Autozulieferer ZF in der Krise
: Jede vierte Stelle in Deutschland fällt weg

Nach der Ankündigung eines Stellenabbaus in bisher nie dagewesenem Ausmaß legt die ZF Friedrichshafen ihre Halbjahreszahlen vor. Der Umsatz schrumpft, das Ergebnis bricht ein, die Prognose wird gesenkt.
Von
Alexander Bögelein
Friedrichshafen
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ZF Friedrichshafen AG zieht Bilanz: 29.07.2024, Baden-Württemberg, Friedrichshafen: Eine Mitarbeiterin von der ZF Friedrichshafen AG arbeitet an der Montagelinie des Nutzfahrzeuggetriebes PowerLine. Bewegt wird das Getriebe von einem autonomen fahrerlosen Transportfahrzeug (AGV). Foto: Felix Kästle/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Eine Mitarbeiterin von der ZF Friedrichshafen AG arbeitet an der Montagelinie des Nutzfahrzeuggetriebes Powerline.  Das Stiftungsunternehmen richtet sich angesichts vielfältiger Probleme neu aus.

Felix Kästle/dpa

Der Autozulieferer ZF Friedrichshafen steckt in einer schweren Krise. Das Stiftungsunternehmen drücken nicht nur Schulden in Milliardenhöhe, es wird auch durch die schwache Autokonjunktur belastet. Der ZF-Vorstand plant daher einen bisher nie dagewesenen Stellenabbau von bis zu 14.000 Beschäftigten. Diese Ankündigung zu Wochenbeginn war ein Paukenschlag. Die Aussicht, dass jede vierte Stelle in Deutschland wegfallen könnte, empört Gesamtbetriebsrat, IG Metall und die Belegschaft.

Vor diesem Hintergrund versuchte ZF-Vorstandschef Holger Klein bei der Vorlage der Halbjahreszahlen zu beruhigen: „ZF bleibt ein Stiftungsunternehmen mit starken Wurzeln in Deutschland“, wo es über eine erstklassige Belegschaft verfüge. Allerdings benötige das Unternehmen eine entschiedene Veränderung, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Das sei auch keine Abkehr vom Standort Deutschland: „Je früher man das angeht und je klarer, desto verlässlicher wird das für die Belegschaft“, sagte Klein, der den Stellenabbau sozial verträglich gestalten will. Derzeit liefen dazu die Gespräche. Details wollte er nicht nennen. Vor diesem Hintergrund investieren wir vor allem in margenstarke und zukunftsweisende Bereiche wie die Nutzfahrzeug- und Industrietechnik, die Fahrwerktechnik sowie das Servicegeschäft", sagte Finanzchef Michael Frick.

Ergebnis bricht ein

Wie Klein bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen deutlich machte, belastet ZF der langsame Hochlauf der E-Mobilität. Der geringere Absatz von Pkw und Lkw wirke sich auf die Auftragslage und die Auslastung der Produktion aus. Die Folge: Der nach dem Bosch-Konzern zweitgrößte deutsche Autozulieferer senkt in der Folge seine Prognose fürs Gesamtjahr. Der Umsatz werde 2024 zwischen 42,5 Milliarden bis 43,5 Milliarden Euro betragen. Im ersten Halbjahr sank der Umsatz um 5,6 Prozent auf rund 22 Milliarden Euro. Das bereinigte Ergebnis (Ebit) brach von 941 auf 780 Millionen Euro ein. Die Ebit-Marge, also das Verhältnis von Ergebnis vor Steuern und Zinsen im Verhältnis zum Umsatz, sank von 4 auf 3,5 Prozent ab. Angesichts von Kostensenkungsmaßnahmen soll die EBIT-Marge aber fürs Gesamtjahr die angestrebte Größenordnung von 4,9 bis 5,4 Prozent erreichen.

Die aktuellen Umstände seien herausfordernd, betonten Klein und Frick. ZF erwartet gegenüber anderen bei Pkw und leichten Nutzfahrzeugen in diesem Jahr einen Rückgang von drei Prozent, bei schweren Nutzfahrzeugen sogar von zehn Prozent. Bei den schweren Lkw als auch bei Nutzfahrzeugen (ab 18 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht) schwächle die Nachfrage in Europa, den USA und China.  Die E-Autonachfrage sei sehr spezifisch. Sie unterscheide sich nach Ländern, Modellen und Herstellern.

ZF-Chef Klein ließ zwar keinen Zweifel daran, dass der E-Mobilität die Zukunft gehöre. Doch derzeit leidet das Stiftungsunternehmen, wie auch viele andere Autozulieferer, daran, dass sich die enormen Investitionen in die neue Ära noch nicht auszahlen. „ZF hat investiert, die Werke sind, aber die Volumina kommen nicht wie geplant“, umschrieb Klein das Dilemma aus hohen Investitionen für ZF und der Kaufzurückhaltung der Kunden.  Aus diesem Grund seien in der Branche auch der Wettbewerbsdruck und der Kostendruck hoch. Alle Zulieferer hätten deutlich investiert und müssten nun schauen, wie sie ihre Kapazitäten füllen.

ZF ist an 162 Produktionsstandorten in 31 Ländern vertreten und beschäftigt aktuell rund 168.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

54.000 Beschäftigte in Deutschland

Die ZF Friedrichshafen beschäftigt an den 56 deutschen Standorten rund 54.000 Frauen und Männer. Im Zuge der Restrukturierung prüft der Vorstand auch,  Standorte zusammenzulegen.

Die hohen Schulden der ZF Friedrichshafen von mehr als 10 Milliarden Euro gehen auf Übernahmen der US-Konkurrenten TRW (2015) und Wabco (2020) zurück. Laut „Handelsblatt“ bezahlt die ZF dafür rund eine halbe Milliarde Euro Zinsen jährlich.