Klingt wie billige Reklame oder Lebensberatung: „Drei Stunden Glück“. Doch genau damit warb das Klangforum Wien beim Festival Eclat für sein Projekt „Happiness Machine“. Das setzt sich nämlich mit der „Gemeinwohl-Ökonomie“ von Christian Felber auseinander. 2015 empfahl die EU das Konzept, das nicht Gewinnmaximierung, sondern Mensch und Umwelt ins Zentrum rückt, als „nachhaltiges Wirtschaftsmodell für den sozialen Zusammenhalt“. Längst ist daraus eine Bewegung geworden.

Drei Stunden Glück – was kam heraus? Film- und Musikbeiträge wechselten im Theaterhaus mit Statements von Klangforum-Leuten. Spannender als die Trickvideos über Arbeit und  Profitgier, interessanter als die Musiksequenzen aber waren die kurzen Selbstdarstellungen der Mitglieder über ihren Alltag und ihr Denken: skurril, witzig, philosophisch. Da gelobt der Intendant, nie mehr ökologisch unsinnige Flüge – etwa nach Japan wegen eines 30-Minuten-Auftritts – zu unternehmen. Ein Posaunist denkt über das Böse nach. Und nach einem seminarartigen Beginn ergänzen sich Film, Musik und Selbstreflexion immer besser, der Abend groovt sich ein – zwischen Skepsis und Aufbruch, Realität und Utopie. Alles kreist um die Frage: Wie wollen wir leben?

Um Hexen und elf böse Elfen ging es am Samstag. Anders als Bernhard Ganders „Eleven Evil Elves“, die in Loops auf der Stelle treten, fesselt Michael Pelzels Chorwerk „Hagzusa und Galsterei“ schon eher: eine Art Hexentanz, mit Wucht vom SWR Vokalensemble zelebriert. Dagegen wirkt das Doppelchor-Opus „Voices“ zu Texten von Trakl bis Brecht fast abgeklärt. Komponiert hat es Christian Wolff – der 84-Jährige, Mitglied der New York School of Composers um John Cage, war prominenter Eclat-Gast. Ohne Textverhackstückung bewegt sich sein Werk zwischen Bach-Motette und Eisler-Schrägen.

Bombastische Klischees

Am Sonntag dann das große Finale. Während Vykintas Baltakas‘ „Sandwriting II“ viel Intensität verströmt, hat sich die Ironie verfremdeter Bombast-Klischees im „Piano Concerto“ von Christian Winther Christensen schnell abgenutzt. Den Schluss bildet „Der Verwandler“ von Vito Žuraj zum 100. Todestag von Johann Friedrich Böttger, der beim Versuch, Porzellan zu faken, das berühmte Meißner Porzellan erfand. Die Musik? Gigantisch. Eine Art Sinfonie der Tausend mit SWR Orchester und Vokalensemble, ein wogendes, brodelndes Oratorium mit Bambusorgel und exuberantem Bimbam-Geläut auf Porzellanglocken aus der Meißner Manufaktur.