E-Books ohne Amazon: Alternativen zum Kindle! Diese E-Reader lohnen sich

Der Pocketbook Era Color setzt wie viele aktuelle E-Book-Reader auf ein Display, das schwarz-weißen Text, aber auch Farben anzeigen kann.
Moritz Clauß- Amazon dominiert den E-Reader-Markt, doch Alternativen wie Tolino, Pocketbook und Boox gewinnen an Beliebtheit.
- Tolino-Reader punkten mit offenem System und Bibliotheks-Onleihe, haben aber teils Reaktionsprobleme.
- Pocketbook überzeugt mit Anpassungsoptionen und Onleihe-App, bietet aber eingeschränkte Display-Ausrichtung.
- Boox Go 7 kombiniert E-Ink-Reader und Tablet, wirkt für Neulinge jedoch überladen. Onleihe-Nutzung eingeschränkt.
- Farbdisplays sind ideal für Comics, Schwarz-Weiß-Displays bieten weiterhin beste Lesbarkeit für Text.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Amazon dominiert den Markt für E-Book-Reader seit vielen Jahren. Lange war die Kindle-Reihe des US-Konzerns den Geräten der Konkurrenz technisch weit überlegen – auch heute noch schneiden die Lesegeräte in Tests sehr gut ab. Wer also einfach nur einen guten E-Reader sucht und nichts an Amazon als Hersteller auszusetzen hat, der kann ohne Bedenken zu einem Kindle greifen. Aber was gilt für die anderen?
Die Dominanz des US-Konzerns bringt auch Kritik mit sich – weil Amazon viele Nutzerdaten sammelt und die Kundschaft mit aller Kraft an das eigene System bindet. E-Books aus der Stadtbibliothek lassen sich zum Beispiel nicht auf einem Amazon Kindle lesen. Doch es gibt Alternativen: Gleich mehrere Hersteller haben ihre E-Reader in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Und sie überzeugen besonders da, wo sie alles anders machen als der US-Konzern.
Tolino Vision Color: der verbreitete Allrounder
Die großen deutschen Buchhändler bieten mit den Tolino-Geräten eigene E-Book-Reader mit einem offenen Ansatz: Wer Bücher bei Hugendubel kauft, kann sie zum Beispiel auf einem Tolino von Thalia lesen und umgekehrt. Im mittleren Preissegment sind der Tolino Shine (119 Euro) und der Tolino Vision Color (199 Euro) beliebt. Letzterer bietet Tasten zum Umblättern und ein farbiges Display. Beide E-Book-Reader unterstützen die sogenannte Onleihe, mit der E-Books aus vielen Stadtbibliotheken ausgeliehen werden können. Das funktioniert bei Tolino nicht über eine App, sondern etwas umständlich über den integrierten Webbrowser.
Auffällig ist, dass nicht wenige Tolino-Nutzer von wiederkehrenden Reaktionsproblemen beim Umblättern berichten. Ein Fehler, der bereits bei früheren Modellen des Herstellers aufgetreten ist. Die teils baugleichen Geräte des kanadischen Unternehmens Kobo gelten als zuverlässiger, sind aber nicht so stark auf den deutschen Markt ausgerichtet. Generell können Software-Hänger auf E-Readern den Lesefluss stören, wobei gilt: Nicht jede langsame Reaktion ist ein Fehler. Die Geräte sind einfach träger als herkömmliche Smartphones – das liegt unter anderem an der E-Ink-Technologie im Display, die optisch an Papier erinnert.
Ob ein Tolino mit Farbdisplay einen Mehrwert bietet, hängt wiederum vom Nutzerverhalten ab. Einerseits werden farbige E-Ink-Displays wie beim Tolino Vision Color immer besser – und bieten die gewohnt angenehme Papieroptik. Andererseits erreichen sie in Sachen Klarheit, Schärfe und Kontrast noch nicht das Niveau der schwarz-weißen E-Ink-Bildschirme. Sie lohnen sich deshalb vor allem für diejenigen, die gerne Comics oder Bücher mit Bildern lesen – und für alle, die Cover von Büchern unbedingt in Farbe sehen wollen. Wer ausschließlich Texte liest, bekommt mit einem schwarz-weißen Display noch immer die beste Qualität.

E-Reader mit Farbdisplay wie der Tolino Shine werden immer beliebter, haben aber auch Nachteile.
Victoria Tomaschko/tolino media GmbH & Co. KG/obsPocketbook Era: mehr als ein Geheimtipp
Ein wichtiger Konkurrent für Tolino sitzt in der Schweiz: Hersteller Pocketbook bietet ebenfalls E-Reader an, die nicht nur E-Books aus dem eigenen Store unterstützen. Der Pocketbook Verse Pro (169 Euro) und der schon etwas ältere Pocketbook Era (229 Euro) haben beide ein Schwarz-Weiß-Display und Tasten zum Umblättern. Die Onleihe ist in der Regel als App an Bord – ist das nicht der Fall, kann eine nachträgliche Installation bei Pocketbook angefragt werden. Ebenfalls praktisch: Klapphüllen zum Schutz des Displays lassen sich bei den Readern direkt im Gehäuse verankern.
Etwas störend: Wenn man den Pocketbook Era mit seinen seitlichen Umblätter-Tasten beim Lesen in der linken Hand hält, funktioniert das Fixieren der Display-Ausrichtung nicht immer wie gewünscht. In der rechten Hand besteht dieses Problem nicht, die automatische Display-Ausrichtung funktioniert zudem unabhängig von der gewählten Hand gut. Ansonsten bietet die Software viele Anpassungsmöglichkeiten: Nutzerinnen und Nutzer können zum Beispiel selbst einstellen, was passieren soll, wenn man auf einer Buchseite auf die rechte obere Ecke oder auf die Bildschirm-Mitte tippt. So lassen sich Schriftgröße, Helligkeit und andere Einstellungen direkt im Buch anpassen, ohne ein Menü zu öffnen.
Auch die Pocketbooks gehören nicht zu den schnellsten E-Readern. Im Alltag ist aber vor allem die Geschwindigkeit beim Umblättern von Buchseiten relevant – und die ist beim Pocketbook Era hervorragend. Es gibt die Reader auch in teureren Varianten mit farbigem E-Ink-Display – hier gelten dieselben Vor- und Nachteile wie bei den Geräten anderer Hersteller. Für Comic-Fans hat das Unternehmen mit dem Inkpad Color 3 außerdem einen etwas größeren, mit einem Preis von mehr als 300 Euro aber auch kostspieligen E-Reader mit Farbdisplay im Angebot.
Boox Go 7: halb E-Reader, halb Tablet
Die meisten E-Book-Reader beschränken sich auf einfache Anwendungen: Bücher, Hörbücher, Notizen und ein paar kleine Spiele. Doch seit einigen Jahren steigt die Zahl an Tablets, die auf E-Ink-Displays setzen. Diese Geräte bieten mehr Programme als klassische E-Book-Reader, häufig lassen sie sich auch mit einem Stift zum Schreiben nutzen. Der Nachteil: Ein E-Ink-Tablet kostet oft 500 Euro oder mehr.
Der Boox Go 7 hingegen zeigt für knapp 250 Euro, welche Vorteile ein Mix aus E-Book-Reader und Tablet haben kann. Das Gerät läuft mit Googles Betriebssystem Android und kann auch auf den Play Store des US-Konzerns zugreifen. Nutzerinnen und Nutzer können also Apps installieren, die sie vom Smartphone kennen. Das Ergebnis ist mitunter etwas experimentell: Wer auf dem Go 7 zum Beispiel YouTube installiert, wird feststellen, dass ein E-Ink-Display eher ungeeignet ist, um darauf Videos anzusehen.
Anders sieht das zum Beispiel bei digitalen Ausgaben von Zeitungen aus. Hier trumpft der Go 7 auf: E-Paper-Apps lassen sich gut lesen und bedienen, und das in einer Optik, die vergleichsweise nah an klassisches Zeitungspapier herankommt. Der Go 7 und der Go 7 Color sind für E-Reader außerdem sehr flott.
Wer einfach nur Bücher lesen will, wird die fortgeschrittenen Funktionen der Boox-Geräte aber nie benötigen – oder die Software als überladen empfinden. Ein weiterer Nachteil: Zwar lässt sich die Onleihe-App installieren, die Leihbücher müssen aber direkt in dieser App oder in einer anderen App aus dem Play Store gelesen werden – der im System integrierte E-Reader unterstützt sie nicht. Wer sich daran stört, greift also besser zu Pocketbook oder Tolino.
Unterschiedliche Geräte für unterschiedliche Zwecke
Vor dem Kauf eines E-Readers sollte man sich gut überlegen, wozu genau das Gerät benötigt wird. Comics und Bücher mit Bildern etwa profitieren stark von großen, farbigen Displays – das erhöht den Preis. Gerade im Einstiegsbereich haben E-Reader zudem oftmals keine physischen Tasten, sodass Nutzer über den Touchscreen umblättern müssen.
Wer digitale Bücher in öffentlichen Bibliotheken ausleihen will, sollte unbedingt ein Gerät wählen, das diese Bücher laden und anzeigen kann. Viele Hersteller bieten Einstiegsgeräte bereits für rund 100 Euro an – Nutzer müssen hier in der Regel Abstriche in Sachen Funktionsumfang und Geschwindigkeit hinnehmen.

