Apotheken in BW: Neue Regeln für Notdienste ab 1. Januar

Apothekerin im Nachtdienst. Häufig schlagen sich Inhaberinnen und Inhaber die Nacht um die Ohren. Vom 1. Januar an gelten neue Regeln.
dpa- Ab 1. Januar ändern sich Notdienstregeln für Apotheken in Baden-Württemberg.
- Neue IT-gestützte Verteilung mit KI sorgt für gleichmäßige Abdeckung.
- Entfernungen zu Notdienstapotheken betragen im Schnitt acht Kilometer.
- Zahl der Notdienste sinkt 2024 um 23,4% auf 34.141 Einsätze.
- Apothekenzahl sinkt, Online-Konkurrenz wächst; 88 Schließungen 2023.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Verbraucherinnen und Verbraucher in Baden-Württemberg müssen sich auf Neuerungen bei den Notdiensten der Apotheken einstellen. Das bisherige System mit bisher knapp 100 Notdienstkreisen endet zum Jahresende. Bisher wurden die Notdienste einzeln in den Kreisen ermittelt, selten seien Notdienste mit benachbarten Notdienstkreisen abgestimmt worden, erklärt eine Sprecherin des Landesapothekerverbandes. Dadurch sei es teilweise zu Überschneidungen und sehr unterschiedlichen Entfernungen für die Patientinnen und Patienten gekommen.
Vom 1. Januar 2025 wird es ein neues System und IT-gestützte Notdienstorganisation geben. Dabei werden die Notdienste mithilfe von Künstlicher Intelligenz in einem flächendeckenden Plan landesweit verteilt. Ziel sei, dass eine möglichst gleichmäßige Abdeckung mit Notdienstapotheken in der Fläche gewährleistet sei. Neu ist auch: Künftig werden Apotheken in den angrenzenden Bundesländern bei der Ermittlung der Entfernungen zur nächsten Notdienstapotheke in wesentlichen Teilen berücksichtigt.
„Die Notdienst-Versorgung bleibt in Baden-Württemberg im Vergleich zu anderen Bundesländern sehr gut“, betont Martin Braun, Präsident der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg. Die Entfernung zwischen zwei Notdienstapotheken betrage im Schnitt acht Kilometer. In mehr als 98 Prozent der Fälle könne eine Maximalentfernung zwischen zwei Notdienstapotheken von 25 Straßenkilometern eingehalten werden. In Ausnahmefällen könne die Entfernung auch darüber liegen. Das betreffe vor allem die stark ländlich geprägten Gebiete in Baden-Württemberg.
Dass die Wege für Bürgerinnen und Bürger weiter werden, liegt nach den Worten Brauns auch an der sinkenden Zahl der Apotheken in Baden-Württemberg und ganz Deutschland. Die Landesapothekerkammer versuche einen Mittelweg zu finden, die Belastung der Apothekenleiter mit Notdiensten und die Bedürfnisse der Patienten, eine Notdienstapotheke zu finden, miteinander zu vereinbaren. Das werde im Einzelfall entscheiden.
Die Einteilung der Notdienste per Geodaten und dem IT-gestützten System hat zur Folge, dass es künftig nur noch individuelle Notdienstpläne für jede einzelne Apotheke gibt. Die bisherigen Notdienstkreise sind vom 1. Januar Geschichte. Daher gibt es auch keinen Jahresplan über alle Apotheken für einen bestimmten Bereich oder eine Stadt mehr. Auf der Startseite der Homepage der Landesapothekerkammer befindet sich eine Suchfunktion, mit der nächstgelegenen Notdienstapotheken zu finden sind.
Wie Baden-Württemberg stellt auch Bayern seine Notdienstregelung zum Jahreswechsel um. Rheinland-Pfalz und Hessen haben das bereits vor einem Jahr getan. Nach einem Online-Bericht der Deutschen Apothekerzeitung ergaben erste Simulationen, dass mit dem IT-gestützten Notdienst-System im Südwesten die Zahl von 44.594 Notdiensten im Jahr 2024 auf 34.141 Notdienste sinken wird. Das sind 23,4 Prozent weniger. Im Schnitt habe jede Apotheke 16 Dienste pro Jahr zu leisten, dabei seien einzelnen Apotheken mindestens 11 Dienste und höchstens 20 Dienste zugeordnet.
„Notdienste sind eine Notwendigkeit für die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung. Sie sind aber gleichzeitig eine zeitliche, organisatorische und wirtschaftliche Herausforderung für Apotheken“, betont Kammerpräsident Martin Braun auf Anfrage der SÜDWEST PRESSE. Bei sinkenden Apothekenzahlen könne die Anzahl der geleisteten Notdienste nicht auf dem gewohnten Niveau gehalten werden. „Wir müssen alles daransetzen, das Apothekensterben zu stoppen, allein schon, um die Notdienste überhaupt gewährleisten zu können. Durch die Optimierung der Notdienstverteilung und der damit einhergehenden Entlastung einiger Apotheken möchten wir einer Verschlechterung der Notfallversorgung vorbeugen“, erklärte Braun.
Zahl der Apotheken geht stetig zurück
Die Zahl der Apotheken in Baden-Württemberg geht seit Jahren zurück. Im vergangenen Jahr schlossen 88 Apotheken, ihre Zahl sank auf 2211. Im ersten Halbjahr 2024 kamen 44 Schließungen hinzu, bei drei Neueröffnungen. Ein Grund dafür ist nach Einschätzung des Landesapothekerverbandes die wachsende Online-Konkurrenz. Bei rezeptfreien, aber apothekenpflichtigen Medikamenten, betrage der Marktanteil der Online-Apotheken rund 20 Prozent.


