Umstrittene TV-Show
: Rasmus Wallbridge glaubte an großen Traum - doch alles war gelogen

Monatelang wurde Rasmus Wallbridge der Traum vorgegaukelt vom eigenen Film vorgegaukelt. , Tatsächlich war alles ein Streich.
Von
Katrin Jokic
Kopenhagen
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Skandal um Fernsehformat in Dänemark: Dänische Zeitungen liegen ausgebreitet auf einem Tisch. Die dänischen Zeitungen beschäftigt ein Skandal um das Fernsehformat "Alle elsker Rasmus" ("Alle lieben Rasmus") des Senders TV2. Dafür hatten Freunde, Bekannte, Kollegen und Prominenten den Schauspieler und Komiker Rasmus Wallbridge fälschlicherweise vier Monate lang glauben lassen, sein großer Traum von einem eigenen Spielfilm ginge in Erfüllung. Den Prank enthüllten sie erst in der letzten Folge. Der Sender TV2 hat das Format inzwischen zurückgezogen. (zu dpa: «Fieser TV-Streich in Dänemark: Komiker monatelang vorgeführt»)

Skandal um Fernsehformat in Dänemark: Die dänischen Zeitungen beschäftigt ein Skandal um das Fernsehformat "Alle elsker Rasmus" ("Alle lieben Rasmus") des Senders TV2. Dafür hatten Freunde, Bekannte, Kollegen und Prominenten den Schauspieler und Komiker Rasmus Wallbridge fälschlicherweise vier Monate lang glauben lassen, sein großer Traum von einem eigenen Spielfilm ginge in Erfüllung. Den Prank enthüllten sie erst in der letzten Folge. Der Sender TV2 hat das Format inzwischen zurückgezogen.

Julia Wäschenbach/dpa

Vier Monate lang wurde dem dänischen Komiker Rasmus Wallbridge vorgegaukelt, dass er seinen großen Traum von einem eigenen Kinofilm verwirklichen könne. Tatsächlich war alles Teil einer aufwendigen TV-Inszenierung. Nach massiver Kritik hat der dänische Sender TV 2 die Show nun aus dem Programm genommen und sich öffentlich entschuldigt. Auch Wallbridge selbst hat sich inzwischen zu Wort gemeldet.

149 Menschen waren eingeweiht, darunter enge Freunde, prominente Kollegen und sogar sein bester Freund Martin Johannes Larsen. Nur einer wusste von nichts: der dänische Komiker Rasmus Wallbridge.

Vier Monate lang glaubte er, an seinem ersten eigenen Spielfilm zu arbeiten. Für den Comedian sollte damit ein großer Traum in Erfüllung gehen. Doch in Wahrheit existierte das Filmprojekt nicht. Stattdessen war Wallbridge unwissentlich die Hauptfigur der versteckten Kamera-Show „Alle elsker Rasmus“ („Alle lieben Rasmus“), die der dänische Sender TV 2 gemeinsam mit der Produktionsfirma Drive Studios produzierte.

Was als außergewöhnliches Unterhaltungsexperiment gedacht war, entwickelte sich nach der Ausstrahlung zu einem handfesten Skandal.

Vorwürfe wegen psychischer Manipulation

Kurz nach der Premiere wurde die Sendung in Dänemark massiv kritisiert. Zuschauer und Branchenvertreter warfen den Verantwortlichen vor, Wallbridge über Monate hinweg gezielt manipuliert und seine persönlichen Hoffnungen für Unterhaltungszwecke ausgenutzt zu haben.

In der öffentlichen Debatte fiel dabei auch der Begriff „Gaslighting“. Damit wird eine Form psychischer Manipulation bezeichnet, bei der Menschen systematisch dazu gebracht werden, an ihrer eigenen Wahrnehmung zu zweifeln.

Während der Dreharbeiten wurde Wallbridge immer wieder mit absurden Situationen konfrontiert, die teilweise mit versteckten Kameras aufgezeichnet wurden. An der Inszenierung beteiligten sich neben seinem Freund Martin Johannes Larsen auch bekannte dänische Persönlichkeiten wie Casper Christensen, Schauspieler Anders W. Berthelsen und Musiker Malte Ebert.

Besonders kritisch wurde gesehen, dass Wallbridge nach der Auflösung des Scherzes zwar einer Veröffentlichung der Aufnahmen zustimmte, dabei aber möglicherweise unter erheblichem Druck stand. Kritiker bezweifelten, dass er angesichts der Beteiligung von 149 Personen und der möglichen beruflichen Konsequenzen tatsächlich frei entscheiden konnte.

TV 2 verteidigte die Sendung zunächst

Der Sender wies die Vorwürfe anfangs zurück. Man habe Wallbridge keineswegs bloßstellen oder herabwürdigen wollen, erklärte der zuständige Redakteur Mads Elias Højbjerg Ravn gegenüber dänischen Medien.

Vielmehr habe die Sendung zeigen sollen, wie absurd sich die Unterhaltungsbranche verhalten könne. Wallbridge selbst sei dabei derjenige gewesen, der sich normal verhalten habe.

TV 2 betonte außerdem, dass der Komiker nach der Auflösung des Scherzes freiwillig an der weiteren Produktion mitgewirkt habe. Er sei unter anderem in den Schnitt eingebunden gewesen und habe die fertigen Folgen freigegeben.

Doch diese Argumentation überzeugte die Kritiker nicht.

Wallbridge widerspricht Darstellung über Kinofilm

Für zusätzliche Diskussionen sorgte die Behauptung, dass Wallbridge nach dem Ende der Dreharbeiten doch noch die Chance auf einen echten Spielfilm erhalten habe.

Im Abspann der Sendung hieß es, Nordisk Film werde gemeinsam mit Wallbridge und Martin Johannes Larsen einen Film entwickeln. Auch TV 2 bestätigte, dass eine entsprechende Vereinbarung während der Produktion entstanden sei.

Wallbridge stellte diese Darstellung jedoch in einem ausführlichen Instagram-Statement richtig.

„Weder mein Manager noch meine Freundin oder andere mir nahestehende Personen wussten während der Dreharbeiten von der Produktion“, erklärte er sinngemäß. Alle hätten ebenso wie er geglaubt, dass tatsächlich ein Spielfilm für Nordisk Film entstehe.

Auch die vermeintliche neue Filmzusage relativierte er deutlich. Erst nach der Auflösung des Scherzes habe er erfahren, dass Nordisk Film ihm und Larsen die Möglichkeit einer Entwicklungsvereinbarung anbieten wolle.

Das bedeute keineswegs, dass die Produktion eines Films bereits genehmigt worden sei.

„Da gibt es einen großen Unterschied“, stellte Wallbridge klar. Aus naheliegenden Gründen habe er sich entschieden, diese Zusammenarbeit nicht weiterzuverfolgen.

Komiker fordert, solche Formate nicht zu wiederholen

In seinem Statement ging Wallbridge auch auf die öffentlichen Äußerungen der TV-2-Verantwortlichen ein.

Programmdirektorin Dorthe Thirstrup hatte gegenüber der Zeitung „Politiken“ zunächst erklärt, sie könne nicht ausschließen, dass der Sender künftig ähnliche Unterhaltungskonzepte produzieren werde.

Wallbridge reagierte darauf mit deutlichen Worten. Er könne TV 2 nur nachdrücklich davon abraten, jemals wieder ein vergleichbares Format umzusetzen.

Zudem widersprach er der Einschätzung einer Senderverantwortlichen, die nicht ausschließen wollte, dass er selbst TV 2 mit der Aktion einen Streich gespielt haben könnte.

„Das habe ich nicht getan“, stellte der Komiker klar.

Gleichzeitig erklärte er, dass er die Diskussion derzeit nicht weiter öffentlich führen könne. In Absprache mit seinem engsten Umfeld habe er beschlossen, sich auf die Arbeit an seiner kommenden Show zu konzentrieren.

Für die zahlreichen aufmunternden Nachrichten, die ihn erreicht hätten, bedankte er sich ausdrücklich.

Sender zieht Konsequenzen und entschuldigt sich

Nur fünf Tage nach der Premiere zog TV 2 schließlich die Konsequenzen. Der Sender entfernte „Alle elsker Rasmus“ von seiner Streamingplattform TV 2 Play und stellte die weitere Ausstrahlung ein.

Programmdirektorin Dorthe Thirstrup räumte in einer öffentlichen Stellungnahme schwere Fehler ein.

Ihre eigene Urteilskraft habe in diesem Fall versagt. Man hätte bereits viel früher erkennen müssen, dass die Sendung in dieser Form nicht hätte produziert werden dürfen.

Besonders bemerkenswert ist der Sinneswandel des Senders bei der Frage nach Wallbridges Einwilligung. Während TV 2 zunächst dessen freiwillige Mitwirkung nach der Auflösung betont hatte, räumte Thirstrup nun ein, dass der Komiker nicht in eine faire Situation gebracht worden sei.

Das gelte sowohl für die Monate der Dreharbeiten als auch für den Zeitpunkt, an dem er entscheiden musste, ob er hinter der Veröffentlichung stehen könne.

„So wollen wir künftig nicht arbeiten“, erklärte die Programmdirektorin sinngemäß.

Wallbridges Manager Jakob Riis begrüßte die Entscheidung. Man wisse es zu schätzen, dass die Sendungen entfernt worden seien, teilte er TV 2 mit.

Auch mehrere Beteiligte meldeten sich mit Entschuldigungen zu Wort. Unter anderem entschuldigten sich Martin Johannes Larsen und Musiker Malte Ebert öffentlich bei dem Komiker.

Kritik erreicht auch die Politik

Der Fall hat inzwischen auch die dänische Politik beschäftigt. Kulturministerin Zenia Stampe begrüßte die Entscheidung des Senders, das Format aus dem Programm zu nehmen.

Sie äußerte die Hoffnung, dass TV 2 Wallbridge nun dabei unterstützen werde, die Folgen des Experiments zu verarbeiten. Außerdem forderte sie, seiner Bitte nachzukommen, solche Produktionen künftig nicht mehr umzusetzen.

Der Fall wirft grundsätzliche Fragen darüber auf, wie weit Unterhaltung auf Kosten eines unwissenden Menschen gehen darf. Gerade weil Wallbridge nach der Auflösung selbst an der Fertigstellung beteiligt war, steht auch die Frage im Raum, unter welchen Bedingungen eine nachträgliche Einwilligung tatsächlich freiwillig sein kann.

Für Wallbridge selbst scheint derzeit vor allem eines im Vordergrund zu stehen: Abstand von der öffentlichen Debatte zu gewinnen und sich wieder auf seine eigene Arbeit konzentrieren zu können.