ESC 2025
: ARD-Sender löscht umstrittenen Israel-Post nach heftiger Kritik

Der Bayerische Rundfunk hat einen Post zur ESC-Teilnahme Israels gelöscht. Der Beitrag löste Kritik aus, unter anderem wegen einer missverständlichen Formulierung und eines falsch geschriebenen Namens.
Von
Judith Müller
Basel
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Yuval Raphael performt New Day Will Rise für Israel im zweiten Halbfinale in der St. Jakobshalle

Yuval Raphael performt New Day Will Rise für Israel im zweiten Halbfinale in der St. Jakobshalle

Alma Bengtsson/EBU

Am Donnerstag veröffentlichte der Instagram-Kanal „News-WG“, ein BR-Format für junge Zielgruppen, eine Grafik mit der Frage: „Sollte Israel hier teilnehmen dürfen?“
Zu sehen war das ESC-Logo und ein Porträt der israelischen Sängerin Yuval Raphael – deren Name im Beitrag falsch geschrieben war („Yuval Razael“).

Der Post bezog sich auf Boykottforderungen gegen Israel im Zusammenhang mit dem Krieg in Gaza. Auch die Kritik an der Teilnahme Raphaels, die den Hamas-Angriff auf das Nova-Festival am 7. Oktober 2023 überlebte, wurde thematisiert.

Reaktionen aus Politik und Kultur

Kurz nach Veröffentlichung wurde der Beitrag öffentlich kommentiert und kritisiert.
Der Journalist Hasnain Kazim schrieb auf X: „Nicht Euer Ernst.“ Pianist Igor Levit wies auf den falsch geschriebenen Namen hin und kritisierte die Formulierung des Beitrags.

Der Beitrag wurde als unausgewogen, undifferenziert und wenig sensibel empfunden. Auch Kulturstaatsminister Wolfram Weimer wurde zitiert. Er bezeichnete Boykottforderungen gegen die Künstlerin als „abstoßend“.

BR reagiert und ersetzt Beitrag

Der BR entfernte den ursprünglichen Post und veröffentlichte eine überarbeitete Version. Die neue Formulierung lautet: „Israels Teilnahme am ESC sorgt für Diskussionen.“

In einem Update erklärte die „News-WG“: „Wir haben den Post nach euren zahlreichen Anmerkungen überarbeitet – wir wollten zeigen, dass es eine öffentliche Diskussion über die Teilnahme Israels gibt. Das ist uns in der ersten Version nicht differenziert genug gelungen.“

Gegenüber der Zeitung Die Welt teilte der BR mit, der ursprüngliche Beitrag habe die notwendige Sensibilität vermissen lassen. Man bedauere den Fehler ausdrücklich.

Kontext: Kritik an Israel beim ESC

Im Vorfeld des ESC 2025 hatten über 70 ehemalige Teilnehmer:innen sowie mehrere zivilgesellschaftliche Gruppen den Ausschluss Israels gefordert. Der Vergleich mit dem Ausschluss Russlands 2022 wurde dabei mehrfach gezogen.

Die European Broadcasting Union (EBU) lehnt einen Ausschluss Israels ab und verweist auf die redaktionelle Unabhängigkeit der beteiligten Sendeanstalten. Israel nimmt mit dem öffentlich-rechtlichen Sender KAN regelmäßig am ESC teil.

Yuval Raphael, die Israel dieses Jahr vertritt, ist selbst Überlebende des Anschlags auf das Nova-Musikfestival. Während einige sie als Symbol der Resilienz sehen, kritisieren andere ihre Teilnahme im Kontext der israelischen Militäraktionen im Gazastreifen.