Dividenden bei Aktien und ETF: Wie Anleger mehr Vermögen mit ihrem Geld erzielen können

Aktionäre der Deutsche Post DHL Group, verfolgen die Hauptversammlung.
Oliver Berg/dpaDie Dividendensaison ist in vollem Gange. Die Aktiengesellschaften in Deutschland schütten in diesem Jahr Schätzungen zufolge knapp 55 Milliarden Euro aus – ein Rekord. Viele Aktienanleger glauben, dass dies eine besonders rentable Zeit sei. Dabei handelt es sich bei Dividenden anders als beim Zins um ein Spiel nach dem Muster „Rechte Tasche, linke Tasche“, das den Investoren keinen zusätzlichen Ertrag bringt. Langfristig orientierten Anlegern und wachstumsstarken Unternehmen schaden sie sogar nachweislich.
Der Irrglaube an die besonders rentable Dividenden-Zeit wird von vielen Seiten genährt: zum einen von der ewigen Hoffnung der Anleger auf attraktive Investitionen, zum anderen von jenen, die an der Story von den angeblich so attraktiven Dividenden gut verdienen – etwa Fondsgesellschaften, ETF-Anbieter, Banken, Unternehmen und Finanzmagazine. Fragt sich aber, warum ausgerechnet einer der erfolgreichsten Investoren bei diesem angeblichen Sterntaler-Thema abwinkt: US-Star-Investor Warren Buffett hält aus mehreren Gründen nichts von Ausschüttungen.
Anleger bezahlen sich selbst
Ein Grund dafür: Dividenden sind kein Ertrag wie ein Zins, den die andere Vertragspartei an die Anleger ausschüttet und den diese zusätzlich zum investierten Kapital erhalten. Vielmehr bezahlen sich die Aktienanleger mit den Dividenden selbst: „Am Tag der Ausschüttung, auch Ex-Dividende genannt, sinkt der Aktienkurs eines Unternehmens um eben diesen Betrag“, sagt Vermögensverwalter Michael Thaler. Daher verfügt ein Anleger nach Ausschüttung der Dividende über genauso viel Kapital wie zuvor.
Daher verfügt ein Anleger nach Ausschüttung der Dividende über genauso viel Kapital wie zuvor. Ein Beispiel verdeutlicht das: Ein Anleger hält 1.000 XYZ-Aktien zu je 50 Euro. Am Tag der Ausschüttung, die 6 Prozent oder 3 Euro pro Aktie beträgt, werden ihm 3.000 Euro aufs Verrechnungskonto überwiesen. Im Gegenzug verringert sich der Wert der Aktien im Depot auf 47.000 Euro. „Die Summe von 50.000 Euro verändert sich bei sonst gleichen Bedingungen nicht“, sagt Vermögensprofi Thaler – ein Fall von „linke Tasche, rechte Tasche“. Mit dem Unterschied, dass jetzt nur noch 47.000 Euro produktiv arbeiten.
Dem steht nur scheinbar entgegen, dass Dividenden unterm Strich einen großen Teil des langfristigen Anlageerfolgs ausmachen. Das lässt sich anhand des Dax-Performance-Index (Dax-P) und des Dax-Kurs-Index (Dax-K) illustrieren: „Der Dax-P steht aktuell bei rund 18.283 Punkten, der Dax-K bei 7136 Zählern. Die Differenz erklärt sich mit den Dividenden“, sagt Vermögensverwalter Stephan Albrech. Wären die Dax-Dividenden nicht zur Berechnung des Dax-P reinvestiert worden, stünde auch dieser Index heute bei nur 7136 Zählern. „Der Unterschied von gut 150 Prozent zum Dax-K entsteht, weil die Dividenden in den Performance-Index einberechnet, also reinvestiert wurden“, erklärt Albrech.
Warum Warren Buffett nicht in Dividenden-Titel investiert
Dieser Mechanismus greift auch bei einzelnen Anlegern. Ein hypothetisches Beispiel verdeutlicht die Folgen fürs Vermögen: Anleger A hat 50.000 Euro in eine Aktie investiert, die über 30 Jahre um sechs Prozent pro Jahr im Kurs zulegt und jedes Jahr den Zuwachs von sechs Prozent ausschüttet. Nach 30 Jahren hat der Anleger somit 90.000 Euro an Dividenden erhalten, zudem verfügt er über seine Anfangsinvestition von 50.000 Euro – insgesamt 140.000 Euro. Anleger B hat ebenfalls 50.000 Euro in die Aktie investiert. Die 6 Prozent werden dieses Mal aber nicht ausgeschüttet, sondern arbeiten produktiv in der Firma weiter. Ergebnis: „Nach 30 Jahren verfügt Anleger B über gut 287.000 Euro und somit über mehr als das Doppelte von Anleger A, auch wenn der Aktienkurs in diesem Fall ebenfalls nicht gestiegen ist“, so Vermögensprofi Albrech. Sein Fazit: Wer sein Geld langfristig möglichst rentabel anlegen möchte, verzichtet auf Unternehmen oder Fonds/ETFs mit Dividenden.
Auch aus Sicht wachstumsorientierter Unternehmen sind Dividenden schädlich, denn sie mindern das Kapital, das rentabel investiert werden kann. Das ist wohl der Grund, warum Starinvestor Warren Buffett Ausschüttungen nicht mag. „Zum einen hat seine sehr erfolgreiche Holding Berkshire Hathaway seit 2008 keine Dividenden entrichtet. Zum anderen investiert er sein Kapital und das seiner Anleger höchst ungern in Unternehmen, die Dividenden ausschütten“, sagt Vermögensverwalter Michael Thaler. Der Gedanke dahinter: Unternehmen mit attraktiver Kapitalrendite verzichten auf Ausschüttungen, weil dieses Geld deutlich rentabler arbeiten kann, als auf Anlegerkonten herumzuliegen.
Wenn ein Unternehmen mit seinem Geschäftsmodell eine jährliche Rendite von 20 Prozent erzielt, bedeutet eine Dividende von 6 Prozent, dass im folgenden Jahr nicht mehr 100, sondern nur noch 94 Prozent des Kapitals mit 20 Prozent rentieren. Nach dem Abzug der Dividenden werden bei sonst gleichen Bedingungen somit nur noch 112,8 statt 120 Einheiten (94 mal 1,2) erwirtschaftet. „Die Zahlung einer Dividende ist aus Sicht von Unternehmen rein wirtschaftlich nur dann sinnvoll, wenn sie ansonsten keine attraktiveren Renditen erzielen können“, sagt Vermögensverwalter Albrech. Solche Unternehmen aber sollten kluge Anleger besser meiden.
Auch hierzu ein Beispiel: Ein Unternehmen erzielt mit seinem Geschäftsmodell eine jährliche Rendite von 20 Prozent. Dann bedeutet eine Dividende von sechs Prozent, dass im folgenden Jahr nicht mehr 100, sondern nur noch 94 Prozent des Kapitals mit 20 Prozent rentieren. Nach dem Abzug der Dividenden werden bei sonst gleichen Bedingungen somit nur noch 112,8 statt 120 Einheiten (94 mal 1,2) erwirtschaftet. „Die Zahlung einer Dividende ist aus Sicht von Unternehmen rein wirtschaftlich nur dann sinnvoll, wenn sie ansonsten keine attraktiveren Renditen erzielen können“, sagt Vermögensverwalter Albrech. Solche Unternehmen aber sollten kluge Anleger seiner Meinung besser meiden.
Mehr Vermögen mit Thesaurierung
Im Gegensatz zu ausschüttenden Fonds und ETFs legen thesaurierende die Dividenden der enthaltenen Unternehmen sofort wieder an, indem sie damit kostenfrei neue Anteile an diesen Firmen erwerben. Dadurch bleibt das Geld der Anleger vollständig investiert. Über lange Sicht können Anleger, die nicht auf Ausschüttungen angewiesen sind, so den Zinseszins-Effekt für sich arbeiten lassen. Dadurch vermehren diese ihr Vermögen deutlich mehr als Anleger, die ausschüttende ETFs kaufen und erhaltene Dividenden nicht mehr investieren.


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