Konzert Markus Romes: Alle Stimmen für die Demokratie

Interkulturelle Performance: Markus Romes dirigiert Sänger und Musiker im CCU.
Interkulturelle Performance: Markus Romes dirigiert Sänger und Musiker im CCU. © Foto: Martina Dach
Ulm / Von Burkhard Schäfer 23.10.2018

Wir alle sind das Volk! – Chöre, Weltmusik, Theater, Tanz – Interkultur für Demokratie!“ Ein noch engagierteres Motto hätte der künstlerische Leiter Markus Romes sich für sein Projekt kaum aussuchen können.

Berühmt wurde der Ausruf „Wir sind das Volk!“ durch die Montagsdemonstrationen in der DDR, die schließlich die Wende und damit die Demokratie herbeiführten. Seitdem sich auch rechtspopulistische Gruppierungen die vier Wörter auf ihre Fahnen geschrieben haben, ist die Formulierung korrumpiert. Und so ergänzte Romes sie kurzerhand für seine neuestes Projekt um das kleine Wörtchen „alle“ und gab ihr, wie sich zeigen sollte, dann den passenden interkulturellen „Drive“.

Gesungene Revolution

„Die Demokratie ist immer in Gefahr“, sagte Romes zu Beginn des Konzerts im Congress Centrum. „Glauben wir an sie, kann sie Berge versetzen. Wir müssen deshalb wieder an die Sehnsucht nach Freiheit anknüpfen.“

Wie zum Beweis für diese Worte fing der Abend mit einer Menschenkette an, gebildet von 126 Mitwirkenden aus 26 Ländern, die Hand in Hand und „Meine Heimat“ singend auf die Bühne kamen und damit an die Abertausende von Balten erinnerte, die sich 1989 auf eine ähnliche Weise zusammengeschlossen hatten. Diese „Singende Revolution“ bescherte ihnen damals schließlich die Unabhängigkeit von der Sowjetunion.

Ausgehend von Lettland, der ersten Station, setzte sich die musikalische Demokratie-Bewegung, die Romes und seine vielen Mitstreiter – unter anderem der Internationale Kinderchor und der Jugend- und Hochschulchor Ulm/Neu-Ulm sowie der Bosnisch-muslimische Jugendchor Ulm, der Projektchor der Waldorfschule am Illerblick, der Kammerchor D’accord Ulm, der Kinderchor der Meinloh-Grundschule Ulm und die Tanzgruppe „Mainades“ aus Ulm – auf die Beine gestellt hatten, fort.

Zunächst in China: „Die Dämmerung des Frühlings“ erklang, zu der Yueliang Li die Erhu spielte, dann Deutschland („Die Gedanken sind frei“) und die ehemalige DDR („Sind so kleine Hände“), Afrika („Elah“) und schließlich Griechenland („Du Sonne der Gerechtigkeit“ und „Guten Morgen, Sonne“), toll vom Schauspieler Gunther Nickles im landestypischen Gewand mitinszeniert. Jubel und Bravo-Rufe gab es da schon zur Pause.

Noch mehr interkulturelle Performance folgte in der zweiten Hälfte, eingeleitet von einem „interreligiösen Dreiklang“ und der indischen Meditation „Ra Ma Da Sa Sa Se Sohong“. Ein riesiger gelber Luftballon mit der Aufschrift „Fake“ erschien auf der Bühne – und zerplatzte symbolisch mit lautem Knall.

Bosnien, Israel und Peru wurden ebenso besucht wie die USA, Südafrika („Homeless“) und, im Takt von Astor Piazzollas Musik, Argentinien. Besonders begeisternd: das syrische Lied „Oh Freiheit“, gesungen von Mohammed Alouf.

Zum guten Schluss von „Wir alle sind das Volk!“ erklang die Hymne „Ein Lied für dieses Land“ zum Mitsingen für alle nach einer Idee von Markus Romes und der Musik von Adrian Werum (Text: Chris Werneke). Jubel, Bravo-Rufe, Standing Ovations – selten haben Interkultur und Demokratie eine schönere Stimme bekommen als am Sonntag.

Erneutes Konzert im Januar

Das Projekt „Wir alle sind ein Volk“ wird wegen guter Resonanz am 19. Januar in Ulm wiederaufgeführt. Der Ort wird vom Verein zur interkulturellen Begegnung in Musik und Gesang noch bekanntgegeben.

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