Leiche in der Donau
: Wer kennt diesen Jungen? Interpol weitet Ermittlungen zu totem Kind aus

Rätsel um Kinderleiche in der Donau: Im Mai 2022 entdeckte ein Kanufahrer bei Großmehring den toten Jungen. Jetzt sucht Interpol weltweit nach Hinweisen.
Von
Sven Kaufmann
Lyon/Großmehring
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Am 19.05.2022 wurde in der Donau bei Großmehring nahe Ingolstadt die Leiche eines Kindes entdeckt. Das Aussehen des Jungen wurde rekonstruiert. Die Leiche war mit einem Stein beschwert. Polizei, BKA und später auch Interpol ermitteln seither.

dpa/bka/Interpol

Der Fund am 19. Mai 2022 war schrecklich: Ein Kanufahrer hatte an jenem Donnerstag an einer Staustufe bei Vohburg an der Donau (Landkreis Pfaffenhofen) bei Großmehring etwas in der Donau treiben sehen und mithilfe seines Paddels an Land gebracht. Es handelte sich um eine stark verweste Leiche eines Kindes. Der Junge, dessen genaue Todesursache unklar ist, war in Plastik eingewickelt und mit einem Pflasterstein im Fluss versenkt worden. Es wird vermutet, dass der Junge umgebracht wurde. Bis heute ist die Identität nicht geklärt.

Einsatzkräfte der Polizei im Uferbereich der Donau bei Großmehring. Einige Kilometer flussabwärts wurde am 19.05.2022 eine Kinderleiche aus dem Fluss geborgen.

Friedrich/vifogra/dpa

Beschreibung der Leiche: Wer ist das tote Kind?

Was ist bisher über ihn bekannt? Die Ermittler gehen davon aus, dass der Junge zum Zeitpunkt seines Todes

  • zwischen fünf und sechs Jahre alt,
  • etwa 1,10 Meter groß war und
  • rund 15 Kilogramm gewogen hatte
  • Er hatte braune Haare.
  • Seine Blutgruppe war 0.

Nach bisherigen Ermittlungen habe er wahrscheinlich Zeit außerhalb Deutschlands verbracht.

Ermittler haben zusammen mit dem Bundeskriminalamt in ganz Deutschland auf solchen Informationsbildschirmen das rekonstruierte Bild des toten Jungen aus der Donau veröffentlicht und um Hinweise gebeten. Jetzt wird auch per Interpol nach Hinweisen gesucht.

Peter Kneffel, dpa

Kinderleiche: Interpol weitet Suche nach totem Jungen von Großmehring aus

Trotz einer Suche durch das Bundeskriminalamt unter anderem mit Anzeigen auf Infobildschirmen und einem Beitrag in der ZDF–Fernsehsendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ hatten die Ermittler auch mehr als ein Jahr nach dem Fund der Leiche keinen Durchbruch vermelden können.

Die internationale Polizeibehörde Interpol weitet nun die Ermittlungen zu dem toten Jungen in der Donau aus. Auf Anfrage der deutschen Behörden sei ein Aufruf („Black Notice“) an die 195 Interpol–Mitgliedsstaaten verschickt worden, um Informationen zur Identifizierung des toten Jungen zu bekommen, berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Dabei wurde erneut auch eine Rekonstruktion des Gesichts des Jungen versendet, die im Herbst 2022 erstellt worden war.

Gewalttat, Menschenhandel oder Entführung?

„Black Notices“ (schwarze Notizen) sind internationale Warnungen, die dazu dienen, Informationen und Erkenntnisse über nicht identifizierte Leichen zu sammeln.

Man werde alle Kapazitäten der Behörde einsetzen, um den Jungen zu identifizieren, „egal ob er ein Opfer von Menschenhandel, einer Entführung oder einer Gewalttat war“, sagte Interpol–Generalsekretär Jürgen Stock. Wer glaube, dass der Junge ein Mitglied seiner Familie gewesen sein könne, könne über nationale Polizeibehörden und Interpol mit einem neuen Tool einen DNA–Verwandtschaftsabgleich vornehmen lassen.

Wer Angaben zu dem Fall machen kann, sollte sich bei Interpol melden, das ist über ein Kontaktformular möglich.