Unternehmen Deutsche Bank schreibt wieder schwarze Zahlen

Christian Sewing, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank: Arbeiten uns aus eigener Kraft wieder nach vorne. 
Christian Sewing, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank: Arbeiten uns aus eigener Kraft wieder nach vorne.  © Foto: Arne Dedert/dpa
Frankfurt / Rolf Obertreis 01.02.2019

Dutzende Fernsehkameras werden auf ihn gerichtet sein, mindestens ebenso viele Fotografen auf den Auslöser drücken, nahezu 100 Journalisten genau zuhören, wenn Christian Sewing heute im großen Konferenzsaal der Deutschen Bank zum ersten Mal die Jahreszahlen erläutert. Seit zehn Monate steht der 48-jährige an der Spitze des größten deutschen Geldhauses. Von neuer Größe ist freilich wenig zu sehen.

Sewing mag intern Aufbruch­stimmung vermitteln, als richtiger Mann an der Spitze gelten. An der Börse ist man skeptisch. Der Kurs der Aktie, bei seinem Amtsantritt schon mit rund 12 € von einstigen Höhen mit mehr als 100 € dramatisch entfernt, ist nochmals um die Hälfte eingebrochen.

Dabei wird die Deutsche Bank mit geschätzten 480 Mio. € für das vergangene Jahr erstmals seit 2014 wieder einen Gewinn präsentieren. Die Kosten habe man im Griff, verfüge über hohe liquide Reserven, Markt- und Kreditrisiken seien gering wie nie zuvor. Auch die Rechtsrisiken habe man erheblich reduziert, sagt der Deutsche-Bank-Chef. Sein Unternehmen schreibe derzeit in der Branche die bedeutende Geschichte, wie man sich mit eigener Kraft wieder nach vorne arbeite, sagte Sewing gerade selbstbewusst auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos.

Auch Paul Achleitner, der erste Mann des Aufsichtsrats, sieht das Institut mit dem 48-jährigen Sewing auf dem richtigen Weg.

Solche Einschätzungen interessieren die Märkte und In­vestoren derzeit allerdings wenig. Womöglich auch, weil dem neuen Konzernchef immer wieder die Vergangenheit dazwischen kommt. Zuletzt waren es die Themen Geldwäsche und die Verwicklung in dubiose Geschäfte, die noch bis vor drei Jahren gemacht worden waren. Die Großrazzia im November mit Blick auf die mögliche Unterstützung von Kunden beim millionenfachen Geld-Transfer in Steuerparadiese war alles andere als hilfreich.

Zudem sollen Deutschbanker 2007 von umstrittenen Geschäften anderer Häuser mit Dividenden („Cum-Ex“) zulasten des Fiskus gewusst haben. Statt die Behörden zu informieren, soll die Bank selbst solche Geschäfte für Kunden abgewickelt und Provisionen kassiert haben.

 Und dann ist da das Dauerthema Fusion, geschürt auch von Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD). Sewing hält sich hier ebenso zurück wie Achleitner. Tenor: Erst die Hausaufgaben machen und die Profitabilität verbessern. Ähnlich klingt es bei der Commerzbank. In Frankfurt winken Beobachter ab.

Eine Fusion der beiden „schwächelnden“ Banken sei bis auf weiteres unwahrscheinlich, sagt Analyst Markus Rießelmann. Sie würde das neue Institut auf Jahre lähmen und dies in Zeiten der Digitalisierung und wachsender Konkurrenz auch durch FinTechs. Philipp Hässler vom Analysehaus Pareto schließt eine Fusion in diesem Jahr aus. Gleichwohl gebe es Gespräche – zum „Ausloten“.

 Selbst zusammen kämen beide Häuser auf einen Börsenwert von nur rund 24 Mrd. € und lägen damit weltweit zwischen Platz 40 und 50. Im Investmentbanking würde es wenig bringen, weil die Commerzbank da ohnehin fast nicht mehr aktiv ist. In Deutschland müsste es drastische Einsparungen geben: weniger Filialen, eine Verschlankung der Verwaltung und der Einheiten, die die Geschäfte abwickeln. Vermutlich würden Tausende von Arbeitsplätzen wegfallen. „Es wäre ein Blutbad“, sagt ein Commerzbanker und liegt auf der Linie der Gewerkschaft Verdi, die nichts von einer Fusion hält. Dabei streichen beide Häuser gerade schon Tausende von Stellen, um die Kosten in den Griff zu bekommen.

 Eine Fusion würden zudem für Jahre Kapazitäten binden. Die Deutsche Bank hat die Einbindung der Postbank immer noch nicht ganz bewältigt. Die Commerzbank war über Jahre mit der Übernahme der Dresdner Bank beschäftigt.

 Auch eine Fusion mit einem ausländischen Partner ist kaum denkbar. Wer sollte sich mit einem kränkelnden Geldhaus in einem überbesetzten Bankenmarkt wie Deutschland einlassen? Sewing wird sich heute solche Fragen anhören. Und wahrscheinlich freundlich, aber bestimmt antworten: „Erst müssen wir unsere Hausaufgaben erledigen.“

US-Konkurrenz um Welten besser 

In Sachen Profitabilität liegen zwischen Deutschlands größtem Bankhaus und den Wall-Street-Banken der USA Welten. Die haben 2018 (auch weil in den USA die Zinsen deutlich höher sind als in Deutschland) 111,5 Mrd. Dollar (98 Mrd. €) Gewinn eingefahren. Allein beim Branchenprimus JPMorgan waren es umgerechnet rund 27 Mrd. €. Die 480 Mio. €, den mutmaßlichen Jahresgewinn der Deutschen Bank, hat man bei JPMorgan in einer Woche verdient.

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