13 Inhaltsstoffen droht Verbot
: Geht der E-Zigarette die Luft aus?

13 Inhaltsstoffe der E-Zigarette könnten verboten werden. Politiker finden das gut, die Branche befürchtet Arbeitsplatzverlust.
Von
dpa
Berlin
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E-Zigaretten: ARCHIV - 07.02.2022, Baden-Württemberg, Bösingen: Eine junge Frau raucht mit einer E-Shisha und ist dabei als Silhouette zu sehen. Die Bundesregierung möchte 13 zentrale Inhaltsstoffe von E-Zigaretten-Liquids verbieten.  (zu dpa: ««Tod der E-Zigarette»? Branche ist besorgt über Verbotspläne») Foto: Silas Stein/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Die Bundesregierung möchte 13 zentrale Inhaltsstoffe von E-Zigaretten-Liquids verbieten. Die Branche ist besorgt.

Silas Stein/dpa
  • Bundesregierung plant Verbot von 13 Liquid-Inhaltsstoffen, darunter Menthol.
  • Branche warnt vor Nachfragerückgang, Lieferengpässen und Schwarzmarkt.
  • Umfrage: Verkäufer erwarten boomenden Schwarzmarkt, 10.000 Jobs könnten wegfallen.
  • Ministerium verweist auf Gesundheitsrisiken
  • Streit: Suchtforscher kritisieren Verbot; Politik betont Jugendschutz.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Deutschlands bislang boomender E-Zigaretten-Branche droht nach eigener Einschätzung ein herber Absturz. Grund dafür sind Pläne der Bundesregierung, 13 Inhaltsstoffe zu verbieten, darunter Menthol. „Ohne diese Inhaltsstoffe wird Vaping vielen Konsumenten nicht mehr schmecken – die Nachfrage nach legalen Produkten würde einbrechen“, sagt der Vorsitzende des Verbands Bündnis für tabakfreien Genuss (BfTG), Dustin Dahlmann.

Er befürchtet zudem Lieferengpässe, wenn das geplante Verkaufsverbot schon sechs Monate nach Verkündung greift und die Firmen dadurch zu wenig Zeit zur Umstellung ihrer Produktpalette hätten. „Die Verkaufsregale wären leer, der legale Markt würde brachliegen, und der Schwarzmarkt würde brummen.“

Auch bei der Vaping-Marke Elfbar wird der Vorstoß kritisch aufgenommen. „Wir bräuchten mehr Zeit für den Übergang“, sagt Kommunikationsdirektor Jacques Li und warnt ebenfalls vor einer Zunahme des Schwarzmarkts. Seine Firma passe ihre Rezepturen ohnehin schon an, auch ohne Inhaltsstoffe-Verbot.

E-Zigaretten oder Vapes (vom englischen Begriff Vaporizer, auf deutsch: Verdampfer) sind elektronische Zigaretten, die mit einer Flüssigkeit gefüllt sind. Dieses Liquid wird über ein batteriebetriebenes Heizelement erwärmt, verdampft und eingeatmet. Der Vaping-Markt boomt, laut BfTG lag der Umsatz in Deutschland 2025 bei 2,4 Milliarden Euro, was ein Plus von 25 Prozent war.

Schon jetzt gibt es Liquids ohne Menthol

Die Politik verfolgt die Entwicklung mit Argusaugen. Im Januar legte das Bundesernährungsministerium einen Verordnungsentwurf vor, dem zufolge zwölf Kühlstoffe (Cooling Agents) und das Süßungsmittel Sucralose künftig nicht mehr genutzt werden dürfen. Der bekannteste Kühlstoff ist Menthol.

„Sie sorgen dafür, dass die separaten Fruchtaromen stärker zur Geltung kommen und frisch und angenehm schmecken – ohne die Cooling Agents würde etwa ein Erdbeergeschmack beim Vaping muffig schmecken“, sagt Branchenvertreter Dahlmann. „Nimmt man sie aus der Rezeptur raus, so ist die ganze Rezeptur wertlos – es schmeckt nicht mehr.“

Allerdings gibt es durchaus Liquids, die besagte 13 Inhaltsstoffe schon jetzt nicht enthalten. Es gibt also Konsumenten, die freiwillig auf die umstrittenen Stoffe verzichten und denen das schmeckt.

Kann die Branche ihr Angebot nicht einfach umstellen, und die Vaper kaufen dann halt die Liquids ohne die Cooling Agents? BfTG-Chef Dahlmann schüttelt den Kopf. „Nur schätzungsweise zehn Prozent der in Deutschland legal verkauften Liquids enthalten die 13 Inhaltsstoffe schon jetzt nicht – das ist eine Nische, die geschmacklich längst nicht zu jedem Vaper passt.“

Das BfTG führte eine Umfrage unter 432 Vaping-Händlern und -Herstellern in Deutschland durch, die große Sorgen zeigt. Fast 90 Prozent der Firmen befürchten, dass die Konsumenten als Reaktion auf das Inhaltsstoffe-Verbot auf Produkte vom Schwarzmarkt zurückgreifen. Nur 14 Prozent gehen davon aus, dass die Kunden auf andere legale Liquids umsteigen. Zwei Drittel sagen, dass wegen sinkender Nachfrage Personalabbau nötig wäre – von den circa 15.000 Arbeitsplätzen in Deutschlands Vaping-Branche könnten 10.000 wegfallen.

Warum der Gesetzgeber einschreiten möchte

Das Ministerium begründet das Verbotsvorhaben mit Gesundheitsgefahren. Bei mehreren Stoffen wird vor Leber- und Nierenschäden gewarnt; Sucralose zersetze sich bei Erhitzung zu gesundheitsschädlichen Chlorverbindungen, und bei Menthol drohten etwa Leberveränderungen sowie Apathie.

Bei seiner Einschätzung stützt sich das Ministerium auf das Bundesamt für Risikobewertung (BfR). Dessen Fachleute weisen darauf hin, dass es zu Missverständnissen kommen könnte: Weil es viele mentholhaltige Arzneimittel auf dem Markt gebe, könnten E-Zigaretten-Nutzer fälschlicherweise davon ausgehen, dass Menthol in Liquids ebenfalls gut für die Gesundheit sei.

Debatte über Sinnhaftigkeit der Pläne

Die Regierung bekommt Gegenwind von Suchtforschern: Acht Professoren monierten kürzlich in einem offenen Brief an das Bundesernährungsministerium, dass es für ein Mentholverbot an belastbaren Erkenntnissen fehle. Anstelle eines vorsorglichen Verwendungsverbots solle es weitere Forschungen geben, fordern der Frankfurter Suchtforscher Heino Stöver und andere Fachleute. Sollte das Verbot der 13 Inhaltsstoffe kommen, befürchtet Stöver drastische Folgen: „Das wäre der Tod der E-Zigarette“, sagte er der „Märkischen Oderzeitung“.

Der Bundesdrogenbeauftragte Hendrik Streeck (CDU) verteidigt die Pläne hingegen als „überfälligen Schritt für den Gesundheitsschutz vor allem von Kindern und Jugendlichen“. Kühl- und Süßstoffe überdeckten den bitteren Eigengeschmack des Nikotins und machten den Konsum gerade für junge Menschen leichter zugänglich. „Gerade bei Jugendlichen beobachten wir seit Jahren einen deutlichen Vape-Trend. Süße Aromen, bunte Designs und Social-Media-Inszenierungen tragen dazu bei, dass E-Zigaretten als harmlos wahrgenommen werden.“ Viele junge Menschen würden ohne diese Geschmackswelten zumindest deutlich seltener zum Nikotin greifen.

Streeck sagt, dass der Umstieg auf Vaping für erwachsene Tabakraucher zwar im Einzelfall ein Instrument der Schadensreduktion sein könne. „Dafür braucht es jedoch keine Bonbon- oder Fruchtaromen“, sagt Streeck. „Diese sprechen erkennbar vor allem Neueinsteiger an.“

Aus dem Bundestag wird Unterstützung für die Regierungspläne signalisiert. „Die betroffenen Inhaltsstoffe haben größtenteils einen kühlenden Effekt, damit kann tiefer inhaliert und die Lunge noch stärker geschädigt werden“, sagt die SPD-Bundestagsabgeordnete Svenja Stadler. Die Kritik der Branche hält sie für nicht gerechtfertigt und weist darauf hin, dass das klassische Tabakrauchen trotz steigendem Vaping-Konsums nicht abnehme.

Der Grünen-Abgeordnete Janosch Dahmen ist ebenfalls für das Verbot: „Wer weniger Sucht will, muss die Produkte weniger verführerisch machen – und gleichzeitig Ausstiegshilfen stärken.“ Die Argumentation, dass das Aromaverbot den Umstieg für erwachsene Raucher unattraktiver mache, hält der Grüne für eine „Marketing-Lüge der Industrie“. Der CDU-Abgeordnete Johannes Steiniger wiederum sagt: „Wir brauchen eine praxisgerechte und wissenschaftlich tragfähige Aromenregulierung, die gezielt jugendaffine Produkte adressiert.“

Weniger exzessiver Alkoholkonsum

Der exzessive Alkoholkonsum von Jugendlichen geht einer Studie zufolge weiter zurück. Laut Daten der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) wurden 2024 bundesweit rund 6550 Jugendliche zwischen zwölf und 18 Jahren wegen einer akuten Alkoholvergiftung in einer Klinik behandelt. Wie die KKH am Donnerstag in Hannover mitteilte, entspricht das einem Rückgang von gut 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und einem Minus von 62,5 Prozent im Fünfjahresvergleich.