Bahnstreik aktuell
: Streikbetroffenheit hält sich in Grenzen – das Verständnis aber auch

Der Tarifstreit zwischen Bahn und GDL ist noch weiter eskaliert. Die Gewerkschaft befindet sich im bisher längsten Bahnstreik jemals – mit massiven Auswirkungen …
Von
Philipp Staedele
Berlin
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Bei der Bahn findet erneut ein Streik statt – der längste überhaupt. Wann und wo stehen die Züge dieses Mal still?

Jörg Carstensen/dpa

Der letzte Streik ist kaum vergangen, jetzt droht Fahrgästen bei der Bahn das nächste Unheil. Die Lokführergewerkschaft GDL ruft erneut zum Streik auf – er wird der bisher längste Bahnstreik. Die Auswirkungen sind erneut massiv. Die Mehrheit der Befragten einer Umfrage hat kein Verständnis für den Streik. Wann und wo wird heute bei der Bahn gestreikt?

Wenig Verständnis für den GDL-Streik

Die Betroffenheit bei den Bürgerinnen und Bürgern durch den Bahnstreik hält sich einer Umfrage zufolge in Grenzen. Lediglich jeder fünfte Befragte spürt die aktuellen Einschränkungen im Bahnverkehr, wie bei einer Yougov-Umfrage im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur herauskam. Für mehr als 75 Prozent hat der Streik hingegen keine Auswirkungen. Für die Umfrage hat das Institut zwischen dem 23. und 25. Januar rund 2000 Menschen befragt. Sie ist repräsentativ für die Bevölkerung ab 18 Jahren.

Doch auch wenn laut Umfrage nur eine Minderheit vom Ausstand der GDL betroffen ist, lehnt eine Mehrheit den Arbeitskampf ab. Mehr als 60 Prozent der Befragten haben eher kein oder überhaupt kein Verständnis für die Maßnahmen. Lediglich elf Prozent können den Streik der Lokführer „voll und ganz“ nachvollziehen.

Wann wird bei der Bahn jetzt gestreikt?

Der neue Streik werde im Personenverkehr am frühen Mittwochmorgen um 2.00 Uhr beginnen und bis Montag kommender Woche, 18.00 Uhr andauern, teilte die Gewerkschaft in der Nacht zu Montag mit. Die Gewerkschaftsmitglieder bei der für Güterverkehr zuständigen DB Cargo sind bereits ab Dienstag, 18.00 Uhr zum Streik aufgerufen. Der Streik dauert damit fast sechs Tage lang.

Wo finden die Streiks statt?

Der Aufruf der GDL gilt erneut bundesweit. Das heißt, dass ganz Deutschland von den Streiks betroffen sein wird. Erfahrungsgemäß sind insbesondere in den ostdeutschen Bundesländern sowie im Südwesten viele Beschäftigte bei der GDL organisiert. Dort dürfte daher im Regionalverkehr vielerorts nichts mehr gehen. „In jedem Fall wird es auch im Regionalverkehr massive Einschränkungen geben“, teilte die Bahn mit.

Der Warnstreik soll laut Gewerkschaftsaufruf auch erneut alle Verkehrsarten treffen. Sowohl im Fern-, Regional- als auch im Güterverkehr ist mit großen Behinderungen zu rechnen.

Bahnstreik: Wie sind die Auswirkungen bisher?

Der Notfahrplan für den Personenverkehr sei in der Nacht auf Mittwoch stabil angelaufen, sagte eine Bahnsprecherin am Morgen am Berliner Hauptbahnhof. „Wir sehen, dass viele von den Reisenden ihre Fahrt entweder vorziehen konnten oder auf einen späteren Zeitpunkt vertagen.“

Wie schon bei den vorigen Streiks fallen laut Bahn ungefähr 80 Prozent der Fernzüge aus. Auch im Regionalverkehr gebe es erhebliche Einschränkungen, sagte die Sprecherin. Diese fallen wie zuletzt regional sehr unterschiedlich aus. Fahrgäste können sich über die Internetseite der Bahn oder die App „DB-Navigator“ über ihre Fahrt informieren. Zudem hat die Bahn eine Info-Rufnummer eingerichtet. Für gebuchte Fahrten während des Streikzeitraums ist die Zugbindung aufgehoben. Kundinnen und Kunden können ihre Reisen somit auf einen späteren Zeitpunkt verschieben.

Auch im Güterverkehr kommt es zu erheblichen Einschränkungen. „Auch der europäische Güterverkehr über die Alpen, Polen oder nach Skandinavien sowie die Seehäfen in Holland oder Belgien sind betroffen“, teilte die Bahn mit. Bereits vor dem Streik sei ein deutlicher Mengenrückgang registriert worden, weil viele Kunden Transporte abbestellt hätten.

Claus Weselsky, Vorsitzender der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), spricht bei einer Pressekonferenz der Lokführergewerkschaft GDL zum bevorstehenden sechstägigen Streik bei der Deutschen Bahn.

Christoph Soeder/dpa

Was ist der aktuelle Stand der Tarifverhandlungen?

Knackpunkt der Verhandlungen ist die Forderung der GDL nach einer Absenkung der Arbeitszeit für Beschäftigte im Schichtbetrieb. Vor allem Lokführer und Zugbegleiter sind in der GDL organisiert. Ihre Wochenarbeitszeit soll von 38 auf 35 Stunden sinken, ohne, dass sie auf Geld verzichten müssen. In einem Schreiben an die Deutsche Bahn hat die Gewerkschaft die Forderungen weiter konkretisiert.

„Die Vorschläge orientieren sich an den Tarifabschlüssen, die wir in den vergangenen Wochen mit unseren Tarifpartnern erzielen konnten“, heißt es in dem Schreiben, das die GDL am Mittwoch veröffentlicht hat. Die Arbeitszeitreduzierung soll demnach stufenweise umgesetzt werden, der letzte Schritt soll zum 1. Januar 2028 erfolgen.

Die Bahn lehnte die Vorschläge der GDL als Grundlage für weitere Verhandlungen ab. Es handele sich lediglich um die „Wiederholung altbekannter Maximalforderungen“, sagte eine Sprecherin am Mittwochmorgen.

„Was die Deutsche Bahn AG macht, ist nichts anders als die wiederholende Ablehnung aller Forderungen“, kritisierte GDL-Chef Claus Weselsky am Mittwoch im ZDF-„Morgenmagazin“. Die Bahn bewege sich nur millimeterweise. Auf die Frage, wann die Gewerkschaft wieder verhandeln werde, sagte der Gewerkschafter: „Sobald die Deutsche Bahn vom hohen Ross herunter kommt.“

(mit Material von dpa und AFP)