Insolvenzverfahren bei Les Lunes
: Eine Rundmail an Influencerinnen klärt teilweise auf

Nach monatelang ausstehenden Zahlungen hat Les Lunes in einer Rundmail an Influencerinnen das Eigenverwaltungsverfahren bestätigt und erklärt, warum vorerst kein Geld fließt.
Von
Judith Müller
Berlin
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Das Unternehmen Les Lunes kann einen Großteil der Influencerinnen nicht mehr bezahlen.

Das Unternehmen Les Lunes kann einen Großteil der Influencerinnen nicht mehr bezahlen.

Screenshot: https://leslunes.de/pages/about-us

In den vergangenen Wochen haben mehrere Influencerinnen, darunter Angelina Pannek, Marly Hirschvogel und Lisa Schrenk, öffentlich erklärt, dass Zahlungen für ihre Kooperationen mit Les Lunes seit Monaten ausbleiben. Unter einem Instagram-Post meldete sich Angelina Pannek wütend zu Wort: „Ich hab für euch gearbeitet und 3 Mahnungen geschrieben. Danach eine Mail an eure Buchhaltung, die sagte, das endlich bezahlt wird. Was ist? NICHTS. Wie viele Monate müssen wir noch vorgehen? Ihr habt von mir eine zuverlässige Leistung erhalten, also erfüllt euren Teil!“

Auch Influencerin Marly Hirschvogel berichtete: „Seit Mai werden viele oder vielleicht sogar alle Creator von Les Lunes ausgenutzt! Wir dürfen brav Werbung machen mit 50 %, geben uns Mühe – und für was? Die machen sich die Taschen voll und niemand wird mehr bezahlt.“

Content-Creatorin Lisa Schrenk warnte: „Ich warte seit 8 Monaten. Hab dich gewarnt. Leider befürchte ich, dass hier eine Insolvenz ansteht.“

Dutzende weitere Influencerinnen berichteten von ähnlichen Erfahrungen, einige erhielten erst nach rechtlichen Schritten ihre Zahlungen.

Les Lunes reagiert – Eigenverwaltungsverfahren eingeleitet

Am 31. Oktober 2025 veröffentlichte Les Lunes eine Rundmail an alle Influencer-Partner und Dienstleister, in der das Unternehmen die Einleitung eines Eigenverwaltungsverfahrens beim Amtsgericht Charlottenburg bestätigte. Diese besondere Form des Insolvenzverfahrens soll es dem Unternehmen ermöglichen, eigenverantwortlich zu sanieren und zukunftsfähig aufgestellt zu bleiben.

In der Mail heißt es unter anderem: „Uns ist bewusst, dass wir in den vergangenen Wochen Anfragen gar nicht, sehr zeitverzögert oder nicht zu Zufriedenheit beantwortet haben. Dies bedauern wir sehr und möchten uns aufrichtig dafür entschuldigen. Die aktuelle Situation hat uns gezwungen, im Krisenmodus zu agieren – leider nicht immer so professionell und reibungslos, wie wir es selbst von uns erwarten.

Die Mail erklärt außerdem, dass offene Forderungen vor dem 30. Oktober 2025 aufgrund insolvenzrechtlicher Vorgaben nicht beglichen werden dürfen. Alle Ansprüche müssen künftig beim gerichtlich bestellten Sachwalter angemeldet werden. Erst nach Eröffnung des Verfahrens – voraussichtlich in rund drei Monaten – könne entschieden werden, ob und in welcher Höhe Zahlungen über eine sogenannte Insolvenzquote erfolgen.

Was bedeutet das für die Influencerinnen?

Für viele Influencerinnen bedeutet dies, dass sie vorerst weiterhin auf ausstehende Zahlungen warten müssen. Selbst rechtliche Schritte können die Ansprüche bis zur offiziellen Anmeldung beim Sachwalter nicht automatisch durchsetzen. Das Unternehmen betont jedoch, dass der Online-Shop weiter geöffnet bleibt und geplante Aktionen wie der Black Friday stattfinden.

Hintergrund zu Les Lunes

Les Lunes ist ein deutsches E-Commerce-Unternehmen, das auf hochwertige, nachhaltige Fashionprodukte spezialisiert ist. Die Kollektionen bestehen aus weichen, natürlichen Materialien und werden ressourcenschonend produziert. Les Lunes vertreibt seine Produkte über den eigenen Online-Shop sowie Partner wie Breuninger, Best Secret oder Zalando.

Ausblick

Die Rundmail gibt erstmals einen offiziellen Einblick in die wirtschaftliche Lage von Les Lunes. Das Eigenverwaltungsverfahren soll das Unternehmen sanieren, während offene Zahlungen an Influencerinnen vorerst ungelöst bleiben. Ob und in welchem Umfang die Creatorinnen ihr Geld erhalten, bleibt abzuwarten – die öffentliche Diskussion über die Marke und ihre Kooperationen dürfte dennoch weitergehen.