Wie war das mit dem viel beschworenen Kulturwandel? Ex-Chef Josef Ackermann hat schon vor zehn Jahren davon gesprochen, kein Geschäft sei es wert, den Ruf der Bank aufs Spiel zu setzen. Seine gescheiterten Nachfolger Anshu Jain, Jürgen Fitschen und John Cryan haben Ähnliches wiederholt und versichert, dass die internen Kontrollen verbessert werden. Auch der seit April amtierende Vorstandschef Christian Sewing hat das bekräftigt.
Doch sie haben allesamt viel zu wenig getan. Die aktuellen Geldwäsche-Beschuldigungen beziehen sich auf Geschäfte, die bis ins Jahr 2016 reichen. Da waren Ackermann, Jain und Fitschen längst weg, da stand Cryan an der Spitze und Sewing saß schon im Vorstand. Was haben die Herren getrieben?
Möglicherweise ist die Deutsche Bank immer noch zu groß und international zu breit aufgestellt, als dass sie selbst wirksam überwachen kann, was manche Banker treiben. Oder die Anreize sind immer noch falsch gesetzt und die Boni zu hoch für vermeintlich gewinnträchtige, aber höchst fragwürdige Geschäfte. Die große Zahl an Skandalen ist für die überwiegende Zahl der Mitarbeiter, die aufrichtig und ehrlich für die Bank und ihre Kunden arbeiten, frustrierend. Und sie dürfte Kunden abschrecken: Welcher ehrliche Bürger will bei einer Bank sein, die schmutzige Geschäfte macht?