Karlsruhe / Von Burkhard Meier-Grolman

Auch wenn die Art Karlsruhe zum 16. Mal über die Bühne geht, wird wohl keiner auf den Gedanken kommen, sein Augenwerk nur noch auf den schnöden Mammon zu richten. Selbstredend haben wir hier eine Kunstmesse vor uns, einen Handelsplatz, wo möglichst sämtliche Exponate an die Frau oder den Mann gebracht werden sollen und es deshalb auch erlaubt ist, über deren Wert oder Unwert zu diskutieren, zu spekulieren und zu urteilen. Aber wenn die Sammelleidenschaft in den Besuchern wirklich wachgekitzelt werden soll, dann muss das gesamte Ambiente stimmen, dann genügt es eben nicht, nur gut lesbare Preisschilder unter die Objekte zu tackern.  Da muss man diesen Kunstmarkt schon mit Zutaten anreichern, die das kulturelle Umfeld  von A bis Z bestens abbilden.

So darf es nicht verwundern, wenn die Art Karlsruhe aus dem derzeitigen Hype rund um das Bauhaus-Jubiläum Honig saugt. In der Sonderausstellung der Privatsammlung von Peter C. Ruppert  stolpert man gleich über sämtliche Protagonisten der konstruktiven und konkreten Kunst, darunter Josef Albers, Max Bill, Richard Paul Lohse und andere auffällige Köpfe dieser Bewegung.

Das Namedropping nimmt auch in den Galerien der Art Karlsruhe kein Ende, Konstruktivisten, Op-Artisten und Zero-Künst­ler stoßen dazu, Otto Piene, Günther Uecker und Heinz Mack finden sich in den Kojen ein, Victor Vasarely natürlich, Antonio Calderara samt seinen italienischen Kollegen. Erfreulicherweise sind auch die besonders hier im Südwesten hoch geschätzten Signalmaler Günther Fruh­trunk, Georg Karl Pfahler und Lothar Quinte zugegen.

Aber keine Angst: Wer mit diesen meist auf Form und Farbe fixierten multitalentierten Künstlern wenig am Hut hat, muss nicht verzweifeln. Die bunten Vögel aus der gegenständlichen Ecke rocken auch diese Kunstmesse, da haben die dem rechten Winkel huldigenden Bauhausmeister und ihre Nachfahren kaum eine Chance, dagegen anzustinken.

Der Gründungsvater und Kurator der Karlsruher Kunstmesse, Ewald Karl Schrade, pocht zwar auch im 16. Jahr auf eine weitere Steigerung des Qualitätsbewusstseins seiner 208 ausgelesenen   Kunsthändler, aber kann er überhaupt verhindern, dass seine Galeristen ihre vielleicht schon in der benachbarten Koje lauernden direkten Konkurrenten auch mit marktschreierischer Attitüde aus dem Feld schlagen wollen?

Auffallen um jeden Preis, heißt die Devise. So porträtiert Andrea Bender bei Michael Sturm ein hundeähnliches Wesen, das geduldig vor einer Küchenmaschine sitzt und auf sein Futter wartet. Die Galerie Friedmann-Hahn verteilt in altmeisterlicher Stillleben-Manier gemalte frisch gepflückte Erdbeeren und aufgebrochene Granatäpfel von Mirko Schallenberg. Auch geschmiedeten und geschweißten Schweinen begegnet man in den Hallen, dazu gesellt sich ein in Acryl gepinselter Wildschwein-Keiler mit Frischling-Nachwuchs oder auch mal ein ausgewachsener Alligator, der pinkfarbene Cowboy-Bekleidung bevorzugt.

Überhaupt, was da alles zusammengepinselt wird, geht auf keine Kuhhaut und sprengt auch jede Geschmacksgrenze: Ganze Viehherden mit Rind, Hund und Schwein werden übers Großformat getrieben, böse grinsende Schimpansen halten Rosen zwischen ihren Zähnen, Hannes Meyer preist seine silbern glänzende große Bronze-Minnie-Maus für schlappe 14 500 Euro an.

Ein Lebemann kann sich ein mit einer stattlichen Rolex winkendes Model übers Sofa hängen, Mädchen mit Hackebeil tauchen auf, Lippenstifte in Reih und Glied, ein mit Mohnblumen dekorierter Zwölfender, aus der Karlsruher Majolika-Manufaktur entsprungene Nackedeis von Johannes Hüppi (1500 Euro) und ein schmucker Majolika-Katzenbär von Daniel Wagenblast für 450 Euro. Und jede Menge Plastik-Blu­mensträuße sowieso.

 Das Alleinstellungsmerkmal der Art Karlsruhe sind wieder die zwanzig Skulpturenplätze, das sind wirklich angenehme Ruhezonen, in denen sich vor allem unsere Augen von den Farbgewittern erholen können. Die meisten Selfies werden wohl zusammen mit Matthias Garffs übergroßen stehenden Kohl- und Blaumeisen auf dem Skulpturenplatz von Tobias Schrade geschossen, vornehme Zurückhaltung dagegen auf dem Platz der Dätzinger Galerie Schlichtenmaier mit Arbeiten des Altmeisters Erich Hauser und des Japaners Hiromi Akiyama.

Die Art Karlsruhe hat eine Sonderschau mit Druckgraphik eingerichtet. Die Preisliste fängt hier tatsächlich bei 230 Euro an. Über den Prägedruck „Friedensangebot“ von Günther Uecker (12 500 Euro) landet man dann aber ganz schnell bei der wunderbaren Picasso-Aquatinta „Jacqueline“ von 1955 für 40 000 Euro.

50 000 Besucher werden erwartet

Mehrere Preise werden auf der 16. Art Karlsruhe verliehen: der Hans-Platschek-Preis für Kunst und Schrift, der Art-Karlsruhe-Preis des Landes und der Stadt für die beste One-Artist-Show der Messe, der Loth-Skulpturen-Preis der L-Bank und der Staatsbank für einen der in den vier Messehallen der Art Karlsruhe in Rheinstetten angelegten 20 Skulpturenplätze.

208 Galerien aus 16 Ländern von Belgien bis Südkorea und Japan sind nach Karlsruhe berufen worden. Sie erwarten mehr als 50 000 Kunstfreunde.

Die Hallen sind bis Sonntag, 24. Februar, täglich von 11-19 Uhr geöffnet.