Autozulieferer aus Kirchheim/Teck: Endgültiges Aus: Recaro wird abgewickelt

1965 waren die ersten Nachrüstsitze von Recaro an den Markt gegangen.
Recaro Automotive„Einzigartige Performance. Dynamische Autositze von Recaro“ – die Homepage des Traditionsherstellers Recaro mit Sitz in Kirchheim/Teck verrät noch nichts von den schlechten Nachrichten. Nachdem vor Kurzem bekannt wurde, dass der Autozulieferer Insolvenz anmelden muss, ist nun Schluss: Recaro wird abgewickelt und die Produktion endgültig geschlossen. Dies teilte ein Sprecher des Insolvenzverwalters in Kirchheim/Teck (Kreis Esslingen) mit.
Die Recaro Automotive GmbH war nach eigenen Angaben aufgrund extremer Preissteigerungen und einer negativen Entwicklung des Gesamtmarktes in den vergangenen Krisenjahren sowie wegen des Wegfalls eines Großauftrages in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten.
Es gebe zwar Gespräche mit einem Investor, so der Insolvenzverwalter. Dieser habe aber kein Interesse am Erhalt der Produktion. Die Herstellung von Sitzen wird daher bis Jahresende eingestellt. Zuvor hatten „Stuttgarter Nachrichten“ und „Stuttgarter Zeitung“ darüber berichtet. Das Unternehmen befindet sich nun in einem normalen Insolvenzverfahren. Zuvor hatte es versucht, sich in Eigenverwaltung zu sanieren.
200 Beschäftigte verlieren ihre Arbeit
Von der Abwicklung sind etwas mehr als 200 Beschäftigte betroffen. 135 davon seien schon widerruflich freigestellt und noch 90 in der Produktion beschäftigt. Die Recaro Automotive GmbH machte zuletzt knapp 50 Millionen Euro Umsatz. Alle Mitarbeiter werden nach den Worten des Sprechers der Insolvenzverwaltung ihren Arbeitsplatz verlieren.
Noch vor drei Wochen hatte man sich in einer Mitteilung optimistisch gegeben. Der Prozess schreite zügig voran, mehrere interessierte Investoren hätten die Möglichkeit, Arbeitsplätze in der Region zu erhalten, hieß es da. Dem Betriebsrat und den Mitarbeitern seien die laufenden Verhandlungen mit den Kunden des Unternehmens über Produktionsvolumen, Standort und eine funktionierende Lieferkette in den nächsten vier Monaten erläutert worden.
Recaro stellte seit Jahrzehnten Autositze für Sportwagen her. 1965 wurde in dem Werk, das bereits 1906 als „Stuttgarter Carosserie- und Radfabrik“ gegründet worden war, der erste Sportsitz präsentiert – als nach eigenen Angaben weltweit erster Nachrüstsitz für Automobile. Weitere Meilensteine waren 1977 eine Kopfstütze mit integrierten Stereolautsprecherin, in den späten Achtzigern eine Rückschale aus Kunststoff und inzwischen vollelektrische Sportsitze aus Glafaser.
