Chor Klangreich: Musik von berührender Nähe

Ulm / Burkhard Schäfer 11.12.2018

„Je weiter entfernt, desto größer die Sehnsucht“, lautete die Botschaft, die Margarete Lamprecht aus ihrem Glückskeks zog, der ihr vom Erhu-Spieler Yueliang Li geschenkt worden war. Ein zutiefst romantischer Satz – und natürlich eine Paraphrase auf das Motto „so nah – so fern“, das Markus Romes, der Leiter des Konzertchors Klangreich, am Sonntag in der fast voll besetzten Pauluskirche aufs Programm gesetzt hatte.

Wer die Konzerte dieses Ausnahmechors kennt, weiß, dass romantische Herzkammern wie Harmonie, Sehnsucht oder Liebe immer eine Schlüsselrolle spielen und von Romes’ hoch engagierten Chor- und Instrumentalmusikern nicht nur gesungen und gespielt, sondern in vielen Facetten präsentiert werden. Und so konnte es kaum erstaunen, dass „Nähe“ und „Ferne“ ein Thema vieler Liedtexte war und auf der Bühne zugleich inszeniert wurde.

Die einleitenden „Past Life Melodies“ von Sarah Hopkins tönten vom Rand des Innenraums her, wo sich die Sänger unter den Arkaden aufgereiht hatten. Auch die Alphornklänge aus „Senners  Freud, Senners Leid, Lüner See“ von Manuel Zieher, vom Komponisten selbst gespielt, ergossen sich von der Empore herab auf die Köpfe der erstaunten Zuhörer.

Unerhörte Obertonlage

Einen Trumpf des Abends zog Romes schon an zweiter Stelle mit „Allt Är Nära“ von Linda Alexandersson. Timber Hemprich sang dieses Lied in unerhörter Obertonlage, was in dem weiten Kirchenraum geradezu irreal, wie nicht von dieser Welt wirkte. Weitere Kostproben seines Könnens bot Hemprich im schwedischen Volkslied „Värmlandvisan“ und – wieder von der Empore herab – mit „Iuppiter“ von Michael Ostrzyga. Von Schweden führte der Weg ins Baltikum: Das litauische Volkslied „Es gulu gulu“ begleiteten die Sänger mit charakteristischen Schmatz- und Schnalzlauten.

„Weit weit weg“ von Hubert von Goisern markierte den emotionalen Scheitelpunkt des Abends. Dass es am Schluss auch als Zugabe gesungen wurde, fügte sich nahtlos ins überzeugende Gesamtkonzept. Toll auch die hoch polyphone Bearbeitung des Rammstein-Songs „Engel“ und das Arrangement von Grace Nonos „Padayon“. Zum traumhaften Schluss: „Dreamweaver“ von Ola Gjeilo, ein genial eklektizistisches Erlösungsdrama in sieben Stationen frei nach Dantes „Göttlicher Komödie“ mit einem überirdisch schönen Ende. Standing Ovations für ein Konzert, das vielen Zuhörern sichtlich naheging.

Info Das nächste Konzert des Konzertchors Klangreich ist am 12. Januar 2019, Heilig-Geist Kirche (Neunkirchenweg).

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