Comedians oder Liedermacher? Oder beides? Auf die Stuttgarter Anarcho-Komiker trifft alles zu, was irgendwie nicht ganz normal ist. Allein schon der Name: Eure Mütter für ein männliches Comedy-Trio – welcher Irrwitz! Und der steckt auch im neuen, mittlerweile siebten Programm „Bitte nicht am Lumpi saugen!“. Damit kehrten die drei Spaßgesellen für zwei ausverkaufte Abende ins Roxy zurück. Am Donnerstagabend kamen die Fans nach dem singenden Auftakt („Was soll der A-cappella-Scheiß?“) mit dem Lachen oft kaum nach – am Freitag ist der zweite Auftritt.

Reißerische Titel für die  Shows sind ihr Markenzeichen. Doch die haben – wie Matze Weinmann auf Nachfrage erklärte – „traditionsgemäß nichts mit dem Inhalt“ zu tun. Irgendwie durchgeknallt. Doch bei Comedy ist nicht das Was entscheidend, sondern das Wie. Und darauf verstehen sich die 43-jährigen Kumpel „Matze“ Matthias Weinmann, „Andi“ Andreas Kraus und Donato „Don“ Svezia. Schwarz wie ihr T-Shirt-Outfit ist ihr Humor zwischen Kunst und Klamauk – ohne Tabus vor Unterleibzonen. Die drei Typen sind eine Spezies für sich. Erzählend, singend, rappend, tanzend zielen sie auf Lachmuskeln und Gehirnzellen.

„Steck ihn rein“

Seit 1999 machen die Schulkollegen gemeinsame Sache. Hunderttausende Live-Zuschauer und 50 Millionen YouTube-Views verbucht das preisgekrönte Comedy-Trio, dessen Shows alle Altersstufen bedienen. Zwar ist der Mix aus derbem Humor und deftigen Kraftausdrücken sowie eindeutigen Zweideutigkeiten, etwa beim Mitsing-Refrain „Steck ihn rein du weißt schon wo“, kein Grund zum Fremdschämen, doch für einige Unter-Zwölfjährige starker Tobak.

Im Überraschungspaket wechseln zweieinhalb Stunden lang Gesangsnummern und Slapstick, Sketche (ausgebuchte Onanier-Zimmer im Hotel wegen der Bischofskonferenz) und Stand-up, Grimassen und Ausstattung, Themen und Typen, Sprüche und Brüller. Knüller waren dazwischen die Lieder mit amüsanten Texten, selbst von den Muntermachern fabriziert. Jeder hat Stimme. Matze klampft passabel Gitarre, sehr gut ist Andi auf dem Flügel unterwegs. Sein Song „Zu dumm zum Schlafen“ spricht wie die Verwandtschafts-Persiflage dem Publikum aus dem Herzen.

Erzieherin aus Ulm

Ein fester Bestandteil bei Eure Mütter ist der Publikumswettbewerb. Gewinner war diesmal Nicki, eine junge Erzieherin aus Ulm, die mit „Pippi, Kacka, Kotze“ die zu erratende Kita trefflich umriss. Nach Zugaben endete das heftig erklatschte Finale wie immer im Synchron-Haarewaschen der drei Mütter, sexy wie Gogo-Girls mit viel Schaum und Wasser bei heißer Musik. Und mit einem ulkigen Abschiedslied – bis zum Wiedersehen am 14. März 2021.