AWZ-Erfinder zum 20. Jubiläum: Idee zur Seifenoper kam ihm an einem ungewöhnlichen Ort

Guido Reinhardt (Produzent UFA)
RTLSeit 20 Jahren gehört „Alles was zählt“ zu den erfolgreichsten Daily-Soaps im deutschen Fernsehen. Doch wie entstand die Idee zu der Serie eigentlich? Zum Jubiläum verrät Erfinder und Produzent Guido Reinhardt von UFA Serial Drama im Interview mit RTL ein erstaunliches Detail: Die Idee für AWZ kam ihm ausgerechnet beim Wandern in den Schweizer Alpen.
Auf 2.500 Höhenmetern wurde „Alles was zählt“ geboren
Es war eine Wanderung, die den Grundstein für eine der bekanntesten deutschen Daily-Soaps legen sollte. Vor 20 Jahren war Guido Reinhardt in den Schweizer Alpen unterwegs. Dabei beschäftigte ihn ein konkreter Auftrag: Er sollte eine neue Serie entwickeln, die stark genug sein würde, um gegen den damaligen Telenovela-Hit „Verliebt in Berlin“ anzutreten.
Und plötzlich war die entscheidende Idee da.
„Die Idee kam mir tatsächlich beim Bergwandern in den Schweizer Alpen“, erzählt Reinhardt im RTL-Interview.
Auf rund 2.500 Höhenmetern formte sich in seinem Kopf schließlich der Gedanke, aus dem später „Alles was zählt“ entstehen sollte.
Reinhardt fragte sich: „Was passiert, wenn Menschen Höchstleistungen erbringen wollen, weil es ihr Traum ist... und dabei auch scheitern – im Sport, im Beruf und privat?“
Genau dieser Gedanke sollte später die DNA von „Alles was zählt“ prägen. Es geht um Menschen mit großen Träumen, die für ihre Ziele kämpfen, dabei Erfolge feiern, aber auch immer wieder scheitern.
Warum Eiskunstlauf perfekt zu AWZ passte
Für Reinhardt bot der Eiskunstlauf dafür die perfekte Bühne. Die Sportart verbindet Leistung, Ehrgeiz und Emotion – und liefert gleichzeitig spektakuläre Bilder.
„Durch die tänzerischen Elemente, die Musik, aber auch das brutale Scheitern, wenn du stürzt, entsteht visuell sofort eine starke Emotion“, erklärt der AWZ-Erfinder.
Als Inspiration dienten unter anderem große Tanz- und Musikfilmklassiker wie „Dirty Dancing“, „Flashdance“ und „Fame“.
Aus der Idee, die Reinhardt während seiner Wanderung entwickelte, wurde schließlich eine neue RTL-Serie.
„Aus dieser Idee, die sich in 2.500 Höhenmetern in etwa so in meinem Kopf formte, ist ‚Alles was zählt‘ entstanden“, blickt er zurück.
Danach ging es schnell. Gemeinsam mit einem kleinen Autorenteam entstanden Figuren und Schauplätze, die für AWZ bis heute prägend sind: Richard und Simone Steinkamp, die Öztürks, Diana sowie Ingo und Annette. Auch das Steinkamp-Zentrum, der Wohnblock, die „Pommes-Schranke“ und natürlich die Eishalle wurden zu festen Bestandteilen der Serienwelt.
Nach 20 Jahren soll sich AWZ weiter verändern
Doch wie schafft es eine Daily-Soap, nach zwei Jahrzehnten nicht altbacken zu wirken? Für Guido Reinhardt liegt die Antwort auf der Hand: Die Serie darf niemals stehen bleiben.
„Zuschauer verzeihen vieles – Stillstand verzeihen sie nicht“, sagt der Produzent.
Deshalb müsse sich „Alles was zählt“ auch nach 20 Jahren weiterentwickeln. Das betrifft nicht nur die Geschichten selbst, sondern auch die Art und Weise, wie Zuschauer die Serie konsumieren.
Reinhardt sieht die Zukunft von AWZ deshalb längst nicht mehr ausschließlich im klassischen Fernsehen. Daily Drama, Social Media und neue digitale Formate könnten seiner Meinung nach noch stärker miteinander verbunden werden.
„Die Serie endet nicht mehr mit dem Abspann einer Folge“, sagt er.
Diese Zukunft hat der AWZ-Erfinder vor Augen
Denkbar sind unter anderem Spin-offs, kurze digitale Formate, Vertical-Content und zusätzliche Geschichten rund um einzelne Figuren. Auf diese Weise könnte „Alles was zählt“ auch Zuschauer erreichen, die klassische Daily-Soaps bislang vielleicht gar nicht regelmäßig im Fernsehen verfolgen.
Gerade für jüngere Fans könnten solche zusätzlichen Inhalte interessant sein.
Auch bei den Themen will Reinhardt neue Wege gehen. Mentale Gesundheit, Patchwork-Familien, Identität, Einsamkeit und die Auswirkungen sozialer Medien könnten künftig noch stärker in den Geschichten auftauchen.
Dabei hat der Produzent sogar ein Szenario im Kopf, das ausgesprochen modern klingt: „Was, wenn ein geliebter Mensch sich zurückzieht, weil er mehr einem ChatBot vertraut als seinen wahren Freund?“
Guido Reinhardt glaubt nicht, dass AWZ die Geschichten ausgehen
Nach 20 Jahren könnte man meinen, dass irgendwann jede Liebesgeschichte erzählt und jeder dramatische Konflikt durchgespielt ist. Doch genau daran glaubt Guido Reinhardt nicht.
Seine Erklärung dafür ist ebenso einfach wie treffend: „Geschichten wiederholen sich – Menschen nicht.“
Liebe, Verrat, Hoffnung und Verlust seien zeitlose Themen. Doch jede Generation erlebe diese Gefühle auf ihre eigene Weise.
Und genau darin sieht Reinhardt auch nach zwei Jahrzehnten die Aufgabe von „Alles was zählt“: Die großen menschlichen Geschichten immer wieder neu zu erzählen – und die Zuschauer dabei möglichst zu überraschen.
Für Fans dürfte deshalb vor allem eines eine gute Nachricht sein: Nach 20 Jahren ist für den AWZ-Erfinder noch lange nicht Schluss.
„Hier ist MUT alles, was zählt“, lautet Reinhardts Motto für die Zukunft der Serie.

