Dass die Börse positiv auf den tiefgreifenden Umbau reagierte, soll nicht viel bedeuten. Wenn sich die Krise eines Unternehmens lange hinzieht, ist der Wille, irgendetwas radikal zu ändern schon ein erlösendes Signal. Ob die Änderung zum Ziel führt, ist damit noch nicht gesagt.

Die Deutsche Bank ist spätestens vor zehn Jahren in den USA in die Liga der großen Investmentbanken eingestiegen, die konzernintern den Großteil der Gewinne machten. Der damalige Konzernchef Joe Ackermann platzierte die Deutsche Bank mit dieser Strategie unter die Top Ten der Global Players weltweit. Mancher wird sich auch noch daran erinnern, dass sich Ackermann für sein Renditeziel in Deutschland entschuldigen sollte – es galt als unanständig, so hohe Gewinne machen zu wollen.

Wenige Jahre später bekommen Ackermanns Nachfolger ein tatsächliches Gewinn-Problem. Es ist so gravierend, dass Konzernchef Christian Sewing zum Befreiungsschlag ausholt, den man niemand mehr so recht zugetraut hatte – schon gar nicht dem früheren Deutsche Bank-Azubi aus Bielefeld. Er streicht ein Fünftel der weltweit noch 91 000 Jobs. Vor allem aber: Er zerlegt das Investmentbanking. Das ist nichts weniger als der Abschied aus der Top-Liga. Böse Zungen würden es Verzwergung nennen.

Investmentbanking, das ist jene Sparte einer Bank, die – vereinfacht ausgedrückt – an der Börse mit komplizierten Finanzprodukten handelt. Dort haben die taffen Jungs der Branche in New York und London Milliardendeals abgewickelt und unanständig viel verdient, so lange das große Rad rund lief. Die Finanzkrise zeigte, dass Rad und Risiko zu groß waren.

Konzern soll wieder profitabler werden

Die Finanzkrise förderte danach auch zu Tage, dass die Deutsche Bank in allerlei dubiose Geschäfte verwickelt war und dafür Milliarden an Vergleichen und Bußen zahlen musste. Dies erst leitete den Vertrauensverlust und den Absturz der Aktie ein. Es beantwortet aber nicht die Frage, ob die strategische Neuausrichtung ohne Investmentbanking der richtige Weg ist, die Bank wieder deutlich profitabler zu machen.

Dies wird erst die Zukunft zeigen. Sewings mutige Neuausrichtung ist jedenfalls kein Wachstumsprogramm, sondern allenfalls ein Gesundschrumpfen. Und auch das kostet zunächst sieben Milliarden Euro an Abfindungen und anderen Restrukturierungskosten. Mit der Rückkehr zu den eigenen Wurzeln einer Großbank für Privat- und Firmenkunden, für Vermögensverwaltung sowie für das Geschäft mit Fusionen, Übernahmen und Börsengängen, entsteht im besten Fall ein solider nationaler Player.

Im Konzert der Großen hat die Deutsche Bank aber vorerst ausgespielt. Das hat zunächst den Nachteil, dass bei gut laufendem Kapitalmarkt die Aktien-Renditen nicht mehr da sind, die man so nötig bräuchte. Es bedeutet vor allem aber einen Verlust für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Die größte Volkswirtschaft Europas ohne eine international bedeutende Bank? Das ist ein herber Verlust. Die Deutsche Bank war lange ein Aushängeschild der deutschen Wirtschaft. Jetzt ist es abmontiert.

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