Neu-Ulm / Burkhard Schäfer  Uhr

Das Wort „Heimsuchung“ ist im sakralem Verständnis buchstäblich eine frohe Botschaft: Mariä Heimsuchung, das Fest, das die Kirche am 2. Juli feiert, verweist auf das Kommen des Heilands und damit auf Weihnachten. Im Lateinischen beginnt der Lobgesang Marias mit den Worten „Magnificat anima mea Dominum“ („Meine Seele preist den Herrn“) und findet sich im Lukas-Evangelium. Durch die Jahrhunderte hindurch hat dieser Lobgesang die Komponisten inspiriert.

Drei solcher Magnificat-Vertonungen aus dem Barock hatten das Collegium musicum Ulm und der Petruschor Neu-Ulm unter der Leitung von Kantor Oliver Scheffels jetzt in der voll besetzten Neu-Ulmer Petruskirche aufs Programm gesetzt und dabei wie als ein musikalisches Triptychon angeordnet. Die „Mitteltafel“ bildete das schmerzlich-introvertierte „Magnificat“ in g-Moll von Antonio Vivaldi, die beiden „Flügel“ stammten von Georg Philipp Telemann am Anfang (C-Dur) und Johann Sebastian Bach (D-Dur) am Schluss.

Man kann nur das Wort „großartig“ bemühen, um zu beschreiben, wie die Musiker, bestens unterstützt von Berenike Huber und Agnes Schmauder (Sopran), Anneka Ulmer (Alt), Wolfgang Frisch-Ca­talano (Tenor), Christian Huber und Michael Bu­row-Geier (Bass), die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der drei Werke in Szene setzten und die Botschaft der Musik zum Sprechen, Leuchten brachten. Das den Abend krönende Magnificat von Bach wirkte in der Petruskirche wie eine Summe und Quintessenz aller jemals geschriebenen Lobgesänge. Intensität pur!