Mobilfunk-Frequenz Empfang auch an Landstraßen

Für den Standort Deutschland hängt viel von der künftigen Mobilfunkversorgung  ab.  
Für den Standort Deutschland hängt viel von der künftigen Mobilfunkversorgung  ab.   © Foto: Alexander Yakimov/Shutterstock.com
Berlin / Igor Steinle und dpa 07.11.2018

Der Bund will Netzbetreiber bei Lizenzen für das ultraschnelle Mobilfunk-Internet 5G stärker in die Pflicht nehmen als bisher geplant. Nicht nur an Bundesstraßen, sondern auch an Landstraßen sollen die Betreiber künftig das schnelle Internet ermöglichen. Das erklärte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) am Dienstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur, nachdem er sich am Vorabend mit dem Chef der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, getroffen hatte.

„Nicht nur die Metropolen sollen von der Digitalisierung profitieren, sondern gerade auch die ländlichen Regionen“, sagte Scheuer. Nur so erreiche man gleichwertige Lebensverhältnisse im gesamten Land.

Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) hatte sich zuvor besorgt über die Versteigerung der Funkfrequenzen für das mobile Internet der nächsten Generation (5G) geäußert. Wenn die so ablaufen, wie geplant, könne von gleichwertigen Bedingungen in Deutschland keine Rede sein, kritisiert VKU-Chefin Katherina Reiche. Gemeinsam mit dem Bundesverband Glasfaseranschluss und der Internet Economy Foundation (IEF) fordert sie Nachbesserungen. „Wir drohen einmal mehr abgehängt zu werden“, warnt IEF-Chef Friedbert Pflüger.

5G, der Nachfolger des Mobilfunkstandards LTE, ist für ziemlich jede Technologie nötig, die in Zukunft wichtig wird: für autonomes Fahren, für Telemedizin, wenn Ärzte per Roboter aus der Ferne operieren, für vernetzte Produktion. Insbesondere der ländliche Raum dürfe da nicht vernachlässigt werden, betont Reiche.

Zuständig für die Versteigerung ist die Bundesnetzagentur. Ende November will sie endgültig regeln, unter welchen Auflagen die Netzbetreiber Vodafone, Telefónica und Telekom die Frequenzen ersteigern können. Bisher fordert die Agentur, dass die Konzerne wegen der hohen Kosten nicht flächendeckend ausbauen, sondern 98 Prozent der Haushalte bis Ende 2022 versorgen müssen. Das würde bedeuten, dass 20 Prozent der Bundesfläche nicht an das 5G-Netz angeschlossen würde. „Viele kleine und mittelständische Unternehmen würden keinen Netzzugang erhalten“, warnt Reiche.

Zahlreiche Wirtschaftsvertreter haben kürzlich gemeinsam appelliert, die Bedingungen zu verschärfen. Zuletzt versprach Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, die Netzbetreiber in die Pflicht zu nehmen. Wenn die Ausbauverpflichtungen nicht erfüllt werden, müssten die Netzbetreiber per Roaming kooperieren, „so dass alle Kunden versorgt sind“.

Auch der VKU fordert ein solches nationales Roaming. Dadurch könnte man im Funkloch automatisch das Netz anderer Betreiber nutzen. Die Hoffnung ist, dass die drei großen Netzbetreiber dann eher in die Fläche ausbauen würden, anstatt parallel zueinander in den lukrativen Ballungszentren. Außerdem sollten sie auch Anbieter ohne Netze wie 1&1 oder Freenet ihre Netze gegen Entgelt nutzen lassen. Mehr Wettbewerb würde die Preise für den Endverbraucher senken.

VKU-Chefin Reiche sieht deswegen die Politik in der Pflicht: „Niemand hindert den Gesetzgeber daran, das Telekommunikationsgesetz zu ändern.“

Hohe Kosten

5G steht nach 4G (LTE) und 3G (UMTS) für den nächsten Mobilfunkstandard. Diese Standards werden weltweit einheitlich geregelt. Das Datennetz erfordert vor allem in Städten wegen der geringen Reichweite ein sehr dichtes Antennennetz. Das macht den Ausbau sehr teuer. igs

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