das Kabelfernsehen, abhängig vom regionalen Anbieter. Abgeschlagen waren Internetfernsehanbieter.

Wobei es bereits 2024 eine große Ausnahme gab: das Kabelsignal von Vodafone. Zur Fußball-EM lag dieses bei ARD- und ZDF-Übertragungen noch vor dem Satellitensignal, so „c't“. Und zwar um 1,5 Sekunden bei der ARD und um 2,5 Sekunden beim ZDF. Dies könnte nun zur Fußball-WM in diesem Jahr wieder so sein: Vodafone hat angekündigt, eine Beschleunigung für zwölf Millionen Haushalte von jetzt an bis Herbst freizuschalten – und nennt sie den „Jubel-Booster“.

Jede Millisekunde entscheidet

„Vor allem bei Videokonferenzen oder beim Gaming kann jede Millisekunde entscheiden. Mit dem Latenz-Booster verbessern wir die Reaktionszeiten im Kabelnetz unter Last spürbar“, sagt Marcel de Groot, Deutschlandchef von Vodafone. „Internet-Nutzer merken das künftig vor allem in Stoßzeiten, also dann, wenn’s bislang auch mal ruckelt.“ Ab Herbst soll die verbesserte Leistung nach Updates für Router auch bei Internet-Nutzern ankommen und in rund zwei Jahren sollen alle 24 Millionen Haushalte davon profitieren. Ein Austausch von Leitungen oder Routern sei nicht notwendig.

Speziell gekennzeichnete Datenströme bekommen im Netz eine Art Überholspur zugeteilt, informiert das Telekommunikationsunternehmen. Zeitkritische Anwendungen wie Videotelefonie, Online-Gaming oder Cloud-Anwendungen werden bevorzugt behandelt und ihre Datenpakete nicht mehr aufgehalten, wenn im Hintergrund große Datenmengen wie Downloads oder Updates laufen. Die Reaktionszeiten ließen sich bei intensivem Nutzerverhalten und Netzauslastung halbieren.

Überholspur für Fußball

Laut Portal Computerbase nutzt Vodafone für die WM-Übertragungen von ARD und ZDF ein besonders früh verfügbares TV-Signal der Sender und verteilt es direkt im Kabelnetz – ohne zusätzliche Verarbeitungsschritte. Dadurch sollen weitere Verzögerungen in der Signalaufbereitung entfallen, informieren die Experten. Im Ergebnis sollen die Live-Bilder rund zwei Sekunden früher im Wohnzimmer ankommen als bislang. Die Latenzoptimierung mache sich bei allen Spielen bemerkbar, die auf „Das Erste HD“ und „ZDF HD“ im Kabelnetz von Vodafone zu sehen sind – das öffentlich-rechtliche Fernsehen überträgt 60 der 104 WM-Spiele.

Beim Streaming spielen nicht nur der Dienst, sondern auch das Endgerät eine Rolle, weiß c't. Ob Stick oder App sei weniger entscheidend als die genutzten Apps. Einen Geheimtipp sieht c't dabei in den Mediatheken von ARD und ZDF, die zwar gegenüber klassischen Empfangswegen wenige Sekunden später Bilder lieferten, allerdings keine zehn Sekunden wie bei anderen Anbietern. Für das Vergleichsportal Vervox ist zudem „das A und O für ruckelfreies TV-Vergnügen ein stabiler und leistungsfähiger Breitbandanschluss“. Für eine flüssige Internetverbindung beim Streamen werde eine Datengeschwindigkeit von mindestens 50 Megabit pro Sekunde benötigt.

Die kanadische Testseite Rtings.com macht noch einen weiteren Zeiträuber aus. Selbst bei gleicher Technik könne das Endgerät Bilder verzögern. Ein Fernseher mit Bildverbesserern („Motion Smoothing“, Zwischenbildberechnung) kostet laut Rtings.com zusätzliche Zeit. Für Fußball sollten die Bildmodi „Spiel“ oder „Game Mode“ aktiviert werden. Noch besser als Sekunden oder Sekundbruchteile herauszuholen, könnte aber sein, den Nachbarn einzuladen und zusammen zu jubeln.

Das allerschnellste Medium

Wer das Geschehen auf dem Fußballplatz besonders aktuell will, sollte dafür einen sehr klassischen Weg nutzen, informiert das Vergleichsportal Verivox. Das Rennen um die schnellste Übertragung macht immer noch das gute alte, analoge Radio mit einer Verzögerung von unter einer Sekunde. Radiohörerinnen und -hörer wissen noch vor allen anderen Bescheid, wie das Spiel ausging – auch wenn der Abstand inzwischen geschrumpft sei. Es soll ja tatsächlich Fußballfans geben, die den Fernsehton ab- und das Radio aufdrehen.

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