Aldi, Rewe, Edeka, Lidl
: Warum sich Pfandbons oft nicht in einer anderen Filiale einlösen lassen

Aldi ist doch Aldi – also müsste die Kasse ein paar Kilometer weiter doch auch den Bon der anderen Niederlassung akzeptieren, oder? Muss sie nicht. Welcher Discounter da eine Ausnahme macht.
Von
Caroline Strang
Berlin
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Ein Mann steckt eine Pfandflasche in einen Leergutautomaten

Wer vergisst, seinen Leergut-Bon gleich an der Kasse einzulösen, kann beim nächsten Versuch so manche Überraschung erleben.

Monika Skolimowska/dpa-mag/dpa
  • Pfandbons gelten oft nur in der Filiale, in der sie entstanden – bei Aldi und Rewe nicht übertragbar.
  • Rewe und Edeka: genossenschaftliche Struktur verhindert die filialübergreifende Verrechnung.
  • Lidl macht eine Ausnahme: Bons aus jeder deutschen Filiale sind überall einlösbar.
  • Digitale Bons in der Lidl-Plus-App möglich, die Kassen entwerten systemweit in Echtzeit.
  • Verbraucherzentrale: Pfandbons drei Jahre gültig, Bon lesbar aufbewahren – Barcode, Adresse, Datum.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Mitarbeiterin an der Aldi-Kasse zuckt mit den Schultern. „Ich kann doch da nichts machen“, erklärt sie und gibt der überraschten Kundin zwei Pfandbons zurück. Die hatte zuvor in zwei anderen Filialen Pfand abgegeben, dabei aber jedes Mal vergessen, den Wert der Bons direkt beim Zahlen abziehen zu lassen. Kein Problem, dachte sie. Ich gehe ja bald wieder zu Aldi in meiner Heimatstadt. So einfach geht das aber nicht. Die Kasse verweigert die Annahme, der Bon lässt sich gar nicht erst einscannen. „Geht halt nicht, falsche Filiale“, lautet das lakonische Urteil der Mitarbeiterin.

Doch warum geht das eigentlich nicht und ist das bei allen Händlern so? Sein Flaschen-Pfand kann man grundsätzlich überall dort abgeben, wo es Flaschen gleicher Machart gibt, gerade bei PET-Flaschen ist die Marke egal. So nimmt also auch der Rewe-Automat die Wasserflaschen von Aldi und andersherum.

Der Automat bei Aldi allerdings nimmt beispielsweise keine Glasflaschen an, weil dort ja im Normalfall keine Mehrwegflaschen verkauft werden. Und auch die Unterscheidung von Einweg- und Mehrweg-Kunststoffflaschen lässt die Automaten manchmal streicken.

Pfandbons der anderen nehmen die Wettbewerber grundsätzlich nicht an – und anscheinend auch nicht mal die Wertzettel anderer Filialen einer Kette. Oder doch?

Bei Aldi geht es nicht, bei Lidl schon

Wir fragen bei einigen Discounter- und Supermarktketten nach. Aldi bestätigt, dass Kundinnen und Kunden Pfandbons nicht in anderen Filialen abgeben können. „Nach der Rückgabe erzeugt der Pfandautomat einen Datensatz und überträgt diesen direkt an die Kasse in der jeweiligen Filiale“, erklärt eine Sprecherin. Die Übertragung der Pfanddatensätze an andere Filialen sei aus technischen Gründen nicht möglich.

Bei Rewe gibt es noch einen anderen Grund, warum das nicht geht. Denn Rewe ist genossenschaftlich organisiert, viele Märkte werden von selbstständigen Kaufleuten geführt und sind wirtschaftlich eigenständige Unternehmen. „Vor diesem Hintergrund können Pfandbons aus technischen und abrechnungstechnischen Gründen grundsätzlich nur in dem Markt eingelöst werden, in dem sie ausgestellt wurden. Eine filialübergreifende Verrechnung ist nicht vorgesehen“, erklärt das Unternehmen.

Ähnlich sieht es bei Edeka aus. Denn auch dieser Verbund ist genossenschaftlich organisiert und wird von rund 3200 selbstständigen Kaufleuten getragen. Eine Sprecherin weist darauf hin, dass diese eigenständig über die unternehmerischen Aktivitäten in ihren Märkten, so auch das Einlösen von Pfandbons anderer Märkte, entscheiden. Also könne keine allgemeingültige Antwort gegeben werden.

Eine allgemeine Antwort hingegen gibt es bei Lidl – und die fällt anders aus als beim Hauptwettbewerber Aldi. „Ein Bon, der in einer deutschen Lidl-Filiale erstellt wurde, kann in jeder anderen unserer bundesweit rund 3250 Filialen an der Kasse verrechnet oder ausgezahlt werden“, erklärt das Unternehmen. Und das filialübergreifende Einlösen würde auch gut genutzt.

Digitaler Pfandbon über die Kunden-App

Möglich ist es seit August 2025 durch eine technische Aufrüstung. Im Gegensatz zu dezentralen Systemen seien die Lidl-Pfandautomaten und Kassensysteme in Echtzeit miteinander vernetzt, so eine Sprecherin. Sobald ein Pfandbon gedruckt werde, sei dieser systemweit registriert und könne nach der Einlösung unmittelbar entwertet werden.

Der Discounter weist zusätzlich noch auf eine weitere Möglichkeit hin: „Zusätzlich zur Einlösung des gedruckten Bons bietet Lidl in Deutschland seit demselben Zeitraum die Option des digitalen Pfandbons an.“ Hierfür müssten Kundinnen und Kunden zunächst den QR-Code am Pfandautomaten mit der Lidl-Plus-App scannen, damit das Pfandguthaben dem jeweiligen Kundenkonto korrekt zugeordnet werde. Scannen die Kunden anschließend ihre Lidl-Plus-Karte an der Kasse, werde der Bon automatisch eingelöst, sofern er zuvor nicht manuell deaktiviert wurde.

Kaufland gehört wie Lidl zur Schwarz-Gruppe, entsprechend ähnlich ist dort auch der Service. „Pfandbons von Kaufland können daher auch in jeder Filiale eingelöst werden, unabhängig davon, wo sie erzeugt wurden“, erklärt die Supermarktkette.

Laut Verbraucherzentrale gilt für Pfandbons zusätzlich eine Frist von drei Jahren. So lange kann man sie einlösen, am besten in der Filiale, die sie ausgestellt hat. Wichtig ist, dass der Kassenbon gut lesbar ist. Zumindest Barcode, Adresse und Datum müssen erkennbar sein. Da die Daten oft auf sehr dünnes Papier gedruckt sind, ist es besser, den Bon nicht zu lange aufzubewahren.

Experten empfehlen, sie gleich nach dem Erhalt gut sichtbar in die Geldbörse zu stecken, damit man sie an der Kasse direkt sieht. So vergisst man sie nicht so leicht. Ein weiterer Tipp ist, am Ende des Einkaufszettels einen Hinweis hinzuschreiben, dass man an den Pfandbon denken sollte.

18 Milliarden Einweg-Flaschen

Das Deutsche Pfandsystem ist mit derzeit mehr als 18 Milliarden Einweggetränkeverpackungen pro Jahr das größte Pfandsystem in der EU. Mit einer Rücklaufquote von mehr als 98 Prozent zählt es laut der deutschen Pfandsystem GmbH darüber hinaus zu den leistungsstärksten. Dazu kommen noch Mehrwegverpackungen wie Glasflaschen, die ebenfalls im Umlauf sind.

Welche Getränke vorrangig in welchen Verpackungen verkauft werden, ist unterschiedlich. 2025 machten PET-Einwegverpackungen rund 60 Prozent und damit den größten Anteil der Verpackungsarten der Mineralbrunnenindustrie aus. Der Anteil von Glas-Mehrwegverpackungen lag im selben Jahr laut Umweltbundesamt bei rund 20 Prozent.