3000 Mitarbeiter betroffen
: Feneberg ist insolvent – wie es jetzt weitergeht

Einer der größten selbstständigen Lebensmittelhändler in Deutschland ist pleite. Alle Filialen sollen nun auf den Prüfstand.
Von
Caroline Strang
Stuttgart
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Diese Feneberg-Filiale in der Ulmer Frauenstraße gibt Ende November die Post ab. Die Post sucht Ersatz, tut sich aber schwer, Händler dafür zu begeistern. 

Ulm, Frauenstraße; Schließung Post Feneberg

Feneberg hat Insolvenz angemeldet.

Lars Schwerdtfeger
  • Lebensmittelhändler Feneberg mit 3000 Mitarbeitenden meldet Insolvenz an.
  • Ziel ist eine wirtschaftliche und strukturelle Neuaufstellung im Schutzschirmverfahren.
  • Filialnetz wird überprüft – unwirtschaftliche Standorte könnten schließen oder an Investoren gehen.
  • Lohnzahlungen und Betrieb während der Sanierung sind gesichert, Versorgung bleibt gewährleistet.
  • Maßnahmenkatalog und Investorenprozess sollen Arbeitsplätze und Standorte weitgehend erhalten.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Verbreitet ist der Lebensmittelhändler Feneberg, einer der größten selbstständigen Akteure in dieser Branche, im Süden Deutschlands. Er unterhält derzeit mehr als 70 Filialen, Schwerpunkte liegen dabei im Allgäu, Oberschwaben, Schwaben und der Bodensee-Region, auch in Ulm, Ravensburg und Memmingen gibt es Filialen. Diese werden in nächster Zeit genau auf Rentabilität geprüft, denn Feneberg hat Insolvenz angemeldet.

„Die Feneberg Lebensmittel GmbH, einer der größten selbstständigen Lebensmittelhändler Deutschlands mit rund 3000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, hat beim Amtsgericht Kempten ein Schutzschirmverfahren beantragt“, teilt das Unternehmen mit. Ziel des Verfahrens sei eine umfassende wirtschaftliche und strukturelle Neuaufstellung des Unternehmens unter eigener Verantwortung, heißt es in einer Mitteilung. Das Unternehmen erwirtschaftet einen Jahresumsatz von mehr als 500 Millionen Euro.

Folgewirkung der Insolvenz von Allgäu Fresh Foods

Die Gesellschaft reagiere mit dem Verfahren auf eine seit längerem angespannte wirtschaftliche Situation. Zu den wesentlichen Belastungsfaktoren zählen laut den Verantwortlichen Verluste, hohe Pensionsverpflichtungen, strukturelle Defizite im Filialnetz sowie die Folgewirkungen der Insolvenz der früheren Tochtergesellschaft Allgäu Fresh Foods (AFF).

Im Mittelpunkt der Sanierung steht nun eine Überprüfung und Neuordnung des Filialnetzes. Dauerhaft unwirtschaftliche Standorte werden kritisch bewertet, heißt es bisher nur. Neben möglichen Schließungen prüfe das Unternehmen ausdrücklich auch rechtliche und wirtschaftliche Übertragungen einzelner Filialen oder Filialgruppen auf einen oder mehrere Investoren, sofern sich hierfür tragfähige Lösungen ergeben. Ziel sei es, möglichst viele Standorte in geeigneter Struktur fortzuführen.

Wie es mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weitergeht, ist noch offen. Fest stehe allerdings, dass das operative Kerngeschäft im Lebensmitteleinzelhandel während des Verfahrens uneingeschränkt weiterlaufe. „Die Versorgung der Kundinnen und Kunden in den Märkten ist sichergestellt. Ebenso sind die Lohnzahlungen der Mitarbeiter gesichert und der Geschäftsbetrieb für die geplante Sanierung durchfinanziert“, erläutert Jochen Sedlitz von der Kanzlei Grub Brugger.

„Möglichst viele Arbeitsplätze erhalten“

Ein Team dieser Kanzlei um Partner Frank Schäffler, Fachanwalt für Insolvenz- und Sanierungsrecht, berät das Unternehmen im Rahmen des Schutzschirmverfahrens. Jochen Sedlitz ist dabei als Generalbevollmächtigter tätig. Die operative Sanierung verantwortet Stephan Leibold als Sanierungsgeschäftsführer, der die Geschäftsführung gemeinsam mit Amelie Feneberg wahrnimmt. Zum vorläufigen Sachwalter hat das Gericht Martin Hörmann von der Kanzlei Anchor bestellt.

„Das Schutzschirmverfahren bietet den rechtlichen Rahmen, um die notwendigen Sanierungsschritte strukturiert umzusetzen“, sagt Frank Schäffler. „Wir wollen Feneberg wirtschaftlich stabilisieren, möglichst viele Filialen und Arbeitsplätze erhalten und damit eine tragfähige Perspektive für die Zukunft schaffen.“ Die Sanierung erfolge auf Basis eines bereits erarbeiteten Maßnahmenkatalogs. Darüber hinaus werde ein Investorenprozess durchgeführt, um ergänzende Finanzierungslösungen und strategische Optionen zu prüfen. „Unser Anspruch ist es, den Sanierungsprozess lösungsorientiert, mit Augenmaß und unter Wahrung der Interessen aller Beteiligten zu führen“, so Sanierungsgeschäftsführer Stephan Leibold.