Nach Antisemitismus-Vorwürfen
: RTL entfernt kontroverse Folge der „Stefan Raab Show“

Äußerungen von Raab über den „Dschungelcamp“-Kandidaten Gil Ofarim haben für Empörung gesorgt. Nun hat RTL den Beitrag gelöscht, spricht jedoch von „Missverständnissen“.
Von
Fiona Peter
Köln
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Stefan Raab

Stefan Raab hat sich zu den Antisemitismus-Anschuldigungen gegen ihn bislang nicht öffentlich geäußert.

Jens Büttner/dpa
  • RTL löscht Folge der „Stefan Raab Show“ nach Antisemitismus-Vorwürfen.
  • Anlass: Raab nannte Gil Ofarim ein „Betrüger-Gen“ nach Skandal um 2021/2023.
  • Ausstrahlung am 27. Januar 2026, dem Internationalen Holocaust-Gedenktag.
  • „Jüdische Allgemeine“ kritisiert antisemitische Stereotype, u. a. „Geld oder Gil“.
  • RTL spricht von „Missverständnissen“, weist Antisemitismus zurück, prüft sensibler.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Antisemitismus auf RTL: Das ist der Vorwurf, mit dem sich der Fernsehsender aktuell konfrontiert sieht. Anlass sind Aussagen von Stefan Raab in einer Folge seiner gleichnamigen Show, die am 27. Januar 2026 – dem Internationalen Holocaust-Gedenktag – ausgestrahlt wurde.

Darin unterstellte der TV-Unterhalter dem jüdischen Sänger und „Dschungelcamp“-Kandidaten Gil Ofarim, ein „Betrüger-Gen“ zu besitzen – weshalb Raab und der Sender ins Kreuzfeuer von Kritik gerieten.

Ofarim sah sich vor wenigen Jahren selbst im Mittelpunkt eines Skandals. Im Oktober 2021 hatte er in einem Instagram-Video schwere Antisemitismusvorwürfe gegen den Angestellten eines Hotels in Leipzig erhoben. 2023 musste er sich deshalb wegen des Vorwurfs der Verleumdung und falscher Verdächtigung vor Gericht verantworten. Ofarim legte überraschend ein Geständnis ab, und das Verfahren wurde eingestellt – für Stefan Raab allen Anschein nach Grund genug, verbal noch mal gegen den 43-Jährigen nachzutreten.

Antisemitischer Subtext im Einspieler

Es war nicht der einzige fragwürdige Inhalt in Raabs Nachklapp zum „Dschungelcamp“. Während der Vorstellung Ofarims brachte der Moderator zunächst dessen 2018 verstorbenen Vater, Sänger Abi Ofarim, zur Sprache. Dieser habe, so behauptete Raab, „in Wirklichkeit kein Abi“ gehabt.

Zu dem im Anschluss gezeigten Video eines Mannes mit orientalischem Aussehen, der auf einem Markt Äpfel in seinem Einkaufstrolley verschwinden lässt, kommentierte Raab: „Das bringt uns zum Betrüger-Gen von Gil, das er seinem Onkel Samuel zu verdanken hat.“ Der „Bild“-Zeitung zufolge existiert dieser Onkel Samuel nicht.

Der „Dschungelcamp“-Teilnehmer sei, so Raab, „trotz des großen Skandals“ ein „Ausnahmetalent“. Vor allem in der jüdischen Gemeinde lande er „einen Hit nach dem anderen“. Dazu eingeblendet wurden Bilder von ultraorthodoxen Männern, die zu Ofarims Musik tanzen.

„Jüdische Allgemeine“ prangert die Sendung an

Scharfe Kritik an Raabs Äußerungen hagelte es vor allem von der Zeitung „Jüdische Allgemeine“. Das Blatt warf dem Sender unter anderem vor, „antisemitische Ressentiments befeuert“ zu haben. So sei die Unterstellung, „Jüdinnen und Juden wären per se betrügerisch oder betrügerischer als andere Menschen“ ebenso ein geläufiges antisemitisches Narrativ wie das „Negativbild vom geldgierigen Juden“.

Ein Gewinnspiel mit dem Titel „Geld oder Gil“, das Raab in seine Show integrierte, verstand die Zeitung ebenfalls als Anspielung auf derartige antisemitische Stereotypen.

RTL reagiert auf die Anschuldigungen

RTL streitet die Vorwürfe ab. „Wir nehmen die Kritik an dem Einspieler […] sehr ernst und ordnen ihn klar ein“, beteuerte der Sender auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur. Es handle sich bei dem Beitrag um eine „humoristisch überspitzte“ Darstellung der „Person Gil Ofarim und seinem öffentlichen Auftreten im Kontext der bekannten Betrugsvorwürfe“. Des Weiteren betonte RTL, man habe den Zuschauenden nicht nur Gil Ofarim, sondern alle Dschungelcamp-Teilnehmenden, „satirisch nähergebracht“.

„RTL weist jede Form von Antisemitismus entschieden zurück“, heißt es im Statement des Senders weiter. Zugleich sehe man ein, dass es durch den Einspieler zu Missverständnissen habe kommen können.

In der Zwischenzeit hat RTL hat den Beitrag von seiner hauseigenen Streamingplattform entfernt  – und versichert, Inhalte in Zukunft „noch sensibler“ auf ihre mögliche Deutung zu prüfen.

Hinweis: mit Inhalten der dpa