Tarifkonflikt bei der Bahn
: Tausende Züge wegen Streik ausgefallen – wie geht es am Freitag weiter?

Der Bahnstreik der GDL ist in vollem Gange, doch wie lange geht der Bahnstreik noch? Kann am Freitag wieder mit Regelbetrieb gerechnet werden?
Von
Philipp Staedele
Berlin
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  • Der Tarifkonflikt zwischen GDL und der Bahn ist eskaliert, bundesweit sind wegen Streik tausende Züge ausgefallen. Wie lange geht der Streik noch und wie sieht es am Freitag aus?

    Der Tarifkonflikt zwischen GDL und der Bahn ist eskaliert, bundesweit sind wegen Streik tausende Züge ausgefallen. Wie lange geht der Streik noch und wie sieht es am Freitag aus?

    Marijan Murat/dpa
  • 09.11.2023, Berlin: Claus Weselsky, Vorsitzender der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), gibt zum Auftakt der Tarifverhandlungen zwischen der Deutschen Bahn und der GDL ein Statement.

    09.11.2023, Berlin: Claus Weselsky, Vorsitzender der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), gibt zum Auftakt der Tarifverhandlungen zwischen der Deutschen Bahn und der GDL ein Statement.

    Fabian Sommer/dpa
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Bei der Deutschen Bahn wird gestreikt. Die Lokführergewerkschaft GDL hat für Mittwochabend und Donnerstag zum Warnstreik aufgerufen. Deutschlandweit kam es zu tausenden Zugausfällen. Reisende fragen sich jetzt, wie lange der Bahnstreik noch dauert und ob Freitag wieder alles normal abläuft.

GDL-Streik: Tausende Zugausfälle in ganz Deutschland

Der Warnstreik der GDL führte seit Mittwochabend zu Tausenden von Zugausfällen. Im Fernverkehr war die DB mit einem Notfahrplan unterwegs, der lediglich rund 20 Prozent der eigentlich geplanten Verbindungen enthielt.

Im Regionalverkehr waren die Auswirkungen des Warnstreiks unterschiedlich, in einigen Regionen fuhr am Donnerstagmorgen zunächst so gut wie kein Zug mehr. Gegen 10.45 Uhr teilte die Bahn dann mit, dass inzwischen bis auf sehr wenige regionale Ausnahmen „überall ein zumindest eingeschränktes Zugangebot“ sichergestellt sei. „Zum Teil fährt ein Busnotverkehr“, hieß es.

Uhrzeit: Wie lange wird noch gestreikt?

Die Fahrgäste der Bahn mussten sich am Mittwoch und Donnerstag auf zahlreiche Zugausfälle und Verspätungen einstellen. GDL hat zum Warnstreik im Bahnverkehr von Mittwochabend, 22.00 Uhr, bis Donnerstagabend, 18.00 Uhr, aufgerufen.

Offiziell ist der Bahnstreik also heute Abend beendet. DB-Sprecher Stauß betonte aber, dass auch danach zunächst noch der Notfahrplan gelten werde. Die Bahn versucht so, die Züge an jene Orte zu fahren oder dort zu halten, wo sie am Freitagmorgen gebraucht werden.

Fahren die Züge am Freitag wieder normal?

Nach dem Warnstreik der GDL mit Tausenden Zugausfällen am Donnerstag setzt die Deutsche Bahn auf einen guten Start im Schienenverkehr am Freitag. „Unsere ganze Priorität liegt darauf, morgen, an diesem wichtigen Freitag, den Verkehr wieder in Gang zu bringen“, sagte Bahn-Sprecher Achim Stauß am Donnerstag am Berliner Hauptbahnhof.

Ob das gelingt, bleibt abzuwarten. Klar ist, der Freitag ist stets ein nachfragestarker Tag, viele Menschen reisen dann für das Wochenende nach Hause. Die Fahrgäste, die am Donnerstag ihre Reise nicht antreten konnten, werden am Freitag teils zusätzlich in den Zügen sein – nach dem Warnstreik drohen also überfüllt Züge zum Ende der Woche.

Notfallfahrplan der Bahn

Der Notfahrplan der Bahn sichert während des Streiks nur ein sehr begrenztes Angebot im Fern-, Regional- und S-Bahn Verkehr der DB. Die Bahn bitte Fahrgäste, von nicht notwendigen Reisen während des GDL-Streiks abzusehen. Wenn sich Reisende telefonisch über die Auswirkungen des GDL-Streiks auf den Bahnverkehr informieren möchten, stehen ihnen eine kostenfreie Hotline unter der Nummer 08000-996633 zur Verfügung.

Bahnstreik: Was passiert mit gekauften Tickets?

Alle Fahrgäste, die ihre für den Mittwochabend, 15.11.2023 und Donnerstag, 16.11.2023 geplante Reise aufgrund des Streiks der GDL verschieben möchten, können ihr Ticket zu einem späteren Zeitpunkt nutzen. Das teilte die Bahn mit. Die Zugbindung ist aufgehoben. Das Ticket gilt dabei für die Fahrt zum ursprünglichen Zielort, auch mit einer geänderten Streckenführung. Sitzplatzreservierungen können kostenfrei storniert werden.

Zudem haben Fahrgäste im Rahmen einer Sonderkulanz auch die Möglichkeit, ihre Reise vorzuverlegen und bereits im Laufe des Mittwochs, 15.11.2023 früher zu fahren. In diesem Fall empfiehlt die Bahn, die Reise bereits früh am Tag anzutreten, um so sicherzustellen, dass Reisende vor Streikbeginn um 22 Uhr an ihrem Zielort sind.

Was war der Grund für den Streik der GDL?

Die GDL will mit dem frühen Arbeitskampf im noch jungen Tarifkonflikt eigenen Angaben zufolge dafür sorgen, dass DB-Personalvorstand Martin Seiler auch über das Thema Arbeitszeitverkürzung verhandelt. Diese ist eine Kernforderung der Gewerkschaft: Die GDL will für Schichtarbeiter eine 35-Stunden-Woche bei vollem Lohn aushandeln. Zurzeit liegt die Wochenarbeitszeit bei 38 Stunden.

Um was geht es bei dem Tarifstreit eigentlich?

Die Gewerkschaft fordert in den Tarifverhandlungen unter anderem 555 Euro mehr pro Monat für die Beschäftigten sowie eine Inflationsausgleichsprämie von bis zu 3000 Euro. Besonders wichtig ist Weselsky zudem eine Arbeitszeitreduzierung von 38 auf 35 Stunden für Schichtarbeiter bei vollem Lohnausgleich. Die Bedeutung dieser Forderung für die GDL betonte er zuletzt immer wieder.

Die Bahn hält eine Arbeitszeitreduzierung für nicht realisierbar und lehnt bisher jede Verhandlung darüber ab. DB-Personalvorstand Martin Seiler bot stattdessen in der ersten Verhandlungsrunde eine elfprozentige Entgelterhöhung bei einer Laufzeit von 32 Monaten an. Auch zur Zahlung der Inflationsausgleichsprämie zeigte er sich bereit, die erste Hälfte könnte nach DB-Vorstellung schon im Dezember überwiesen werden. „Zu wenig, zu lange und am Ende des Tages nicht ausreichend“, lautete Weselskys Kommentar zum Angebot.

(mit Material von dpa und AFP)