Normalerweise ermitteln sie zwischen den Bankentürmen von Frankfurt, doch diesmal verschlägt es das hessische „Tatort“-Duo Anna Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch) nach Kassel. Oder nach „Hessisch Sibirien“, wie es ihre Freundin Fanny (Zazie de Paris) nennt, die den beiden vorsorglich zwei Regenschirme mitgibt.

„Tatort“: Das passiert im Frankfurt-Krimi

Ab nach Kassel heißt es also im „Tatort: Das Monster von Kassel“ am Sonntag, 12. Mai um 20:15 Uhr im Ersten für Janneke und Brix, denn von dort stammt das junge Opfer eines grausigen Mordes: Der 17-jährige Luke Rohde wurde getötet und von seinem Mörder zerstückelt, der Zuschauer wird zu Beginn des psychologisch ausgefeilten Krimis Zeuge dieser Nacht-und-Nebel-Aktion und weiß deshalb von Anfang an, wer der Täter ist: Maarten Jansen, der Stiefvater des Jungen und ein berühmter Talkmoderator, diabolisch verkörpert von dem Niederländer Barry Atsma, der schon in der tollen Serie „Bad Banks“ als Mann ohne Skrupel überzeugte.

Warum aber hat der aalglatte Fernsehstar, der das Publikum und seine Talkgäste in seiner Show mit einfühlsamen Fragen betört, in Wirklichkeit aber ein eiskalter Schuft ist, seinen Stiefsohn getötet? Und vor allem: Wird er damit durchkommen? Anfangs läuft es ganz gut für den mit allen Wassern gewaschenen Moderator, der bei der Befragung durch Kommissarin Janneke den Spieß gerne mal umdreht und das Gespräch selber in die Hand nimmt – gelernt ist halt gelernt. Jansen gelingt es, den Popanz vom „Monster von Kassel“ aufzubauen, einem Serienkiller, der auch schon in anderen Städten zugeschlagen hat und jetzt eben auch nach Nordhessen gekommen ist.

„Das Monster von Kassel“: Täter mit zwei Gesichtern

Dabei zieht der Kommunikationsprofi alle Register und nutzt seine eigene Talkshow, um die Mär zu verbreiten – bei dieser Gelegenheit gelingt Regisseur Umut Dag auch die schönste Einstellung dieses Krimis, wenn sich Jansen scheinbar von seinen Gefühlen überwältigt vom Millionenpublikum an den Bildschirmen wegdreht und nur den Zuschauern des „Tatorts“ sein wahres, triumphierendes Gesicht zeigt – eine eiskalte Fratze des Todes, die ihn als das wahre Monster von Kassel ausweist. Doch natürlich hat Jansen, auf dessen Täuschungsmanöver auch seine Frau Kirsten (Stephanie Eidt) und sein anderer Stiefsohn hereinfallen, die Rechnung ohne die einfühlsame Anna Janneke gemacht, die schon bald merkt, dass mit diesem Blender etwas ganz und gar nicht stimmt. Dazu kommt, dass sich ihr Kollege Paul Brix in diesem „Tatort“ als begnadeter Fährtenleser und Spurensucher fast wie in einem Karl-May-Roman bewährt, und auch die Kasseler Kollegin Constanze Lauritzen (Christina Große) gut mitarbeitet. Sollte die „Tatort“-Reihe je einmal einen Ableger in Hessisch Sibirien bekommen, wäre sie sicher die erste Wahl für den Ermittlerjob.

Lohnt sich das Einschalten?

Unser Fazit zum „Tatort“ aus Frankfurt: Kann man nichts falsch machen.
© Foto: Collage

Der neue „Tatort“ des Frankfurter Ermittlerteams bietet abgesehen von den ersten Minuten nur wenig Action und bezieht seinen Thrill vor allem aus der unterschwelligen Spannung, die sich zwischen dem selbstverliebten Mörder und der von ihm gnadenlos unterschätzten Kommissarin aufbaut. Warum Jansen getan hat, was er getan hat, erfährt der Zuschauer gegen Ende dieses gelungenen Krimis – und es hat ironischerweise etwas mit einer aktuellen Debatte zu tun, auf die sich seit eineinhalb Jahren vor allem viele TV-Talkshows immer wieder stürzen.

Die Bewertung:

1 Pistole: Lieber nochmal mit dem Hund raus.
2 Pistolen: Puh! Eher was für echte Fans.
3 Pistolen: Kann man nichts falsch machen.
4 Pistolen: Gucken! Spricht am Montag jeder drüber.

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