Ende des ZDF Magazin Royale: Intendant über Böhmermanns Show - „Das hat sich jetzt abgeschliffen“

Jan Böhmermann beendet auf eigenen Wunsch das ZDF Magazin Royale.
picture alliance/dpa, Boris RoesslerDas Ende des „ZDF Magazin Royale“ rückt näher. Am 18. Dezember soll die Satiresendung mit Jan Böhmermann zum letzten Mal im ZDF laufen. Nun hat sich ZDF-Intendant Norbert Himmler kritisch zur Entwicklung des Formats geäußert. Er lobte zwar die früheren Erfolge des Satirikers, bemängelte aber, dass sich die Sendung zuletzt verändert habe. Auch den Umgang mit einzelnen Personen sieht Himmler kritisch.
Im Gespräch mit „Die Zeit“ fand der ZDF-Chef deutliche Worte für die Entwicklung der Sendung. „Er hat grandiose Sendungen geliefert, die mit dem Grimme- und dem Fernsehpreis dekoriert wurden“, sagte Himmler über Jan Böhmermann. Zugleich schränkte er ein: „Das hat sich jetzt abgeschliffen und ist vielleicht am Ende zu fanatisch geworden.“
Damit stellt der Intendant nicht nur die Entwicklung des Formats infrage, sondern äußert auch Kritik an der Art, wie Böhmermann und sein Team ihre satirischen Themen behandeln.
ZDF-Chef kritisiert Umgang mit Imker
Besonders kritisch äußerte sich Norbert Himmler über einen Beitrag aus dem Jahr 2023. Damals hatte Jan Böhmermann in seinem „ZDF Magazin Royale“ einem sächsischen Imker sogenanntes „Beewashing“ vorgeworfen. Gemeint ist damit die Vermarktung von Bienenpatenschaften als vermeintlicher Beitrag zum Umweltschutz.
Der betroffene Imker reagierte auf seine Weise: Er nutzte Böhmermanns Namen und Bild satirisch für die Werbung für seinen eigenen Honig. Es folgte ein Rechtsstreit, den der Imker für sich entscheiden konnte.
Für Himmler ist der Fall ein Beispiel dafür, wo Satire Grenzen haben sollte. „Sich auf einen Bienenzüchter zu stürzen, ihn quasi zum Hauptgegenstand einer Sendung zu machen – das halte ich für unverhältnismäßig“, erklärte der ZDF-Intendant. Satire solle sich seiner Ansicht nach vor allem mit Menschen beschäftigen, die Verantwortung tragen, oder Missstände aufdecken. Seine Einschränkung: „Es darf aber nicht unfair sein.“
Die Aussagen zeigen, dass Himmler zwar die Bedeutung von Satire grundsätzlich anerkennt, zugleich aber eine kritische Grenze zieht, wenn sich die öffentliche Aufmerksamkeit auf einzelne Personen richtet.
„ZDF Magazin Royale“ endet auf Wunsch von Jan Böhmermann
Die letzte Ausgabe des „ZDF Magazin Royale“ soll am 18. Dezember ausgestrahlt werden. Nach mehr als sechs Jahren endet damit die Sendung, die Jan Böhmermann seit 2020 im ZDF präsentiert. Bereits im September hatte der Satiriker erklärt, dass die Entscheidung, das Format zu beenden, von ihm selbst ausgegangen sei.
Das bestätigte Norbert Himmler nun gegenüber der „Zeit“. Der Sender und Böhmermann hätten in den vergangenen Jahren intensiv darüber diskutiert, wie sich die Sendung weiterentwickeln könne und welche Rolle das Format künftig spielen solle. „Er hat den Schlussstrich aus Eigeninitiative gezogen“, sagte der ZDF-Intendant.
Böhmermann wolle sich neu erfinden. Gleichzeitig sei beiden Seiten bewusst, welche Reaktionen das „ZDF Magazin Royale“ über die Jahre ausgelöst habe – sowohl positive als auch negative. Die kritischen Äußerungen Himmlers lassen erkennen, dass die Bilanz der Sendung innerhalb des Senders durchaus differenziert ausfällt.
Hatte der ZDF-Intendant Tränen in den Augen?
Für Aufmerksamkeit sorgte zuletzt auch eine persönliche Anekdote über das Ende der Sendung. In seinem Podcast „Fest & Flauschig“ hatte Jan Böhmermann erzählt, dass Norbert Himmler auf die Nachricht vom Aus der Show mit Tränen in den Augen reagiert habe.
Im Gespräch mit der „Zeit“ wurde der ZDF-Chef darauf angesprochen. Seine Antwort fiel mit einem Augenzwinkern aus: „Ja, ich stelle mir heute noch die Frage, ob das Erleichterungs- und Freudentränen waren – oder Tränen der Trauer.“
Ob bei dieser Bemerkung eher Wehmut oder Erleichterung mitschwingt, ließ Himmler offen. Fest steht: Das Ende des „ZDF Magazin Royale“ markiert einen Einschnitt für das ZDF und für Jan Böhmermann. Welche Projekte der Satiriker nach dem Abschied von seiner Sendung verfolgen wird, bleibt abzuwarten.
Quellen: dpa, Die Zeit
