Deutsche Bahn: Mit Evelyn Palla steht erstmals eine Frau an der Spitze des Staatskonzerns

Evelyn Palla soll die erste Frau an der Spitze der Deutschen Bahn werden.
Annette Riedl/dpa- Evelyn Palla wird erste Frau an der Spitze der Deutschen Bahn – Entscheidung am Dienstag im Aufsichtsrat.
- Palla arbeitet seit 2019 bei der Bahn, zuletzt als Chefin für den Regionalverkehr in Deutschland.
- Deutsche Bahn kämpft mit maroder Infrastruktur, Verspätungen und wirtschaftlichen Verlusten.
- Bundesverkehrsminister fordert pünktliche, sichere und wirtschaftliche Bahn – neue Strategie geplant.
- Große Sanierungen bis 2036 geplant, Tausende Stellenstreichungen sollen Wirtschaftlichkeit steigern.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Als Mitte August über die Nachfolge von Richard Lutz an der Spitze der Deutschen Bahn spekuliert wurde, fiel ihr Name schon sehr früh: Evelyn Palla arbeitet seit 2019 beim bundeseigenen Konzern, erst als Finanzvorständin bei DB Fernverkehr, seit Juli 2022 als Chefin des Regionalverkehrs. Gestern wurde bekannt, dass gebürtige Südtirolerin nun wohl an die Spitze des Konzerns aufsteigen wird – als erste Frau auf diesem Posten.
Am Montag soll Palla nach übereinstimmenden Medienberichten offiziell als neue Bahn-Chefin vorgestellt werden. Nach dem Vorschlag von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) muss Palla noch vom Aufsichtsrat der Deutschen Bahn berufen werden. Die nächste Sitzung des Aufsichtsrats beginnt am Dienstag.
Seit 14 Jahren im Bahngeschäft
Palla, Jahrgang 1973, kennt sich nicht nur durch ihre Zeit bei der Deutsche Bahn gut in der Branche aus. Von 2011 bis Anfang 2019 war sie bei den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) aktiv. Ebenso wie die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) gelten die Österreicher im Vergleich zu Deutschland als Vorzeigenation, wenn es um den Verkehr auf der Schiene geht.
Mit der Verantwortung für den gesamten Regionalverkehr in Deutschland hat Palla seit drei Jahren eine sehr gewichtige Aufgabe. Rund 780.000 Zugfahrten werden im Nahverkehr – inklusive aller S-Bahnen - jeden Monat absolviert. Zuletzt war die Pünktlichkeit auch im Nahverkehr im Vergleich zu vorherigen Zeiten schlechter, brach aber nicht komplett ein.
Zudem erwirtschaftete DB Regio unter Palla im ersten Halbjahr 2025 einen operativen Gewinn von 103 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr 2024 hatte an dieser Stelle noch ein dickes Minus gestanden. Bei der Bahn freute man sich über die Trendwende - ein kleiner Erfolg inmitten vieler schlechter Nachrichten, mit denen die Kunden der Bahn ebenso wie das Management des Konzerns fast täglich konfrontiert sind.
Die größten Probleme der DB
Die kriselnde Bahn hat vor allem mit der maroden Infrastruktur zu kämpfen, die jeden Tag die Züge ausbremst. Verspätungen, Zugausfälle und Frust bei den Fahrgästen sind die Folge. Und weil nahezu jedes Eck des mehr als 33.000 Kilometer langen Schienennetzes der DB betroffen ist, wird es absehbar noch sehr lange dauern, bis sich die Situation grundlegend verbessern wird. Große Hoffnungen setzt die Bahn in die grundlegende Sanierung von mehr als 40 besonders wichtigen Strecken bis 2036.
Das nächste Problem ist eng mit der Infrastruktur verbunden: Die Pünktlichkeit im Fernverkehr lag im August bei nur knapp 60 Prozent. Vor allem an wichtigen Knoten sammeln die Züge regelmäßig Verspätung ein, Störungen und Baustellen machen einen reibungslosen Betrieb kaum möglich. Nahezu jeder Fernverkehrszug muss auf seiner Reise durch das Land derzeit durch mindestens eine Baustelle fahren.
Auch die wirtschaftlichen Zahlen sehen seit Jahren nicht gut aus. Zuletzt verbesserten sie sich zwar, am Ende des ersten Halbjahres 2025 stand aber weiterhin ein dickes Minus von 760 Millionen Euro. Um den Konzern wirtschaftlicher aufzustellen, sollen Tausende Stellen gestrichen werden. Damit steht auch die Verwaltung des riesigen Konzerns vor vielen Veränderungsprozessen - schlecht gemanagt ist so etwas ein typischer Grund für Unruhe in einem Unternehmen.
Viel zu tun also für die neue Bahnchefin, die trotz ihrer schon jetzt bedeutenden Aufgabe als Regio-Chefin zuletzt wenig öffentlich in Erscheinung trat. Bereitete sich Palla womöglich schon länger auf den Sprung an die Konzern-Spitze vor?
Minister: Bahn muss pünktlich, sicher und sauber sein
Die Rückendeckung des zuständigen Ministers dürfte Palla jedenfalls in den nächsten Monaten haben. Doch reicht das, um die Bahn wieder nach vorne zu bringen? Für die Grünen, die Palla mit ihrer Führungserfahrung für eine gute Wahl halten, eher nicht: „Ohne deutlich bessere Rahmenbedingungen wird aber auch Frau Palla nicht erfolgreich sein können“, sagte deren Verkehrsexperte Matthias Gastel. „Dazu gehört die auskömmliche und mittelfristig verlässliche Finanzierung der Infrastruktur. Dazu gehört auch die bessere Kontrolle und Steuerung des Unternehmens.“
Wenn Palla am Montag in Berlin offiziell als neue Bahn-Chefin vorgestellt wird, will Verkehrsminister Schnieder auch eine neue Eigentümer-Strategie für die Bahn präsentieren. Sie dürfte der Leitfaden sein, an dem sich die Südtirolerin orientieren muss. Über die Inhalte wurde bisher nicht viel bekannt. Es gilt aber als sicher, dass der Bund die Bahn enger an die Leine nehmen wird als in den vergangenen Jahren. „Die Bahn muss pünktlich, sicher und sauber sein“, sagte Schnieder zuletzt. Zudem müsse der Konzern „schneller, schlanker, schlagkräftiger und auch wirtschaftlicher“ werden. Derzeit sei die Lage „dramatisch“.
47,2 Milliarden Umsatz und 338.000 Beschäftigte
Die Deutsche Bahn hat im Jahr 2024 einen Umsatz von rund 47,2 Milliarden Euro erzielt, rund 4,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Grund dafür ist unter anderem der Verkauf von DB Arriva (Nahverkehr im europäischen Ausland). Außerdem sank der Umsatz von DB Cargo um 3,2 Prozent. Die Logistiktochter war die umsatzstärkste Sparte, sie ist im April 2025 für 14,3 Milliarden Euro an den dänischen Logistikkonzern DSV verkauft worden, um Schulden abzubauen und sich auf ihre Kernaufgaben zu konzentrieren. Weltweit arbeiten rund 338.000 Menschen für den DB-Konzern, in Deutschland ist der DB-Konzern mit rund 211.000 Mitarbeitern einer der größten Arbeitgeber.
