Abbaupläne bei VW: Proteste gegen Werksschließungen starten – 100.000 Stellen in Gefahr

Vertrauensleute, Betriebsräte sowie Jugend- und Auszubildendenvertretungen von Volkswagen beteiligen sich an einer Informations- und Protestaktion der IG Metall vor dem VW-Werk in Osnabrück. Am Tag der Aufsichtsratssitzung der Volkswagen AG in Wolfsburg organisiert die IG Metall bundesweit Informations- und Protestaktionen an zahlreichen Standorten des Konzerns.
David Ebener/dpa- IG Metall startet bundesweit Protestaktionen gegen Sparpläne und drohende Werksschließungen.
- In Osnabrück demonstrierten am Morgen rund 70 Vertrauensleute und Betriebsräte.
- Berichte: Bis zu 100.000 Stellen könnten entfallen, vier Werke in Deutschland langfristig zu.
- Vorstand informiert den Aufsichtsrat in Wolfsburg – Daniela Cavallo spricht am Nachmittag.
- Niedersachsen und IG Metall stellen sich gegen Schließungen, auch Kaiser warnt vor Kahlschlag.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Am Werk von Volkswagen in Osnabrück haben am Donnerstagmorgen nach Angaben der IG Metall Niedersachsen rund 70 Vertrauensleute und Betriebsräte gegen die Sparpläne des Autobauers demonstriert. Aktionen gegen den von der Gewerkschaft befürchteten Kahlschlag sind im Laufe des Tages an zahlreichen Standorten von VW und der Konzerntöchter Porsche, Audi und MAN geplant. VW-Gesamtbetriebsratschefin Daniela Cavallo wird am Nachmittag in Wolfsburg sprechen.
Die Gewerkschafterin sitzt im Aufsichtsrat von Volkswagen – der Vorstand des Konzerns informiert das Kontrollgremium am Donnerstagnachmittag, 9. Juli, über seine Sparpläne. Das „Manager Magazin“ hatte berichtet, global sollten bis zu 100.000 Stellen gestrichen werden, vier Werke in Deutschland sollten mittelfristig dichtgemacht werden – VW-Werke in Hannover, Zwickau und Emden sowie das Audi-Werk in Neckarsulm. Der Konzern bestätigte die Zahlen nicht, sprach jedoch von „tiefgreifenden“ Veränderungen, die bevorstünden.
Der „Spiegel“ berichtete unter Berufung auf Aufsichtsratskreise, der Vorstand um Konzernchef Oliver Blume wolle in fünf Jahren in den Werken Zwickau und Emden die Produktion auslaufen lassen. Das Nutzfahrzeugwerk Hannover solle 2032 folgen, das Audi-Werk in Neckarsulm 2034. In diesen vier Werken arbeiten demnach rund 40.000 Menschen. Zudem wolle Blume bis 2030 rund 50.000 Stellen streichen.
Verkauf der Werke an Rüstungsunternehmen
Dem Bericht zufolge will der Vorstand die Investitionen im Zeitraum von 2027 bis 2031 von zuletzt 180 Milliarden Euro auf 135 Milliarden Euro kürzen. Die Modelle, die bislang in deutschen Werken gebaut werden, sollen in günstigeren osteuropäischen Werken vom Band laufen – etwa in Bratislava in der Slowakei oder in Györ in Ungarn. Für die deutschen Standorte sollten andere Zwecke gefunden werden, etwa der Verkauf an Rüstungsunternehmen.
Die IG Metall hat massiven Widerstand gegen die Sparpläne angekündigt. Auch der Großaktionär von VW, das Land Niedersachsen, stellt sich gegen Werksschließungen.
Die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Elisabeth Kaiser (SPD), warnte die Konzernspitze vor einem Kahlschlag in Ostdeutschland. „Die Folgen einer Werkschließung in Zwickau wären fatal“, sagte sie der „Leipziger Volkszeitung“ und der „Sächsischen Zeitung“ vom Donnerstag. „Damit würde die ostdeutsche Automobilindustrie als ein wichtiger Innovationsmotor in Gänze getroffen.“ Sie erwarte vom VW-Vorstand eine klare Zukunftsperspektive für alle infrage stehenden Werke.
Kaiser sagte, die Bundesregierung wisse um die Schwierigkeiten der Autoindustrie, habe mit der neuen Kaufprämie für E-Autos aber auch „einen wichtigen Schritt zur Unterstützung“ der Branche gemacht. „Wenn die ostdeutsche Automobilindustrie eine Zukunft haben will, muss sie genau dort investieren, wo in Ostdeutschland eines der modernsten Werke entstanden ist, mit großem Know-how und gut qualifizierten Beschäftigten.“
