Deutsche Post
: Briefe werden deutlich teurer – und ein Service fällt ganz weg

95 Cent beträgt das Porto ab dem Jahreswechsel voraussichtlich. Die Deutsche Post wollte aber noch mehr. Dabei bietet sie bald weniger Service und Geschwindigkeit.
Von
Caroline Strang
Bonn
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Briefporto: ARCHIV - 24.09.2024, Hamburg: ILLUSTRATION - Ein Passant hält einen Brief mit einer 85-Cent-Briefmarke vor einen Briefkasten der Post. (zu dpa: «Behörde erlaubt der Post deutlich höheres Briefporto») Foto: Marcus Brandt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Eine 85-Cent-Briefmarke wird in ein paar Wochen für einen Standardbrief nicht mehr reichen.

Marcus Brandt/dpa
  • Deutsche Post erhöht Briefporto ab 2024 auf 95 Cent, Bundesnetzagentur genehmigt 10,5% Anstieg.
  • Prio-Brief wird eingestellt; Standardbriefe müssen nur noch innerhalb von drei Tagen ankommen.
  • Umsatz der DHL Group im dritten Quartal 2024 um 6,2% gestiegen, operatives Ergebnis stabil.
  • Anzahl verschickter Briefe sinkt weiter, digitale Kommunikation nimmt zu.
  • Steuerliche Änderungen betreffen Prio-Brief, Einschreiben wird teurer.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

85 Cent ist eine Briefmarke wert, mit der man aktuell einen Brief frankieren muss, damit die Deutsche Post ihn befördert. Dieser Wert wird allerdings nicht mehr lange gelten. Die Post will die Preise erhöhen und hat dafür inzwischen auch Grünes Licht von der Bundesnetzagentur bekommen. Experten gehen davon aus, dass das Porto nun ab Jahreswechsel 10 Cent mehr betragen wird – also 95 Cent. Post-Chef Tobias Meyer hat lediglich angekündigt, den Preisanstieg „ungefähr gleichmäßig“ auszugestalten. Alte Briefmarken behalten im kommenden Jahr ihre Gültigkeit, man muss sie aber zusätzlich frankieren.

Die Portoerhöhung ist der DHL Group aber eigentlich zu wenig. Aus Sicht der Post sollte sie noch deutlicher ausfallen, weil die Kostensteigerungen noch viel stärker gewesen seien, wie sie argumentiert. Und die Menge der verschickten Briefe geht immer weiter zurück. In der Bilanz zum dritten Quartal ist von einem „beschleunigten strukturelle Rückgang im Briefgeschäft mit seinen hohen Fixkosten die Rede“. Was damit gemeint ist, zeigen die Zahlen. Während das Paketvolumen im Vergleich zum Vorjahr um 5,4 Prozent wuchs, wurden 2,9 Prozent weniger Briefe aufgegeben und sogar fast 19 Prozent weniger Werbepost verschickt, bei der DHL Dialog Marketing genannt.

Jeder elfte Bundesbürger, also 9 Prozent, hat in den vergangenen zwölf Monaten keinen einzigen Brief verschickt, ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Deutschen Post. Bis zu fünfmal im Jahr schicken 43 Prozent einen Brief. Vielschreiber gibt es angesichts immer stärkerer digitaler Kommunikation nur noch wenige: Drei Prozent verschicken mehr als 50 Briefe im Jahr.

Porto darf höchstens um 10,5 Prozent steigen

Einer noch stärkeren Erhöhung des Briefportos hat die Bundesnetzagentur aber einen Riegel vorgeschoben und festgelegt, dass die Preise für den Briefversand ab Januar höchstens knapp 10,5 höher liegen dürfen. Das ist mehr als bei der bislang letzten Portoerhöhung 2022, als es 4,6 Prozent nach oben ging. Bei Paketen für Privatkunden sind es 7,2 Prozent, wie die Behörde in einer Mitteilung erklärt.

Die Post ist bei den Briefporti auf die Zustimmung der Bundesnetzagentur angewiesen. Die Behörde hatte den sogenannten Preis-Erhöhungsspielraum von 10,5 Prozent bereits im September vorgeschlagen, nun legte sie diese Vorgabe fest. Im nächsten Schritt muss die Post sagen, wie genau sie diesen Spielraum auf die verschiedenen Sendungsarten anwenden möchte, ob Standardbrief, Maxibrief oder Postkarte.

„Wir ermöglichen der Post eine deutliche Steigerung der Porti. Grund hierfür sind die erheblichen Rückgänge bei den Briefsendungsmengen und die von den regulierten Produkten zu tragenden sogenannten Lasten“, sagt Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur. „Die Forderung der Post nach einem noch stärkeren Anstieg kann ich nicht nachvollziehen. Die Kosten, die die Post uns vorgelegt hat, geben das nicht her.“ Folge die Agentur den Forderungen der Post, würden Verbraucherinnen und Verbraucher ebenso wie Unternehmen doppelt belastet, erklärt er. Die nun festgelegten Preisänderungsspielräume ergeben sich laut Netzagentur aus einer gesamtwirtschaftlichen Preissteigerungsrate und einer Produktivitätsfortschrittsrate. Ein angemessener Gewinnzuschlag sei berücksichtigt.

Prio-Brief wird abgeschafft

Einen anderen Service stellt die Post komplett ein. Im nächsten Jahr wird kein Prio-Brief mehr angeboten. Beim Prio-Brief zahlt man bisher einen Aufpreis von 1,10 Euro zum normalen Porto. Dafür bekommt man derzeit noch laut Zusicherung der Post „eine prioritäre Behandlung inklusive einer einfachen Sendungsverfolgung Ihrer nationalen Briefe und Postkarten. So können Sie Ihren Brief schnell versenden mit einer höheren Wahrscheinlichkeit, dass er bereits einen Tag nach Einlieferung beim Empfänger ankommt“. Nun erklärt die Post, dass „Briefe nicht mehr die gleiche Eilbedürftigkeit wie vor 20 Jahren haben, als es noch nicht die breite Konkurrenz durch elektronische Medien gab“.

Bisher liefert die Post auch ohne Zusatzgebühr mehr als 80 Prozent der Briefe am nächsten Werktag. Das allerdings wird sich im nächsten Jahr ändern. Die Pflicht dazu wird im nächsten Jahr fallen, der Zeitdruck für die Post wird abgeschwächt. Der Großteil der Standardbriefe muss dann erst nach drei Tagen ankommen. Die Reform des Postgesetzes zeigt allerdings auch an anderer Stelle Folgen. Denn durch die neuen Regelungen würde beim Prio-Brief Umsatzsteuer fällig, beim Einschreiben ist das nicht der Fall.

Wer im kommenden Jahr eine eilige Sendung hat, muss ein Einschreiben verschicken. Das ist deutlich teurer als ein Prio-Brief. Ein als Einwurf-Einschreiben verschickter Standard-Brief kostet aktuell 3,20 Euro. Ob der Preis dafür im kommenden Jahr auch steigen wird, ist noch unklar.

Umsatz legt zu

Der Umsatz des weltweit führenden Logistikkonzerns DHL Group hat im dritten Quartal 2024 trotz der anhaltend schwachen Weltkonjunktur um 6,2 Prozent auf 20,6 Milliarden Euro zugelegt, wie das Unternehmen kürzlich mitteilte. Das operative Ergebnis (Ebit) blieb mit 1,373 Milliarden Euro stabil und lag damit laut DHL nicht nur im Rahmen der Markterwartungen, sondern auch deutlich über dem Vor-Pandemie-Niveau (drittes Quartal 2019: 942 Millionen Euro).