Von den rund 170 Filialen der angeschlagenen Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof sollen wohl nur noch 90 erhalten werden, bis zu 80 Filialen sollen geschlossen werden. So steht es laut Insidern im Entwurf des Sanierungsplans, wie die Nachrichtenagentur Reuters und der "Spiegel" übereinstimmend berichten.
Allerdings gibt es noch einen Hoffnungsschimmer: Die Zahl der bedrohten Filialen könne sich allerdings noch reduzieren, wenn die Vermieter und andere Beteiligte zu Zugeständnissen bereit seien, hieß es aus dem Unternehmensumfeld.

Ob Ulm, Reutlingen und Göppingen betroffen sind, ist unklar

Der Plan soll am Freitag bereits dem Gesamtbetriebsrat und anderen Gremien vorgelegt worden sein. Viele Menschen fragen sich jetzt, welche Standorte von den Schließungen betroffen sein könnten. Doch welche Häuser genau bedroht sind, dazu gab es zunächst keine Angaben. Ob die Filialen in
  • Ulm
  • Reutlingen
  • und Göppingen
betroffen sind, war am Freitagabend noch nicht bekannt.

Bis zu 5000 Jobs bei Galeria Karstadt Kaufhof betroffen

Nach Informationen der „Wirtschaftwoche“ rechnen Insider mit dem Abbau von insgesamt rund 5000 Vollzeitstellen bei dem Unternehmen. Ein Sprecher des Warenhauskonzerns betonte, das Unternehmen wolle Spekulationen nicht kommentieren.
Der Handelsriese hatte allerdings bereits zu Wochenbeginn die Mitarbeiter auf Standortschließungen und einen weiteren Stellenabbau im Zuge des Anfang April eingeleiteten Schutzschirmverfahrens vorbereitet. In einem Brief an die Mitarbeiter berichtete die Unternehmensführung am Montag, der gerichtlich bestellte Sachwalter Frank Kebekus und der Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz hätten klar gemacht, dass es angesichts der Corona-Krise „leider auch zu Standortschließungen und dementsprechend auch zu einem Arbeitsplatzabbau kommen muss“. Angaben zur Zahl der bedrohten Filialen oder der gefährdeten Arbeitsplätze machte das Unternehmen damals nicht.

Hohe Umsatzverluste wegen Schließung

Die Konzernführung betonte in dem zweiseitigen Schreiben, Galeria Karstadt Kaufhof habe während der Zeit der Komplettschließungen mehr als eine halbe Milliarde Euro an Umsatz verloren. Aufgrund der anhaltenden Kaufzurückhaltung werde sich der Umsatzverlust wahrscheinlich sogar noch auf bis zu eine Milliarde Euro erhöhen. Deshalb seien weitere Sanierungsmaßnahmen nötig, um das Unternehmen nachhaltig gesund aufzustellen.

Karstadt Sport und Reisebüros angeblich besonders betroffen

Nach einem Bericht des „Kölner Stadt-Anzeigers“ (Samstag) stehen 20 der 30 Filialen von Karstadt-Sport vor dem Aus. Noch härter treffe es Insidern zufolge die neu gegründete Tochter Atrys, die die Reisebüros von Galeria betreibt. Geschlossen werden sollen demnach 100 der 130 Reisebüros.
Außerdem soll allein in der Essener Zentrale von Galeria eine dreistellige Zahl an Jobs wegfallen, dort arbeiten derzeit 1600 Menschen. Die Zentrale von Karstadt-Sport mit 60 Mitarbeitern, ebenfalls in Essen, soll ersatzlos gestrichen werden.

Empörung bei der Gewerkschaft Verdi

Bei der Gewerkschaft Verdi sorgten die Pläne der Warenhaus-Sanierer für Empörung. Verdi-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger warf dem Konzern vor, einen „Kahlschlag auf Kosten der Beschäftigten“ zu planen. „Das ist brutal! Es hat den Anschein, dass die Unternehmensleitung und der Eigentümer die Corona-Krise missbrauchen, um ihre ursprünglichen Planungen von Standortschließungen und Entlassungen doch noch umzusetzen“, sagte die Gewerkschafterin.