Bürger, Penny, Settele: Pestizide und viel Salz – wie gut sind Fertig-Maultaschen?

Maultaschen mit Fleischfüllung sind wahre Kraftpakete. Fertig aus der Kühlung gekauft, können sie aber auch Pestizide enthalten.
Volkmar Könneke- Fertig-Maultaschen im Kühlregal werden immer beliebter – über 100 Mio. Euro Umsatz im Jahr.
- Öko-Test: Viele Produkte mit zu viel Salz, Pestizidspuren und Fleisch aus nicht artgerechter Haltung.
- Bio-Maultaschen schnitten besser ab – frei von Pestiziden, Noten „gut“ oder „befriedigend“.
- Kritik: Fehlende Angaben zur Tierhaltung und hohe Keimzahl bei manchen Produkten.
- „Schwäbische Maultasche“ seit 2009 als geografische Angabe durch die EU geschützt.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Brät oder Hackfleisch, angeschwitzte Zwiebelstückchen, ein wenige Gemüse wie Spinat, ein Ei, ein eingeweichtes Brötchen und Gewürze, vermengt und in Nudelteig verpackt, dann ab in Suppenbrühe und eine Weile köcheln lassen – die gute schwäbische Maultasche ist schmackhaft und für ihre Zubereitung muss man etwas Zeit einplanen. Wenn man sie nicht einfach fertig kauft. Denn in den Kühlregalen gibt es Varianten mit und ohne Fleisch, die einfach nur in die Suppe oder in die Pfanne befördert werden müssen, nach ein paar Minuten sind sie schon fertig.
Die Spezialität, im Südwesten auch Herrgottsb'scheißerle genannt, ist auch in der Fertigversion beliebt. Die Hersteller machen damit hierzulande mehr als 100 Millionen Umsatz im Jahr. Unter ihnen sind bekannte Namen wie Settele und Bürger, aber auch Eigenmarken von Lebensmittelhändlern. Warum Verbraucherinnen und Verbraucher danach greifen, liegt auf der Hand. Laut einer internationalen Umfrage legen die Menschen zunehmend Wert auf Bequemlichkeit, oft fehlt auch die Zeit, Mahlzeiten selbst zuzubereiten.
Das erklärt, warum gekühlte Fertiggerichte insgesamt immer gefragter werden. Im ersten Halbjahr 2025 hat der Einzelhandel 16 Prozent mehr gekühlte Fertiggerichte verkauft als im Vorjahr. Für die letzten fünf Jahre stellt der Marktforscher NielsenIQ eine durchschnittliche Absatzsteigerung in Deutschland von 8 Prozent fest.
Auf der Fachmesse „Chilled and Fresh Food“ unter dem Dach der Anuga, die für gekühlte Frische- und Fertigprodukte steht, haben Hersteller erst Anfang Oktober ihre Produkte gezeigt. Die Anuga nennt für diese Produkte für die Jahre 2019 bis 2023 eine durchschnittliche Wachstumsrate von drei Prozent im Jahr, weltweit. Fast die Hälfte der Markteinführungen finde dabei in Westeuropa statt, gefolgt von Asien. Die größten Wachstumsraten hingegen verzeichnen Afrika und der Nahe Osten.
Öko-Test findet Pestizide und zu viel Salz
Eines der beliebten Produkte aus diesem Bereich ist eben die Maultasche. Doch sind die Fertigversionen überhaupt zu empfehlen? Dieser Frage ist Öko-Test nachgegangen – mit einem gemischten Ergebnis. Positiv ist, dass die Prüfer in keinem Produkt krank machende Keime wie Salmonellen und Listerien nachweisen konnten.
Nicht alle Ergebnisse fanden sie allerdings ebenso erfreulich, in den Maultaschen steckten „zu viel Salz, manchmal Pestizidspuren und in den konventionellen Maultaschen viel zu oft Fleisch und Eier von Tieren aus einer Haltung, die aus unserer Sicht nicht artgerecht ist“, erklären sie. Als nicht artgerecht befinden sie bei Hennen Bodenhaltung und bei Schweinen Stallhaltung, also Haltungsstufe 1. Sie kritisierten außerdem, dass auf vielen Verpackungen nicht angegeben ist, wie die Tiere gehalten werden.
Insgesamt bewerteten sie die Hälfte der Maultaschen im Test mit „ungenügend“ oder „mangelhaft“. Die konventionellen Produkte kamen über die Note „ausreichend“ nicht hinaus, wie beispielsweise die Maultaschen von Settele (1,66 Euro pro 250 Gramm). Settele mit Sitz in Neu-Ulm antwortete auf eine Anfrage zu den Ergebnissen bis zum Erscheinen dieses Artikels nicht. Die Produkte von Bürger (1,52 Euro) wurden sogar mit „mangelhaft“ bewertet, allerdings schnitten sie in der Bio-Version besser ab.
Wechselwirkung befürchtet
Alle getesteten Bio-Produkte waren laut der Tester frei von chemischen Schädlingsbekämpfungsmitteln, sie wurden mit den Noten „gut“ oder „befriedigend“ bewertet. In allen konventionellen Produkten hingegen entdeckten die Prüfer Spuren von mindestens einem Pestizid. Von Pestiziden in solch geringen Mengen geht laut Öko-Test keine direkte Gesundheitsgefahr aus, allerdings werteten sie Produkte ab, in denen sich mehrere Spuren fanden, weil über mögliche Wechselwirkungen bisher wenig bekannt ist. In drei Maultaschen wies das Labor auch Spuren von Glyphosat nach. „Schade, dass sich in den meisten Maultaschen im Test Pestizidspuren verstecken“, kommentierte Öko-Test-Lebensmittelchemikerin Lisa-Marie Karl die Funde.
Dazu bemängelten die Tester einen zu hohen Salzgehalt – in allen getesteten Maultaschen. „Das kritisieren wir, weil zu viel Salz bei empfindlichen Menschen den Blutdruck erhöhen kann“, erklären sie. Bei den Maultaschen von Penny (1,73 Euro) fanden sie am Ende des Minderhaltbarkeitsdatums darüber hinaus eine erhöhte Gesamtkeimzahl. Das kann zum Beispiel ein Anzeichen für mangelnde Hygiene in der Produktion oder ein Hinweis dafür sein, dass das Produkt langsam beginnt, zu verderben, erklären sie. Allerdings stelle das nicht unbedingt ein Problem für die Gesundheit dar.
Bezeichnung ist geschützt
Das Marktsegment der gekühlten Lebensmittel wird laut Anuga von den Kategorien Fleisch, Fisch und Eier dominiert, die zusammen einen Anteil von 34 Prozent halten. An zweiter Stelle folgen Milchprodukte mit 21 Prozent, gefolgt von Fertiggerichten und Beilagen mit 19 Prozent. Dazu zählen auch Maultaschen.
Die Bezeichnung „Schwäbische Maultasche“ ist seit Oktober 2009 durch die EU als geografische Angabe geschützt. Dieser Schutz definiert eine bestimmte Herstellungsregion, in diesem Fall Baden-Württemberg und den bayerischen Regierungsbezirk Schwaben. Mindestens einer der Herstellungsschritte muss hier geschehen. Auch die erlaubten Zutaten wie beispielsweise Fleisch, Spinat, Ei und Brot sind darin beschrieben. Sogar das Gewicht ist festgelegt: So soll eine Standardmaultasche zwischen 40 und 150 Gramm wiegen, eine Suppenmaultasche zwischen zehn und 40 Gramm


