Mendelssohns Klavierkonzerte zählen zweifellos zu den romantischen Highlights der Gattung. Gespielt werden sie zumeist auf einem modernen Konzertflügel. Der niederländische Pianist Ronald Brautigam hat sich für den Nachbau eines historischen Pleyel-Hammerklaviers entschieden – und entlockt den Meisterwerken aufregend neue Facetten ab. Hervorragend unterstützt wird er dabei von der Kölner Akademie und ihrem Dirigenten Michael Alexander Willens. Außerdem zu hören: Mendelssohns „Rondo brillant“ in Es-Dur, das „Capriccio brillant“ in h-Moll und die „Serenade und Allegro giocoso“ in D-Dur. Vor allem diese weniger bekannten Stücke geraten unter den Händen von Brautigam und den Kölnern zu spannenden Entdeckungen (erschienen bei BIS, Vertrieb: Klassik Center).

Herr Brautigam, warum spielen Sie die Werke nicht auf einem modernen Konzertflügel?

Als ich vor einigen Jahren Mendelssohns „Lieder ohne Worte“ auf einem Hammerflügel einspielte, waren wir alle erstaunt, wieviel die Musik durch das Instrument an Dramatik und Tiefe gewann und ihren Salon-Charakter verlor. Da ich die Klavierkonzerte des Komponisten früher schon einmal auf einem modernen Flügel aufgenommen hatte, war ich jetzt gespannt, wie diese tolle, leider nicht immer angemessen geschätzte Musik auf einem älteren Klavier klingen würde. Und ich bin genau das Gegenteil von enttäuscht!

Was bedeuten Ihnen Mendelssohns Klavierkonzerte?

Die Klavierkonzerte werden oft als Unterhaltungsmusik gespielt, wobei ihre Virtuosität und Leichtgewichtigkeit an erster Stelle stehen. Selbstverständlich soll der virtuose Charakter der Werke auch zu hören sein, aber ihre dramatischen und dunklen Elemente finde ich persönlich viel interessanter. Ich höre in dieser Musik Mendelssohns Faszination für schottische Landschaften und Legenden, spüre eine wüste, persönliche Dramatik – ein perfektes Gleichgewicht von Licht und Dunkelheit.

Welchen Charakter haben demgegenüber die zwei brillanten Stücke und die Serenade?

Diese drei weniger gespielten Konzertstücke mit ihren freieren Formen zeigen uns, besonders in den zwei Introduktionen, eine seltener gehörte Seite Mendelssohns: unerwartete harmonische Wendungen, eine ungewöhnlich tiefe, fast religiöse Beziehung zur Musik und eine transparente, kammermusikalische Instrumentation. Obwohl diese Werke viel seltener zu hören sind als die Konzerte, würde ich behaupten, dass sie kompositorisch interessanter sind.