Finanzielle Sicherheit: Der Bund fürs Leben – und was das für Ihre Finanzen bedeutet

Verheiratete haben finanzielle Vorteile. Damit es bei einer Scheidung keine Nachteile gibt, gilt es vorzusorgen.
© Wedding photography/adobe.stock.com- Ehevertrag bietet Schutz vor finanziellen Risiken bei Scheidung – Experten raten zur Vorsorge.
- Ehegattensplitting spart Steuern; Drei-Konten-Modell sorgt für finanzielle Fairness.
- Gemeinsame Versicherungen und überkreuz abgeschlossene Lebensversicherungen bieten Vorteile.
- Ehe erleichtert schenkungssteuerfreie Vermögensübertragungen, z. B. bei Immobilien.
- Frauen sollten Care-Arbeit finanziell ausgleichen lassen und privat fürs Alter vorsorgen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Knapp 350.000 Paare haben sich im vergangenen Jahr laut dem Statistischen Bundesamt Destatis das Ja-Wort gegeben. „Natürlich überwiegen zunächst die romantischen Vorstellungen von dem Zusammenleben bis dass der Tod ein Paar scheidet“, stellt Petra Ahrens, Vorständin und Inhaberin der Maiestas Vermögensmanagement AG in Köln, fest. Dennoch lohnt es sich, die Emotionen kurz auszuschalten und sich mit den finanziellen Aspekten einer Partnerschaft zu beschäftigen.
„Ich kann nur jedem raten, offen zu kommunizieren und das Worst-Case-Szenario einmal durchzuspielen und dann darauf basierend über einen Ehevertrag nachzudenken“, rät Ahrens. Auch wenn es wenig romantisch klingt, mit einem Ehevertrag lassen sich Vereinbarungen abseits der gesetzlichen Regelungen treffen, die dabei helfen können, beide Partner für den schlimmsten Fall abzusichern. „Kommt es beispielsweise zu einer Scheidung, dann kann ein Ehevertrag, den man am besten mit einem Familienanwalt bespricht, helfen, ein finanzielles Desaster zu vermeiden“, so Ahrens. Immerhin wird rein statistisch mehr als jede dritte Ehe hierzulande geschieden.
Steuerersparnis für beide Partner
Wichtig ist aber auch die steuerliche Seite. „Aufgrund des Ehegattensplittings lässt sich durch die Wahl der Steuerklasse Einkommensteuer sparen“, erklärt Michael Craatz von der Heinrich & Hansen AG in Kempten. Allerdings gilt es für die beiden Partner genau hinzusehen. Denn nimmt ein Paar das Ehegattensplitting in Anspruch, dann profitiert derjenige, der das höhere Einkommen hat. „Jedoch sollte die Steuerersparnis beiden Partner zugutekommen“, sagt Ahrens.
Zudem raten die Experten bei Ehen zum Drei-Kontenmodell. „Also eines für jeden Partner und ein Gemeinschaftskonto“, sagt Craatz. Letzteres ist für die gemeinsamen Lebenshaltungskosten und wird von beiden Partner – entsprechend der Höhe ihres Einkommens – per Dauerauftrag befüllt. „Persönliche Ausgaben für Kleidung oder den Sportverein sollten dagegen von den eigenen Konten bezahlt werden“, so Craatz.
Ein weiterer Punkt sind Versicherungen. Viele Versicherungen lassen sich zusammenlegen, wodurch Paare Geld sparen können. Zudem gibt es bei Versicherungen oftmals Begünstigte. „Wenn gewünscht, sollte man hier daran denken, den Ehepartner als Begünstigten einzusetzen“, erklärt Craatz. Interessant kann auch eine überkreuz abgeschlossene Lebensversicherung sein. „Dabei versichert jeder Partner das Leben des anderen“, sagt er. „Der Vorteil liegt darin, dass die Auszahlung dann nicht in die Erbmasse fällt, sondern als eigene Versicherungsleistung gilt, wodurch sich Erbschaftsteuer vermeiden oder zumindest reduzieren lässt.“
Schenkungssteuerfrei übertragen
Dazu kommen grundsätzliche Vorteile der Ehe: „Zum Beispiel liegen die Freibeträge bei Schenkungen bei 500.000 Euro und das alle zehn Jahre“, so Craatz. Bei unverheirateten Paaren liegt der Freibetrag nur bei 20.000 Euro. Außerdem gibt es die Güterstandschaukel. „Damit lassen sich zum Beispiel Immobilien zwischen den Ehepartnern schenkungssteuerfrei übertragen“, erklärt der Experte. „Das ist vor allem bei sehr ungleich verteilten Vermögensverhältnissen sinnvoll und kann dazu beitragen, die steuerliche Belastung bei der Nachfolgeplanung deutlich zu optimieren.“
Ein weiteres Thema, das es bei der Familiengründung zu berücksichtigen gilt, ist die Care-Arbeit, also die Erziehung der Kinder oder die Pflege naher Angehöriger. „Das übernimmt in den meisten Fällen immer noch die Frau, weshalb sie ihre Berufstätigkeit unterbricht und womöglich längere Zeit in Teilzeit arbeitet“, sagt Ahrens. Und das schlägt sich in niedrigeren Rentenzahlungen und einem erhöhten Armutsrisiko für die Frau nieder.
„Zwar gibt es einen Hinterbliebenenausgleich, das heißt, die Frau hat beim Tod des Partners Anspruch auf eine Witwenrente“, sagt Craatz. Dennoch bekommen Frauen laut Destatis rund 27 Prozent weniger Alterseinkünfte als Männer, weshalb sie häufiger von Altersarmut betroffen sind als ihre männlichen Geschlechtsgenossen. „Frauen sollten deshalb für die Care-Arbeit von ihrem Partner zusätzlich einen finanziellen Ausgleich erhalten“, sagt Ahrens. Den wiederum sollten Frauen nutzen, um privat für das Alter vorzusorgen.
Grundsätzlich rät Ahrens dazu, dass sich beide Partner in der Ehe so aufstellen, dass sie in jeder Lebensphase finanziell unabhängig sind. „Ganz trennen lassen sich die Finanzen zwar nie, aber mein Tipp ist, dass Paare ein gemeinsames Leben führen, aber finanziell unabhängig bleiben sollten“, so ihr Fazit.
Sinnvoller Ehevertrag
Konkret ist ein Ehevertrag eine notariell beglaubigte und schriftliche Vereinbarung zwischen den Eheleuten, die von den gesetzlichen Regelungen zum Güterstand, zum Unterhalt und zum Versorgungsausgleich abweichen kann. So kann darin zum Beispiel festgelegt werden, dass bestimmte Vermögensgegenstände von der Zugewinngemeinschaft ausgeklammert sind, der Vertrag kann individuelle Regelungen zum Unterhalt nach der Ehe enthalten oder die Versorgungsansprüche den Wünschen des Ehepaares entsprechend regeln.
