Schärfere Kohlendioxid-Vorgaben, Dieselkrise, drohender Brexit, Sparanstrengungen, geringerer Absatz: Es gibt viele Gründe für den aktuellen oder drohenden Stellenabbau in der Automobil- und Zulieferindustrie. Dabei kommen die großen technologischen Umwälzungen wie Elektromobilität auf den Industriezweig erst zu, in dem 820.000 Menschen rund 426 Mrd. € Umsatz erzielen.

Autobauer

Alle Hersteller spüren die nachlassende Nachfrage in einigen Märkten, die Auswirkungen auf die Unternehmen sind aber unterschiedlich. Die Umstellung auf E-Mobilität wird sich dagegen auf alle massiv auswirken: Ein Diesel be­steht aus min­des­tens 1200 Tei­len, ein Elek­tro­mo­tor aus 200. Es werden auch neue Stellen geschaffen – aber meist für Höherqualifizierte. Wie sieht es in den einzelnen Unternehmen aus?

Daimler

Bis 2029 sind festangestellte Mitarbeiter vor betriebsbedingten Kündigungen sicher. Die Auswirkungen durch E-Autos werden dennoch diskutiert. Das Untertürkheimer Werk produziert Komponenten des E-Antriebs. Die Vergabe an Zulieferer und der Zukauf von Externen sind Themen. Laut Produktionschef Markus Schäfer soll es bei Mercedes eher mehr Arbeit geben als weniger. Chef Dieter Zetsche kündigte jüngst Maßnahmen gegen den Gewinneinbruch an, ohne ins Detail zu gehen.

VW

Die Wolfsburger wollen bis 2025 in Deutschland 23.000 Stellen durch Fluktuation und Altersteilzeit abbauen, rund ein Drittel an den Standorten Hannover und Emden, gleichzeitig aber 9000 für den Elektroantrieb schaffen. Ein weiterer Abbau könnte folgen, es soll bereits Gespräche geben, konkrete Zahlen werden aber nicht genannt. VW-Chef Herbert Diess sieht durch das EU-Ziel von 35 Prozent weniger CO2 einen möglichen Verlust von 100.000 Jobs allein in seinem Unternehmen.

 BMW

In München gibt man sich gelassen. Personalintensive Getriebefertigung gebe es bei BMW kaum. Komponenten von Elektroautos fertigen die Bayern im Gegensatz zur Konkurrenz in großem Umfang selbst. Elektromotoren baut BMW genauso in Eigenregie wie Batterieblöcke.

 Porsche

Für den E-Porsche Taycan werden 1200 Jobs geschaffen, die Hälfte davon als Neueinstellungen. Bei dem Sportwagenbauer stehen die Zeichen in absehbarer Zeit nicht auf Abbau, in den vergangenen Jahren wurde stets zugelegt. 

Audi

Auch die Ingolstädter haben eine Jobgarantie – bis 2025. Dennoch rechnet der Bürgermeister von Ingolstadt etwa mit einem Abbau von 5000 Stellen durch Fluktuation in seiner Stadt. Bis 2022 will der neue Chef Bram Schot 15 Mrd. € einsparen. Wie, ist noch offen. Frei werdende Stellen sollen in Zukunft nicht mehr neu besetzt werden. 

Ford

Um Kosten zu senken, ist die Streichung tausender Arbeitsplätze geplant, Werksschließungen sind möglich. Immer härtere Preiskämpfe schlagen auf die Rendite. Ford ist in Europa schon länger nicht so profitabel, wie sich die US-Mutter das wünscht. 

Zulieferer

Laut Fraunhofer-Institut sind 75.000 der 210.000 Jobs in der Fertigung von Antriebssträngen gefährdet. Zulieferer bangen um Aufträge. Jörg Hofmann, Vorsitzender der IG Metall, hält vor allem spezialisierte Zulieferer aus der zweiten und dritten Reihe, die allein Produkte für Antriebsstränge für Verbrennermotoren herstellen, für hochgradig gefährdet. Derzeit sei vor allem aber China und der­ ­Brexit das Problem. 

Bosch

Rekordumsatz, Rekordzahl an Mitarbeitern – der Blick geht nach vorn. Dennoch hat der weltgrößte Autozulieferer zu kämpfen mit Brexit, Handelskonflikt und Diesel-Krise. Am Selbstzünder hängen 50.000 Jobs, 600 Arbeitsplätze wurden abgebaut. Gleichzeitig schaffte Bosch 7800 neue Stellen 2018 und will weiter aufbauen, um bei Elektrifizierung und künstlicher Intelligenz vorne dabei zu sein. 

Kuka

Der Einbruch auf dem chinesischen Automarkt bringt auch den Roboterbauer Kuka in Bedrängnis. Gegengesteuert wird mit einer Reorganisation sowie einem noch nicht bezifferten Stellenabbau, der 300 Mio. € bis in zwei Jahren einbringen soll. 

ZF

Der Zulieferer vom Bodensee steckt wie etwa Bosch und Continental mitten in einem technologischen Umbruch. Noch werden wegfallende einfachere Tätigkeiten durch ausscheidende Mitarbeiter und die Einstellung qualifizierterer Angestellter ausgeglichen. An mehreren Standorten gibt es Standortsicherungen. 

Osram

Die Geschäfte laufen nicht gut. Ende Januar wurde der Abbau von 300 Arbeitsplätzen in Regensburg verkündet. Die Schwäche der Autoindustrie soll schuld sein. Das Tochterunternehmen Opto Semiconductors läuft ebenfalls nicht rund. 

Hella

Auch bei Hella schlägt das schwache Marktumfeld in China und Europa durch und sorgte für einen Dämpfer beim Wachstum. Zu spüren sind Marktunsicherheiten und hohe Absatzschwankungen.

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