Industrie- und Handelskammertag
: Ulmer IHK-Chef rückt im Südwesten an die Spitze

Der Ulmer Unternehmer Jan Stefan Roell vertritt künftig die Interessen von 650.000 Unternehmen in Baden-Württemberg. Eine wichtige Aufgabe in schwierigen Zeiten. Welche Probleme sieht er für die Wirtschaft?
Von
Alexander Bögelein
Ulm
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Interview Dr Roell

Der frisch gewählte BWIHK-Chef Jan Stefan Roell beim Interview mit der SÜDWEST PRESSE im Juli 2024.

Matthias Kessler
  • Jan Stefan Roell wird Präsident des BWIHK, Amtszeit zwei Jahre.
  • Roell fordert weniger Bürokratie und günstigere Energiepreise.
  • Er war zuvor Präsident der IHK Ulm, Nachfolge von Christian Erbe.
  • Roell betont die Notwendigkeit stabiler politischer Verhältnisse.
  • Das BWIHK vertritt über 650.000 Unternehmen in Baden-Württemberg.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der Unternehmer Jan Stefan Roell rückt an die Spitze des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertags (BWIHK). Der bisherige Vizechef löst Christian Erbe ab, wie der Verband in Reutlingen mitteilte. Die Amtszeit dauert zwei Jahre. Roell ist zugleich Chef der IHK Ulm.

Der neue Präsident sieht die Wirtschaft im Land infolge der schlechten Entwicklung vor enormen Herausforderungen. „Das macht eine starke politische Unterstützung unserer Unternehmen unabdingbar. Wir brauchen einen breit angelegten Aktionsplan Wirtschaft, um die Abwanderung und Verlagerung von Unternehmen zu stoppen.“ Alle demokratischen Parteien seien aufgerufen, hierfür Konzepte auf den Tisch zu legen. Für die Umsetzung der Konzepte seien stabile politische Verhältnisse notwendig. Zugleich bekräftigte Roell Forderungen nach weniger Bürokratie und günstigere Energiepreise.

Der 70-Jährige (verheiratet, sechs Kinder, und mehrfacher Großvater) stammt aus Düsseldorf, studierte Elektrotechnik in München und promovierte dort in Staatswissenschaften. Nach seiner Zeit bei der Unternehmensberatung McKinsey trat er 1985 ins Unternehmen Zwick ein, dessen Mehrheit er 1992 erwarb. Vor dreieinhalb Jahren wechselte er von der Firmenspitze des mittelständischen Prüfmaschinenherstellers Zwick Roell in den Aufsichtsrat. Nach früheren Angaben liegen ein Drittel der Anteile bei der Familie Zwick und zwei Drittel der Anteile bei der Familie Roell.

Von 72 Millionen D-Mark auf 305 Millionen Euro Umsatz

Beim Einstieg von Jan Stefan Roell 1992 erzielte das 1935 gegründete Unternehmen mit 451 Mitarbeitern einen Umsatz von 72 Millionen D-Mark. 2019 waren es 223 Millionen Euro mit 1640 Beschäftigten. Heute arbeiten für die Zwick-Roell-Gruppe rund 1800 Frauen und Männer, die zuletzt einen Jahresumsatz von 304 Millionen Euro erwirtschafteten. Das Familienunternehmen verfügt über Produktionsstandorte in Deutschland, Großbritannien, China, Tschechien und Österreich. Seine Niederlassungen  befinden sich unter anderem in Frankreich, Großbritannien, Spanien, USA, Mexico, Brasilien, Türkei, Singapur, Japan und China.

Jan Stefan Roell war von 2006 bis 2009 Vorsitzender von Südwestmetall. Seit 2018 ist er Präsident der IHK Ulm. Roell ist ein begeisterter Flieger und spielte lange Zeit im Zwick-Roell-Orchester Posaune.

An der Seite von Roell wurden Thomas Conrady, Präsident der IHK Hochrhein-Bodensee, und Claus Paal, Präsident der IHK Region Stuttgart, im Vorstand bestätigt. Neu ins vierköpfige Gremium zog Manfred Schnabel ein, Präsident der IHK Rhein-Neckar. Der BWIHK ist eine Vereinigung der zwölf baden-württembergischen Industrie- und Handelskammern (IHK). In Baden-Württemberg vertreten die zwölf IHKs die Interessen von mehr als 650.000 Mitgliedsunternehmen.