Das Interesse an der Aktienanlage in Deutschland bleibt gering, nicht nur wegen des enttäuschenden Börsenjahres 2018. Nur rund jeder achte Deutsche, der keine Aktien besitzt, hat in den vergangenen Jahren trotz der niedrigen Zinsen eine Anlage in Aktien oder Aktienfonds in Betracht gezogen. Dies zeigt eine Studie, die das Deutsche Aktieninstitut (DAI) und die Börse Stuttgart in Frankfurt vorgestellt haben. Das geringe Interesse rührt offenbar auch daher, dass nur 29 Prozent der Nicht-Aktienbesitzer wissen, dass Aktien und Aktienfonds langfristig mehr Rendite bringen als andere Anlageformen.

Die  anhaltende Aktien-Abstinenz kann nach Ansicht von ­Michael Völter, Vorstandschef der Börse Stuttgart, möglicher­weise ernsthafte Konsequenzen für viele Deutsche haben. „Das umlagefinanzierte Renten­system allein dürfte den Lebensstandard im Alter langfristig nicht auf heutigem Niveau halten können“, sagt Völter.

Die Studie verdeutlicht, so DAI-Geschäftsführerin Christine Bortenlänger, dass sich Vorurteile gegenüber Aktien hartnäckig halten. 65 Prozent der Nicht-Aktienbesitzer sehen Aktien für sich als zu riskant an. Nur 19 Prozent geben an, dass die Aktienanlage auch bei kleinen Beträgen Sinn macht, nur 20 Prozent betrachten Aktien als sinnvoll für die Altersvorsorge. Fast die Hälfte der Nicht-Aktionäre glaubt, dass der Kauf von Aktien zu umständlich ist, obwohl monatliche Sparpläne alles andere als kompliziert sind. Die Folge: Nach Berechnungen der Bundesbank investieren die Deutschen nur 10 Prozent ihres gesamten Geldvermögens in Aktien.

Die Studie zeigt laut Bortenlänger und Völter, dass allein mit Aufklärungsarbeit und Anreizen zum Sparen nicht zum Aktienkauf motiviert werden kann. Bortenlänger sieht auch die Politik gefordert. Aktien sollten bei Reformen des staatlichen Altersvorsorgesystems eine deutlich stärkere Berücksichtigung finden. „Hierin liegt der größte Hebel für eine höhere Aktienquote in Deutschland“, sagt DAI-Geschäftsführerin Bortenlänger.