Autobranche
: Mahles Befürchtungen wurden übertroffen

Es geht drunter und drüber in der Branche. Der Autozulieferer aus Stuttgart kämpft an vielen Fronten. Und verlässt sich auf die Federschwingen von Eulen.
Von
Thomas Veitinger
Stuttgart
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Mahle - Automobilzulieferer: ARCHIV - 21.03.2025, Baden-Württemberg, Stuttgart: Ein Mitarbeiter des Automobilzulieferers Mahle bereitet einen Wasserstoff Motor für einen Testlauf in einem Teststand vor. (zu dpa: «Mahle: Erneut schwarze Zahlen trotz Umsatzrückgangs») Foto: Bernd Weißbrod/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Ein Mitarbeiter des Automobilzulieferers Mahle bereitet einen Wasserstoff-Motor für einen Testlauf in einem Teststand vor.

Bernd Weißbrod/dpa
  • Mahle kämpft mit Schulden und Marktentwicklungen.
  • Zwei Drittel der Jobs hängen vom Verbrennungsmotor ab.
  • Europa setzt auf E-Mobilität, China bleibt beim Verbrenner.
  • Mahle diversifiziert: E-Bikes, Thermomanagement, Diagnose.
  • 4665 Stellen abgebaut, Umsatz sank auf 11,7 Mrd. Euro.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Achterbahn wäre noch zu sanft. Die Autobranche befindet sich eher im Schleuderprogramm einer Waschmaschine. Wie etwa Mahle. Auf Seite 12 der Reden des Vorstandsvorsitzenden und des Finanzchefs steht, worum es geht: „Mahle zurück in die Erfolgsspur bringen.“ Eigene falsche Entscheidungen, fordernde Transformation, politische Vorgaben und schwierige weltweite Marktentwicklungen haben den Automobilzulieferer aus der Kurve getragen. Die Schulden drücken, die Ungewissheit über die Zukunft von Verbrennern macht den Weg unsicher – das Unternehmen muss erfindungsreich und profitabel zugleich sein.

Zwei Drittel der Arbeitsplätze des Konzerns hängen in Europa am Verbrennungsmotor. „Diese Technik bietet fünfmal mehr Jobs als die E-Mobilität“, sagte Chef Arnd Franz bei der Bilanzvorlage. Europa sei bislang der einzige Markt, der allein auf batterieelektrische Fahrzeuge setze. Selbst China mit den weltweit meisten batterieelektrischen Fahrzeugen führe die Verbrenner-Entwicklung fort. „Sollte Europa seinen Sonderweg ,Battery only' nicht verlassen, empfängt China die Kunden mit offenen Armen“, mahnt der Vorstandschef.

Weitere Standbeine

Zwei Welten: Auf der einen Seite Benzin- und Dieselmotoren, die nach jetzigem Stand 2035 nicht mehr in Europa verkauft werden dürfen und mit denen Mahle im vergangenen Jahr weniger Umsatz als im Vorjahr erreichte. Und auf der anderen Seite das Zukunftsfeld Elektrifizierung, das 2024 hinter den Erwartungen zurückblieb und mit dem sich nach wie vor kein Geld verdienen lässt. Die Lösung: weitere Standbeine, wie die Diagnose für den Zustand von E-Autobatterien, digitale Werkstatt-Ausrüstung, E-Fahrräder. „Unsere kompakten E-Motoren treiben nicht nur Fahrräder, Motorräder oder Golfcarts an, sondern sind auch ideale Antriebe für Fahrzeuge und Geräte in der Logistik“, sagte Franz. Mahles Thermomanagement kühlt Schnellladesäulen und Hochleistungsladekabel für E-Fahrzeuge. Auch im Schienen- und Marinesektor sowie in der Sicherheits- und Verteidigungstechnik ist das Stuttgarter Unternehmen aktiv.

Und dann ist da noch China. An dem Land führe „kein Weg vorbei“. Mahle ist mit 7000 Beschäftigten in über 30 Werken vertreten. „China ist wegen seiner Größe und seiner Geschwindigkeit wichtig für uns. Wer will, dass eine Technologie schnell auf die Straße kommt, ist in China richtig. China ist unser Bootcamp“, sagte Franz. „Was wir hier lernen und trainieren, zum Beispiel deutlich beschleunigte und effizientere Entwicklungs- und Produktionsprozesse, macht uns nicht nur in China stark. Davon profitieren wir auch in anderen Weltregionen.“

Abbau von Stellen

Dazu kommt noch: Sparen. Ende 2024 waren 4665 Beschäftigte weniger im Unternehmen als zum Jahresanfang mit 72.373. Unternehmensteile wurden verkauft, Werke mussten schließen – etwa in Gaildorf. Die Geschäftsbereiche wurden von fünf auf drei und die Geschäftsführung von sieben auf vier Mitglieder verkleinert. Trotz eines deutlichen Umsatzrückgangs schrieb Mahle im vergangenen Jahr allerdings schwarze Zahlen.

Doch was bringt die Zukunft? Wird das Schleuderprogramm einmal aufhören? Nicht so schnell. „Es wird ein wegweisendes Jahr für Mahle“, sagte Franz. Aufgrund verschärfter Rahmenbedingungen, etwa durch jüngst verhängte US-Zölle, bleibe Mahle dieses Jahr vorsichtig und kostenbewusst. Die Umsätze in den ersten drei Monaten seien etwas unter den Erwartungen geblieben.

Wichtig bleiben Forschung und Entwicklung. Ein Highlight 2024 war ein Hochleistungslüfter, der nach dem Vorbild der Federschwingen einer Eule entwickelt wurde. „Der geräuschmindernde Effekt ist so stark, dass Brennstoffzellen- und batterieelektrische Lkw beim Laden oder unter Volllast etwa nur halb so laut sind wie Fahrzeuge mit herkömmlichen Lüftern“, sagte Franz. „Dass unsere Kunden unsere innovativen Ideen zu schätzen wissen, sehen wir in unseren Auftragsbüchern.“ Und die sind voll.

Befürchtungen übertroffen

In allen vier Geschäftsfeldern gab es bei Mahle 2024 Einbußen. Der Gewinn sank von 26 auf 22 Millionen Euro, der Umsatz von 12,8 auf 11,7 Milliarden Euro. Der drastische Umsatzrückgang hat die Befürchtungen noch übertroffen. Das operative Ergebnis (Ebit) hingegen stieg von 304 Millionen Euro auf 423 Millionen Euro.