Dieses Jahr war nicht gerade freundlich zu Arbeitnehmern: Viele Feiertage fielen auf ein Wochenende, auch Brückentage gab es nicht viele. Das wird 2023 anders. Manche bezeichnen das kommende Jahr schon als Rekordjahr für findige Arbeitnehmer, die es verstehen, die Urlaubstage gut zu legen. Ein Highlight: Wer zwischen Weihnachten 2023 und Neujahr 2024 drei Tage Urlaub nimmt, hat ganze zehn Tage am Stück frei.
Es gibt aber auch früher im Jahr schon gute Gelegenheiten für längere Verschnaufpausen mit wenig Urlaubstag-Einsatz. Bereits im Januar gibt es ein verlängertes Wochenende, das man beispielsweise für eine Autoreise nutzen kann, zumindest in Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen-Anhalt, denn der Feiertag Heilige Drei Könige am 6. Januar fällt auf einen Freitag. So kann man mit nur vier Urlaubstagen davor neun freie Tage am Stück nehmen.

Langes Wochenende durch Tag der Arbeit

Ostern läuft Anfang April ganz normal, was bedeutet, dass man sich 16 Tage frei für nur acht Urlaubstage nehmen kann. Der Tag der Arbeit am 1. Mai ist ein Montag, das verschafft den meisten Arbeitnehmern ein langes Wochenende. Christi Himmelfahrt am 18. Mai wiederum fällt auf einen Donnerstag. Mit insgesamt nur vier Urlaubstagen davor und danach hat man neun Tage für sich. Auch Fronleichnam im Juni ist an einem Donnerstag. Hier gilt dieselbe Regel.
Der Tag der Deutschen Einheit (3. Oktober) liegt an einem Dienstag. Nimmt man die Brückentage darum herum frei, bekommt man aus neun Urlaubstagen 16 Ferientage am Stück oder man nimmt nur den Montag Urlaub und hat immerhin quasi ein doppelt so langes Wochenende. Der Reformationstag (31. Oktober) ist 2023 an einem Dienstag, Allerheiligen (1. November) somit am Mittwoch. Je nach Bundesland kann man rund um diese Tage ebenfalls gut seinen Urlaub nutzen.

Urlaubsplanung kann zum Streitthema werden

Dafür müssen allerdings die Vorgesetzten und Kolleginnen und Kollegen mitmachen – denn selbstverständlich haben auch die Ansprüche und Bedürfnisse. Jochen Mai, Gründer der Karrierebibel, einer Plattform für Berufsinformationen und Karrieretipps, erklärt dort, wie die Vergabe von Urlaub grundsätzlich funktioniert. Eigentlich dürfen Arbeitnehmer darüber entscheiden, wann und wie lange sie Erholungsurlaub machen und wie sie diesen über das Jahr verteilen. Aber: „Der Arbeitgeber muss dafür sorgen, dass der Betrieb trotz Urlaubszeit fortgeführt werden kann“, erklärt Mai. Folglich könnten nicht alle Kollegen gleichzeitig in den Urlaub gehen. „Die Urlaubsplanung wird damit zum Streitthema. Jeder versucht, seine Wünsche durchzusetzen.“
Das letzte Wort dabei habe deshalb immer der Chef, der für einen reibungslosen Betriebsablauf verantwortlich ist. Er darf auch Urlaub verweigern, allerdings nur in zwei Fällen: bei vorrangigen Urlaubswünsche anderer Kollegen oder dringenden betrieblichen Gründen.

Wer Vorrang haben kann

Vorrangig sind beispielsweise Eltern schulpflichtiger Kinder in der Ferienzeit oder Kollegen, die im Jahr zuvor bei Brückentagen oder ähnlichem zurückgesteckt haben. Bei konkurrierenden Urlaubsanträge von Beschäftigten, die im gleichen Zeitraum freinehmen wollen, sollten vor allem soziale Aspekte entscheiden, erklären auch die Experten von Verdi. Auch die Gewährung von Urlaub in vorangegangenen Jahren könne herangezogen werden, damit bestimmte Arbeitnehmer nicht ständig benachteiligt werden. Dringliche betriebliche Gründe können zum Beispiel der Abschluss eines wichtigen Projekts oder die Hochsaison sein.
„Erfolgt die Genehmigung des Urlaubsantrags rechtzeitig, ist sie für beide Seiten verbindlich“, sagt Mai. Das gelte für beide Seiten. Im Normalfall darf der Arbeitgeber den Arbeitnehmer also nicht aus dem Urlaub zurückbeordern, letzterer darf seinen Urlaub ohne erneute Genehmigung aber auch nicht verschieben.

Wie man Konflikte vermeiden kann

Mai hat auch Vorschläge, wie die Urlaubsplanung im Team möglichst konfliktfrei gelingen kann. Um Konflikte zu vermeiden, sollten alle Mitarbeiter an einem Strang ziehen und die Urlaubsplanung gemeinsam angehen. Tipps, wie Sie sich mit den Kollegen einigen. Dazu gehören eine rechtzeitige Urlaubsplanung, die Ballungszeiten wie Schulferien beachtet. Außerdem sollte der Vorgesetzt oder das Team klare Regeln vereinbaren, wer wann Vorrang hat – und warum.
„Machen Sie eine öffentliche Urlaubsliste, denn wenn die bevorzugten Urlaubstermine nur per Mail an den Vorgesetzten gehen, bleiben Überschneidungen oft unentdeckt“, empfiehlt Mai. Fairness und Kompromissbereitschaft seien weitere wichtige Voraussetzungen für eine gute Planung im Team. „Wenn sich partout kein Kompromiss finden lässt, kann vielleicht ein Mediator vermitteln. Der ist zur Neutralität verpflichtet“, erklärt Mai. In dem Fall sollten zuvor aber alle zustimmen, dass dessen Lösung am Ende verbindlich ist. „Sonst geht der Streit von vorne los.“
Das kann übrigens auch der Betriebsrat übernehmen, wenn es um einen Konflikt zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber geht. „Der Betriebsrat hat nicht nur ein Mitbestimmungsrecht bei der Aufstellung allgemeiner Urlaubsgrundsätze und des Urlaubsplans, wenn es um Urlaubsfragen geht, die die Belegschaft allgemein berühren. Das Gesetz sieht auch ein Mitbestimmungsrecht vor, wenn es um die Festsetzung der zeitlichen Lage des Urlaubs für einzelne Arbeitnehmer geht, wenn zwischen diesen und dem Arbeitgeber kein Einvernehmen erzielt wird“, erklärt Verdi.

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