Baumaschinen: Liebherr-Umsatz erreicht trotz Baukrise neue Höhen

Der familiengeführte Mischkonzern Liebherr ist 2023 kräftig gewachsen, und das nicht wegen der regen Nachfrage nach seinen Kranen.
Daniel Bockwoldt/dpaDer familiengeführte Mischkonzern Liebherr hat im vergangenen Jahr den Umsatz um 11,5 Prozent auf den Rekordwert von mehr als 14 Milliarden Euro gesteigert. In elf seiner 13 Produktbereiche gab es teilweise deutliche Umsatzsteigerungen, teilte das Unternehmen mit, das zu den großen industriellen Arbeitgebern in Süddeutschland gehört. Die einzigen Ausnahmen waren nach den Angaben der Vizepräsidentin des Verwaltungsrates, Stéfanie Wohlfarth, die Spezialtiefbaumaschinen und die Turmdrehkrane. Vor allem das Geschäft mit Erdbewegungsmaschinen, Materialumschlagmaschinen, Spezialtiefbaumaschinen, Mobil- und Raupenkrane, Turmdrehkrane, Betontechnik und Minenfahrzeuge wuchs kräftig. In diesen Bereichen kletterte der Umsatz um 11,6 Prozent auf insgesamt 9,6 Milliarden Euro. Der Bereich Mobil- und Raupenkrane, zu dem auch der Standort Ehingen gehört, steigerte den Umsatz um 14,7 Prozent auf 3,45 Milliarden Euro. Davon entfallen auf die Liebherr Werke Ehingen GmbH rund 2,8 Milliarden Euro.
In den Produktsegmenten Maritime Krane, Aerospace und Verkehrstechnik, Verzahntechnik und Automationssysteme, Kühl- und Gefriergeräte, Komponenten und Hotels erzielte Liebherr einen Gesamtumsatz von 4,5 Milliarden Euro, was einem Zuwachs von 11,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Die Geschäfte entwickelten sich in nahezu allen Absatzregionen positiv. Besonders positiv entwickelten sich die Umsätze in Deutschland, Frankreich und Spanien.
2300 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
Erneut gewachsen ist im Geschäftsjahr 2023 außerdem die Mitarbeiterzahl. Zum Jahresende beschäftigte Liebherr weltweit insgesamt 53 659 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, das sind 2338 mehr als im Vorjahr. Weltweit größter Standort – gemessen an der Kopfzahl – ist das Werk in Ehingen (Fahrzeugkrane, 5000 Mitarbeitern). Auf Platz zwei kommt Biberach (mehr als 3100 Beschäftigte), wo auch die Liebherr-International Deutschland GmbH ihren Sitz hat. Dort werden in unterschiedlichen Gesellschaften Turmdrehkrane sowie Lager für Windkraftanlagen hergestellt. Nur 17 Kilometer entfernt produziert Liebherr Hausgeräte mit Mitarbeitern.
Im vergangenen Jahr steckte die Firmengruppe 634 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung. Ein Großteil davon floss in die Entwicklung neuer Produkte. Die Bereiche alternative Antriebe, Digitalisierung und Autonomie waren abermals Schwerpunkte der Forschung und Entwicklung. Liebherr hat im Geschäftsjahr 2023 bestehende Technologien weiterentwickelt und das Produktprogramm um zahlreiche Maschinen, Komponenten und Lösungen ergänzt.
„Im Bereich der alternativen Antriebe haben wir bemerkenswerte Fortschritte gemacht. Dazu gehört die Entwicklung von Maschinen mit elektrischen Antrieben. Zwei Beispiele für Neuentwicklungen sind unser erster batterieelektrischer Radlader L 507 E und die Elektroumschlagmaschine LH 80 M High Rise Industry. Im Rahmen unseres technologieoffenen Ansatzes haben wir uns weiterhin mit alternativen Kraftstoffen beschäftigt“, wird Jan Liebherr, Präsident des Verwaltungsrates, im Geschäftsbericht zitiert. Dazu gehören auch wasserstoffbasierte Antriebe wie zum Beispiel Wasserstoffverbrennungsmotoren und mit Wasserstoff betriebene Brennstoffzellen.
In der Luftfahrt liege ein Fokus ebenfalls auf alternativen Technologien zur Erzeugung elektrischer Energie für den Antrieb und die Stromversorgung zukünftiger Flugzeuge. Im Testzentrum in Toulouse (Frankreich) wurde beispielsweise ein Prüfstand für Wasserstoff-Technologie installiert, mit dem die Stromerzeugung für nicht-antriebsbezogene Flugzeugsysteme durch Brennstoffzellen getestet wird.
Im Bereich Digitalisierung forcierte Liebherr im Berichtsjahr unter anderem die Weiterentwicklung diverser digitaler Plattformen, um Maschinen sicherer, komfortabler und effizienter zu machen. Die zentrale Online-Plattform, die digitale Services und Angebote der Firmengruppe bündelt, ist MyLiebherr.
Rekordinvestitionen in Produktion, Vertrieb und Service
Investitionen in Rekordhöhe von mehr als 1 Milliarde Euro flossen in die Produktionsstätten und das weltweite Vertriebs- und Servicenetz. Die Investitionen erhöhten sich damit im Vergleich zum Vorjahr um 167 Mio. €. Dem stehen Abschreibungen in Höhe von 623 Mio. € gegenüber.
Im Liebherr-Werk Ehingen (Deutschland) wird derzeit das Firmengelände vergrößert, um aufgrund der steigenden Nachfrage erweiterte räumliche Kapazitäten für die Produktion von Mobil- und Raupenkranen zu schaffen. In verbesserte Lagermöglichkeiten hat die Liebherr-Logistics GmbH in Oberopfingen (Deutschland) investiert. Das hochautomatisierte Logistikzentrum wurde um eine neue Kalthalle und ein Gefahrstofflager für Schmierstoffe erweitert.
Ausblick auf 2024
Für 2024 sind Liebherr und Wohlfahrt zuversichtlich. Zwar blieben die Rahmenbedingungen herausfordernd, die Firmengruppe sei mit einem sehr soliden Auftragsbestand ins Jahr gestartet. wirtschaftlichen Rahmenbedingungen werden im Jahr 2024 herausfordernd bleiben, jedoch ist Liebherr mit einem sehr soliden Auftragsbestand in das laufende Geschäftsjahr gestartet. Zwischen einzelnen Produktsegmenten zeichnen sich zwar unterschiedliche Entwicklungen ab. Liebherr werde diese dank seiner dezentralen, diversifizierten Struktur und seiner internationalen Aufstellung ausgleichen können.

