Er sei zu harten Einschnitten bereit und wolle die Bank auf die profitablen Bereiche ausrichten, hatte Christian Sewing auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank Ende Mai gesagt und konkrete Entscheidungen angekündigt. Die stehen jetzt offenbar bevor. Am kommenden Sonntag will der seit April vergangenen Jahres amtierende Vorstandschef dem Aufsichtsrat offenbar seine Pläne auf den Tisch legen.

Zwei Punkte werden dabei im Mittelpunkt stehen: ein auf mehrere Jahre angelegter Abbau von bis zu einem Fünftel der aktuell weltweit noch 91 500 Arbeitsplätze und ein Umbau im Vorstand, dem bis zu drei Spitzenkräfte zum Opfer fallen. Die Bank kommentiert die Meldungen nicht, aber die Anzeichen, dass genau das passiert, verdichten sich.

15.000 bis 20.000 Stellen sollen wohl gestrichen werden

Am Freitag noch hatte Sewing vor allem sein Team in den USA gelobt, weil die Bank den Stresstest der US-Notenbank Fed bestanden hatte, nachdem sie davor drei Mal durchgefallen war. Wenige Stunden später war das schon wieder vergessen, als Meldungen verbreitet wurden, die Deutsche Bank erwäge den Abbau von 15 000 bis 20 000 Stellen.

Wie viele davon im Inland, wie viele im Ausland betroffen sein könnten ist ebenso unklar wie der Zeithorizont. Seit Ende 2017 hat die Bank bereits 7000 Stellen gestrichen, bis Jahresende sollen es weniger als 90 000 im Konzern sein. Allein durch die Integration der Postbank sollen bis zu 2000 Arbeitsplätze wegfallen.

Zu den aktuellen Spekulationen äußert sich auch die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi nicht. Für sie sitzen Gewerkschaftschef Frank Bsirske und Fachgruppenleiter Jan Duscheck im Aufsichtsrat. Sie hatten sich im April massiv gegen die geplante Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank gewendet, weil das den Abbau von mehreren zehntausend Arbeitsplätzen bedeutet hätte.

Deutsche Bank: Schritte sind überfällig

Die Commerzbank erziele mit rund der Hälfte des Personals bessere Ergebnisse als die Deutsche Bank, sagt Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Allerdings sei Gesundschrumpfen nicht ausreichend. Nieding fordert endlich Aussagen zu einer überzeugenden Strategie, also dazu, wo und wie die Bank künftig ihr Geld verdienen will.

Die in Rede stehenden Schritte seien überfällig, sagt auch Dieter Hein vom Analysehaus Fairesearch. „Die Deutsche Bank hat ein Kostenproblem. Kosteneinsparungen wird man nicht ohne Stellenabbau erreichen“.

Seit Jahren sinken nach den Worten von Hein die Erträge der Bank deutlich, die Kosten aber weniger schnell. Davon entfalle die Hälfte auf Personal. Für absurd hält er, dass die Bank trotz zweistelliger Milliarden-Verluste in den vergangenen Jahren 7 Mrd. € an Boni ausgeschüttet habe. „Sie hätte 2018 schon zwei Milliarden Euro sparen können, wenn sie keine Boni gezahlt hätte.“

Die Konkurrenz kann das

Vor allem die Sparte Global Markets und damit der Wertpapierhandel schienen ein Riesenproblem zu sein, sagte Hein, „mit Blick auf die Kosten, aber auch auf die Risiken“. Andere Großbanken in Europa wie die niederländische ING oder die französische BNP Paribas hätten die Verkleinerung ihrer Investmentbanking-Sparte erfolgreich bewältigt: „Warum soll das die Deutsche Bank nicht auch schaffen?“

Dem Vernehmen nach wird Investmentbank-Chef Garth Ritchie, mit mehr als 8 Mio. € bestbezahlter Vorstand im vergangenen Jahr,  deshalb gehen müssen. Auch die für das Compliance – und damit für Missstände bei der Geldwäschebekämpfung – verantwortlichen Sylvie Matherat und Finanzvorstand James von Moltke gelten als Wackelkandidaten. Letztlich soll wohl der Vorstand von derzeit neun Personen verkleinert werden. Hein: „Die Deutsche Bank hat ein grundsätzliches Management-Problem.“

Abfindungen in Milliardenhöhe


Fest steht, dass ein möglicher personeller Kahlschlag und ebenso die Verkleinerung des Vorstandes die Deutsche Bank über zu zahlende Abfindungen viel Geld kosten wird. Schätzungen zufolge könnten es zwischen 3 und 5 Mrd. € sein. Damit wäre die von Konzernchef Sewing für das laufende Jahr angepeilte Eigenkapitalrendite von 4 Prozent passé und wohl auch für das nächste Jahr. Im Mai erwarteten Analysten für dieses Jahr im Schnitt einen Nettogewinn von 951 Mio. € und eine Rendite von 1,7 Prozent. 2020 sollen es dann 1,5 Mrd. € Gewinn und 2,6 Prozent Rendite sein.