Er ist der gemütvolle Problembär unter den Sonntagsermittlern: Der ewig unrasierte Sascha Bukow (Charly Hübner) mit dem überschießenden Temperament und dem gleichzeitigen Hang zur existenziellen Schwermut. Seit ihn seine Frau ausgerechnet für einen Kollegen verlassen hat, ist Bukow neben der Spur und neigt im Job zu riskanter Eigenmächtigkeit. Als im Krimi „Polizeiruf 110: Kindeswohl“ am 7. April um 20:15 Uhr im Ersten sein Sohn gemeinsam mit dem verhaltensauffälligen Heimzögling Keno verschwindet und die zwei unter Mordverdacht geraten, nimmt der Rostocker Kommissar die Dinge mal wieder spontan selbst in die Hand. Gemeinsam mit der Kollegin Katrin König (Anneke Kim Sarnau) macht sich der mürrische Ermittler auf die Suche nach den beiden, die ihn bis nach Polen führt.

Das passiert im „Polizeiruf 110: Kindeswohl“

In dem von Regisseur Lars Jessen als trostloses Wintermärchen inszenierten Film geschieht zwar zu Beginn ein Mord, wie sich das für einen Krimi gehört: Der hyperaggressive Heimzögling Keno (Junis Marlon) erschießt den Leiter der privaten Wohngruppe, wo er vom Jugendamt untergebracht wurde, weil der gute Mann ihn am Abhauen hindern wollte. Doch davon abgesehen hat dieser „Polizeiruf“ aus dem hohen Norden relativ wenig mit einem klassischen Krimi zu tun, sondern fällt vielmehr unter die Kategorie TV-Drama mit gesellschaftspolitischem Hintergrund.

Kein Krimi, eher TV-Drama

Es geht darum, dass deutsche Jugendämter schwer erziehbare Jugendliche immer häufiger in privaten Wohngruppen unterbringen, von denen nicht wenige sogar im benachbarten Ausland liegen. „Die Tatsache, dass es private Träger sind, ist nicht das Entscheidende, sondern es kommt hinzu, dass die Jugendämter keine Möglichkeiten haben, deren Arbeit zu kontrollieren“, erklärt Drehbuchautorin Christina Sothmann. Das Anliegen des Films, auf diesen Missstand aufmerksam zu machen, ist sicher ehrenwert. Als Krimi, bei dem es hauptsächlich auf Spannung ankommt, funktioniert dieser „Polizeiruf“ aus Rostock aber leider nicht.

Charly Hübner und Anneke Kim Sarnau ermitteln in Polen

Mit Bukows Sohn Samuel (Jack Owen Berglund) im Schlepptau macht sich der aus schwierigsten Verhältnissen stammende Keno nach dem Mord zu Fuß auf den Weg nach Polen, wo er seinen Bruder Otto besuchen will, der dort von den deutschen Behörden auf einem Bauernhof untergebracht wurde und sich schwertut. Alexander Bukow wird derweil wegen Befangenheit von den Ermittlungen in diesem Fall suspendiert. Das hindert den Kommissar freilich nicht daran, sich bei seiner Kollegin Katrin König einzuklinken und mit ihr die Verfolgung der beiden jugendlichen Freunde aufzunehmen. Bei Kenos Oma, wo die beiden Ausreißer Station machen, kommen die Ermittler zu spät. Die weitere Spur führt zu besagtem Bauernhof in Polen, wo sich in der Zwischenzeit eine Tragödie ereignet.

Lohnt sich das Einschalten?

Unser Fazit zum „Polizeiruf 110“ aus Rostock: Puh! Eher was für echte Fans.
© Foto: Collage (NDR/Christine Schroeder/swp)

Regisseur Lars Jessen hat seinen Krimi, der leider keiner ist, mitten im vergangenen Winter bei Minusgraden auf trostlosen Landstraßen, an abweisenden Autobahnraststätten, im kargen Wald und auf ärmlichen polnischen Gehöften gedreht. Das sorgt zwar unbestritten für einprägsame Bilder und eine Atmosphäre der Ausweglosigkeit, die gut zum Thema passt. Zudem machen die Darsteller ihre Sache alles andere als schlecht. Leider ist das Zuschauen aber über weite Strecken ziemlich anstrengend.

Die Bewertung:

1 Pistole: Lieber nochmal mit dem Hund raus.
2 Pistolen: Puh! Eher was für echte Fans.
3 Pistolen: Kann man nichts falsch machen.
4 Pistolen: Gucken! Spricht am Montag jeder drüber.

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