100 Jahre Lufthansa
: Buch mit Details zur Nazi-Vergangenheit der Fluggesellschaft kommt im März

Anlässlich des großen Firmenjubiläums stellt sich die Fluggesellschaft dem dunkelsten Kapitel ihrer Geschichte. Ein Buch soll die Details offenlegen.
Von
Fiona Peter
Frankfurt
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Neues Logo der Lufthansa Group: 23.12.2025, Hessen, Frankfurt/Main: Vor der Zentrale der Lufthansa Group, dem Lufthansa Aviation Center, flattern mehrere Flaggen mit dem neuen Firmenlogo im Wind. Die Lufthansa Group präsentiert sich von Dezember 2025 mit einem neuen Marken-Design. Ziel der neuen Markenidentität soll es nach eigener Aussage sein, die Stärke der Lufthansa Group sichtbarer zu machen. Foto: Andreas Arnold/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Vor der Zentrale der Lufthansa Group.

Andreas Arnold/dpa
  • Lufthansa stellt NS-Vergangenheit offen – Buch erscheint voraussichtlich Mitte März.
  • Historiker Grieger, Berghoff, Lesczenski beleuchten Verantwortung im NS.
  • Spohr: Lufthansa war „ganz klar“ Teil des Systems; Kurs: Transparenz.
  • Fokus auf Zwangsarbeit; neue Quellen in tschechischen und polnischen Archiven.
  • Ausstellung im neuen Zentrum am Frankfurter Flughafen geplant.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Die Lufthansa war ein Unternehmen des Nationalsozialismus“, stellt Manfred Grieger klar. Er ist Teil eines dreiköpfigen Teams aus Historikern, das die Verantwortung des Konzerns im Nationalsozialismus neu aufrollen und kritisch beleuchten soll.

Die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit ist Teil eines umfassenden Werks über die Firmengeschichte, mit dem das Dreiergespann aus Grieger, Hartmut Berghoff und Jörg Lesczenski von der Lufthansa beauftragt wurde. Anlass war das Jubiläum zum 100-jährigen Bestehen der Firma.

Die Lufthansa sei „ganz klar“ Teil des Systems gewesen, räumt auch Vorstandschef Carsten Spohr ein. Er distanziert sich von vergangenen Versuchen, die Rolle des Unternehmens im Nationalsozialismus totzuschweigen. Der neue Ansatz: Transparenz und offener Umgang – eine Herangehensweise, die in der Belegschaft auf breite Zustimmung stoße.

Neue Forschung zum Einsatz von Zwangsarbeitern

Die Symbiose zwischen der Fluggesellschaft und den Nationalsozialisten fand in verschiedener Form statt. Dazu gehören die geheime Aufrüstung als „heimliche Luftwaffe“, die Integration in die Kriegswirtschaft der Nazis wie auch die umfangreiche Ausbeutung von Zwangsarbeitern in Werkstätten und Rüstungsbetrieben – sowohl in Deutschland als auch im Ausland.

Diese enge Verflechtung mit dem NS-Regime wurde dem Unternehmen nach Kriegsende zum Verhängnis, und die erste Luft Hansa wurde von den Alliierten liquidiert. Das Unternehmen sei „vollständig“ mit dem Regime untergegangen, „an das man sich gekettet hatte“, resümiert Grieger.

Buch und Ausstellung zur Lufthansa

Die 1955 neu entstandene Lufthansa will in ihren Aufarbeitungsbemühungen einen besonderen Fokus auf den Einsatz von Zwangsarbeitern legen. Nach Angaben des Unternehmens seien neue Quellen in tschechischen und polnischen Archiven aufgetaucht, die nähere Informationen über die Schicksale der Opfer liefern würden. An der entsprechenden Studie soll Manfred Grieger beteiligt sein.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Fluggesellschaft in ihrer eigenen Vergangenheit graben lässt. Vor mehr als 25 Jahren forschte der Luftfahrthistoriker Lutz Budraß bereits im Auftrag der Lufthansa. Die Ergebnisse wurden der Öffentlichkeit erst viele Jahre später, zum 90. Jahrestag der Lufthansa 2016, zugänglich gemacht – nicht als eigenständiges Werk, sondern als Anhang zu einer anderen Veröffentlichung. Budraß beschloss, die Sache selbst in die Hand zu nehmen und publizierte seine Ergebnisse 2016 in Form eines eigenen Buches namens „Adler und Kranich - Die Lufthansa und ihre Geschichte 1926-1955“.

Der neue, rund 400 Seiten lange Geschichtsband mit dem Titel „Lufthansa – die ersten 100 Jahre“ erscheint voraussichtlich Mitte März. Die Entwicklung der Firma in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft wird darüber hinaus auch in einer Ausstellung im neuen Konferenz- und Besucherzentrum am Frankfurter Flughaften aufgegriffen.

Mit Material von dpa.