Sie ist blond und schön. Sie ist Landschaftsgärtnerin, Autorin und Moderatorin. Vor allem aber hat die Frau den heute 40- bis 55-Jährigen einige ihrer schönsten Jugend-Begleit-Hymnen beschert: die Engländerin Kim Wilde. Geschaffen hatten die Instant-Knaller „Kids In America“ und „Cambodia“ 1981/82 ihr Vater Marty und Bruder Ricky, der 1987er-Nummer-eins-Hit „You Keep Me Hangin’ On“ ist von den Supremes, von 1988 an schrieb sie aber auch selbst Songs, so etwa „You Came“ von ihrem bis heute erfolgreichsten Album „Close“.

Zu Beginn tourte sie noch zögerlich. Nach 14 Alben und 37 Jahren Erfahrung im Rampenlicht unter anderem als Anheizerin für David Bowie und Michael Jackson hat sie die Bühnenangst aber allem Anschein nach im Griff – auch wenn sie den Auftakt der Konzerte zum neuen, von einer Ufo-Sichtung inspirierten „Here Come The Aliens“-Album mit futuristischer Sonnenbrille zum Fransen-Lederoutfit absolviert.

Am Dienstag in Stuttgart gab sich die 57-Jährige, der schon Dave Grohl mit einer Coverversion und Zeichnerin Marjane Satrapi in ihrem Comic „Persepolis“ huldigten, herzlich, gesprächig und stimmlich trotz Erkältung gut in Form. Wie schon 2011 standen mit ihr auf der Bühne ihr „kleiner Bruder“ Marty an der Gitarre, ihre liebevoll als „little troublemaker“ vorgestellte Nichte Scarlett als Backgroundsängerin sowie fünf weitere langjährige und neue Musiker. Darunter gleich zwei Drummer, schließlich ist der Sound der Wave-Popperin im Lauf ihrer Karriere rockiger geworden.

Im Theaterhaus versanken jedoch gerade jene Stücke in einem schwer erträglichen Sound-Brei. Höhepunkt neben den vom mitgealterten Publikum herbeigesehnten großen Hits der frühen 80er war deshalb der als Wilde-Dreier dargebotene Akustik-Block mit „Hey Mr. Heartache“ und „Four Letter Word“ sowie ein brandneuer Industrial-Remix von „Cyber Nation War“.