Konzert Orchesterverein Ulm/Neu-Ulm spielt „Eroica“

Ulm / Petra Lehmann 21.11.2018

Ganz im Zeichen der Wiener Klassik stand das gut besuchte Herbstkonzert des Orchestervereins Ulm/Neu-Ulm im Kornhaus. Mozarts Ouvertüre zur Oper „La Clemenza di Tito“ gingen die 60 Musiker unter der Leitung von Michael Eberhardt elanvoll an, wobei das Orchester die verschiedenen Themen und Klangfarben nuanciert herausarbeitete.

Es folgte ein musikalischer Leckerbissen mit der jungen Oboistin Viktoria Kassel. Die 20-jährige gebürtige Ulmerin studiert derzeit Oboe in Weimar und wird im kommenden Jahr mit einem Erasmus-Stipendium an die Royal Academy of Music nach London gehen. Im Kornhaus präsentierte sie zusammen mit dem Orchester das C-Dur-Konzert von Joseph Haydn.

Die Urheberschaft des äußerst fleißigen Komponisten ist zwar ungeklärt, und man geht inzwischen davon aus, dass das Oboen-Konzert wahrscheinlich nicht von ihm stammt. Doch das macht nichts, denn bei diesem schönen Werk kann sich die Oboe so richtig austoben – egal ob von Haydn oder nicht. Viktoria Kassel beindruckte mit furiosen Läufen, musikalischer Einfühlsamkeit und selbstbewusstem Auftritt. Sie harmonierte wunderbar mit dem Orchester, das sich an entscheidenden Punkten zurücknahm.

Dann die wirkliche Herausforderung des Abends: Beethovens „Eroica“. Diese kraftstrotzende und in Teilen auch wehmütige dritte Sinfonie des Wahl-Wieners verlangte den Musikern ­alles ab und passt zugleich hervorragend hinein in eine Zeit von immer häufiger in Erscheinung tretenden Populisten und Möchtegern-Despoten. Schließlich wollte Beethoven seine „Eroica“ einem Helden widmen, der die ­Ideale der Französischen Revolution vertrat und nicht durch den Drang zur Alleinherrschaft auffiel.

Michael Erhardt manövrierte sein Ensemble konzentriert durch das anstrengende Werk. Die Aufführung ließ bis auf wenige klangliche Unsauberkeiten bei den tieferen Streichern kaum etwas zu wünschen übrig. Frenetischer Applaus für alle Beteiligten.

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