Energie Bestellboom der Heizölkunden

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Stuttgart / Alexander Bögelein 01.12.2018

Beim Blick auf die wieder gesunkenen Heizölpreise ärgert sich Isolde P. gewaltig. Die Rentnerin aus der Region Ulm hat vor vier Wochen Heizöl bestellt. „Mein Tank war fast leer“, erzählt sie. Für die 2500 Liter hat die 73-jährige Witwe satte 1000 € mehr bezahlt als im vergangenen Jahr. „Mit meiner Rente kann ich das nicht finanzieren, ich musste an mein Erspartes.“

Auch Frank G. aus Crailsheim, der wie Isolde P. nicht mit seinem vollen Namen in der Zeitung genannt werden will, hat teuer eingekauft. 99,4 Cent inklusive Mehrwertsteuer bezahlte er Ende Oktober, gestern lag der Preis 25 Cent tiefer. „Aber ich kann ja meine Mieter nicht im Kalten sitzen lassen“, sagt Frank G. Er fühlt sich angesichts der Preisturbulenzen verschaukelt – wie auch Isolde P.

„Dass sich der Heizölmarkt so schnell beruhigen würde, war nicht zu erwarten“, sagt Hans-Jürgen Funke, Geschäftsführer des Verbands für Energiehandel Südwest-Mitte. Er hatte vor vier Wochen den Lesern unserer Zeitung geraten, Kunden mit wenig Öl im Tank sollten sich zumindest einen Teil ihres Jahresbedarfs liefern lassen. Der Rest solle lieber warten. Das haben auch viele getan und nutzen jetzt die um mehr als 20 Cent gesunkenen Preise, um ihre Tanks zu füllen.

Die stark gesunkenen Notierungen haben eine Bestellwelle ausgelöst, berichtet das Internetportal Tecson.de. Den bundesweiten Durchschnittspreis beziffert Tecson aktuell auf 73,4 Cent pro Liter. Im Norden kann man derzeit in fast allen Gebieten zu unter 70 Cent je Liter ordern. Im Süden liegen die Preise wegen der niedrigen Pegelstände des Rheins etwas höher. Vor einem Monat hatten Stuttgarter Kunden noch 600 € mehr für 3000 Liter bezahlt als Hamburger. Jetzt beträgt die Differenz 250 €. Bei aller Freude wissen aber die meisten Ölkunden, dass sie immer noch 30 Prozent teurer einkaufen als im Vorjahreszeitraum.

Die besseren Preise liegen zum einen daran, dass sich Rohöl um mehr als 20 Prozent verbilligt hat. Zum anderen hat sich laut Funke mittlerweile die alternative Logistik eingependelt. Anfangs seien Ersatzlösungen für die reduzierten Schiffstransporte ein Riesenproblem gewesen. Mittlerweile habe sich der Transport auf der Straße gut eingespielt. Das habe sich spürbar auf die Preise ausgewirkt: Eine Spreizung zwischen Nord und Süd bleibe aber bestehen, solange die Binnenschifffahrt wegen niedriger Pegelstände eingeschränkt sei.

Die deutliche Entspannung beim Heizöl gegenüber dem immer noch hohen Niveau des Dieselkraftstoffs ist erstaunlich, weil sich die Pegelstände des Rheins im vergangenen Monat kaum verändert haben. Das Niedrigwasser hält seit Ende Juni an und lässt die Schiffe deutlich weniger Ladung aufnehmen als üblich, sagt Claudia Thoma, Pressesprecherin der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt in Bonn. Um wieder Wasserstände wie vor dem Niedrigwasser zu erreichen, sei ein kontinuierlicher kräftiger, großflächiger Landregen mit 20 Litern pro Quadratmeter über drei bis fünf Tage erforderlich.

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